27.12.2019 - 15:12 Uhr
AmbergOberpfalz

Was 2019 die Region Amberg im Onetz bewegt

Relikte des Zweiten Weltkriegs sorgen im Sommer für Aufregung in Haselmühl und eine Familie, deren Schicksal eine Region aufwühlt: Es sind die beiden Geschichten, die unsere Leser 2019 im Onetz besonders interessieren.

Sprengmeister Michael Weiß und seine Kollegin Bettina Jurga haben Ende August wieder gut lachen, als die zweite Weltkriegsbombe, die in Haselmühl bei Bauarbeiten gefunden wurde, entschärft ist.
von Stephanie Wilcke Kontakt Profil
von Miriam Wittich Kontakt Profil

Zehn Stunden hält eine 225-Kilo-Fliegerbombe am 14. August Haselmühl in Atem. Im ehemaligen Gemüsegarten einer Familie am Ganghoferweg lag sie seit dem Zweiten Weltkrieg nur wenige Zentimeter unter der Erde. Bei Baggerarbeiten kommt sie etwa 74 Jahre später zum Vorschein. 300 Polizisten, Feuerwehrleute und Rettungskräfte rücken zum Einsatz aus, das Sprengkommando Nürnberg wird angefordert, ein Sperrgürtel errichtet. Rund 1500 Personen, darunter auch 87 Bewohner eines Seniorenzentrums, müssen evakuiert werden. Mit Lautsprecherdurchsagen werden die Anwohner informiert. Die Einsatzkräfte riegeln Straßen, darunter auch die vielbefahrene Vilstalstraße, ab.

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Im Jugendzentrum Klärwerk und in der Turnhalle in Ebermannsdorf werden Anlaufstellen eingerichtet für die Menschen, die aus ihren Wohnungen und Häusern mussten. Kurz vor Mitternacht gibt es Entwarnung. Die Bombe ist entschärft. Alle dürfen zurück. Doch wo eine Bombe liegt, sind weitere nicht auszuschließen. Vorsorglich untersucht eine Kampfmittelräumfirma das Grundstück erneut. Und tatsächlich: Fünf Tage nach dem ersten Fund wird noch ein Blindgänger freigelegt. Wieder muss ein Radius von 500 Metern abgesperrt werden.

Schicksal einer Familie

Weit über die Grenzen Sulzbach-Rosenbergs hinaus bewegt das Schicksal der Familie Guliyev unsere Leser gegen Ende des Jahres. Und die Geschichte ist noch nicht zu Ende. Die Guliyevs stammen aus Aserbaidschan und haben vor einigen Jahren einen Asylantrag in Deutschland gestellt. Zwei Jahre nach der ersten Antragstellung erfolgte die Ablehnung, auch ein Eilantrag wurde vor einigen Wochen negativ beschieden.

Der Asylantrag einer fünfköpfigen Familie aus Aserbaidschan, die in Sulzbach-Rosenberg wohnt, ist abgelehnt. In der Nacht kommt die Polizei, um die Abschiebung zu vollstrecken.

Nur wenige Stunden nach Zustellung des Dokuments kommt nachts die Polizei, um die Familie Mitte November für einen Abschiebeflug mit 300 Aserbaidschanern nach Baku abzuholen. Mutter Elnara (33) ist wegen Schmerzen in ihrer Risikoschwangerschaft stationär im Krankenhaus in Amberg. Als die Polizisten dort auftauchen, soll ihr Mann Jafar zu Hause gefesselt worden sein, die beiden Söhne (13) und (11) in ein anderes Zimmer gebracht. Die zweijährige Tochter soll geschlafen haben. Elnara hat laut ihrer Auskunft auf der Trage, als sie zum Rettungswagen gebracht werden sollte, mit den Füßen gestrampelt und sich mehrfach erbrochen. Schließlich ist die Abschiebung abgebrochen worden. Die Familie gilt gemeinhin als gut integriert, spricht fließend Deutsch - noch Tage danach ist das Entsetzen bei vielen Sulzbach-Rosenbergern und bei Vertretern von Beratungsstellen für Flüchtlinge über das Vorgehen groß. Elisabeth Schwemmer von der Imedana-Beratungsstelle für asylsuchende Frauen in Nürnberg ist empört und spricht von einem Skandal. "Das ist zutiefst unbarmherzig." Dass man auf Biegen und Brechen versuche, "fünf Menschen unbedingt loszuwerden", sei ihr unbegreiflich. Zumal das Verfahren vor der Härtefallkommission noch läuft.

Regierung widerspricht

Die Regierung der Oberpfalz widerspricht im Namen ihrer Zentralen Ausländerbehörde. Unter anderem sollte die Rückführung der Schwangeren in einem Krankentransporter erfolgen und bis Baku wäre die gynäkologische Betreuung sichergestellt worden. Über Komplikationen in der Schwangerschaft habe die Familie die Regierung nicht informiert, heißt es weiter. Auch der Krankenhausaufenthalt sei vorab nicht bekannt gewesen. "Das ist absolut falsch", widerspricht Schwemmer. Sie beruft sich dabei auf mehrere Atteste, welche an die Ausländerbehörde geschickt wurden. Eine Betreuerin der Familie habe auch das Amt informiert, dass die Frau wegen einer befürchteten Frühgeburt in der Klinik sei.

Riesige Solidarität

Die Solidarität für die Familie ist indes riesig geworden: "Ich will meinen Freund nicht verlieren", schreibt ein elfjähriger Bub in einem Brief an die bayerische Härtefallkommission. Er will nicht, dass die Familie abgeschoben wird. Ihm folgten viele andere aus dem Sportverein, Taekwondo und Schachclub, in denen die beiden Söhne aktiv sind. Den Vorwürfen widerspricht die Regierung der Oberpfalz auch Wochen später erneut. Man habe nicht gewusst, dass die Schwangere im Krankenhaus sei. Anders als die Familienbetreuerin dargestellt habe, "liegen auch keine Atteste vor, die Zweifel an der Reisefähigkeit begründet hätten".

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Wichtig ist den Verantwortlichen beim Bezirk auch die Feststellung, dass sich die Frau in jener Nacht nicht im Kreißsaal befunden hätte. Die Familie ist seit neun Monaten ausreisepflichtig. Dabei bleibt die Regierung der Oberpfalz. Am 1. Oktober bestätigte die Härtefallkommission die Entscheidung. Zu den Maßnahmen wird es die kommenden Monate aber nicht kommen. Sechs Wochen vor dem Geburtstermin und drei Monate nach der Geburt gibt es keine Abschiebungen.

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