11.07.2019 - 17:48 Uhr
AmbergOberpfalz

6. Klasse an Wirtschaftsschulen: Gefahr für das ländliche Schulsystem

Die Einführung der 6. Klassen in Wirtschaftsschulen lehnen sie ab: Sie gehe zulasten des Schulsystems des ländlichen Raums, war der einhellige Tenor beim Bürgermeistertreffen der kommunalpolitischen Vereinigung der CSU.

Kein Verständnis haben (von links) die Bürgermeister Florian Junkes (Hohenburg, Peter Braun (Schmidmühlen), Josef Gilch (Ebermannsdorf), Roland Strehl (Kümmersbruck), Hans Koch (Königstein), Erwin Geitner (Rieden), Markus Dollacker (Ensdorf), Bernhard Lindner (Hahnbach), Dieter Dehling (Illschwang, Hermann Falk (Hirschau) und Roman Berr (Etzelwang) für den Beschluss des Bayerischen Ministerrats.
von Josef IbererProfil

Der Kreisvorsitzende, Hahnbachs Bürgermeister Bernhard Lindner, informierte seine Kollegen darüber, dass der Bayerische Ministerrat beschlossen hat, die Einführung einer 6. Klasse an Wirtschaftsschulen als Regelangebot ab dem Schuljahr 2020/2021 zuzulassen. Vorausgegangen war ein Modellversuch, der nun auf ganz Bayern ausgedehnt werden soll. Das geht ganz klar zulasten des ländlichen Raumes: Darin waren sich die CSU-Bürgermeister einig. Wirtschaftsschulen hätten ihre Standorte in der Regel in größeren Städten, so dass diese Entwicklung die ländlichen Mittelschulen schwäche.

Über die Schließung der dortigen Mittelschule informierte Königsteins Bürgermeister Hans Koch. Am Ende sei nur die Entscheidung geblieben, wie die Kinder auf andere Mittelschulen verteilt werden. "Ergebnis ist ein nur mehr halb genutztes und mit hohem Kostenaufwand saniertes Schulhaus", sagte Koch. Die Wirtschaft begrüßt den Ausbau der Wirtschaftsschulen. Mit der Einführung der 6. Jahrgangsstufe dort kommt nach Ansicht der Bürgermeister aber ein noch früherer Orientierungsdruck auf die 5. Klassen der Hauptschulen zu. "Bis zur Entscheidung eines Übertritts von der 6. Klasse der Hauptschule in die 7. Klasse der Mittelschule sind diese Schüler bereits fort, um es klar auszudrücken", sagt Lindner: "Die Schüler fehlen uns bereits in der 6. Klasse der Hauptschule, in Folge in der Mittelschule und das bei kontinuierlich rückläufigen Schülerzahlen, insbesondere im Mittelschulbereich."

Die Bürgermeister sehen darin eine erste Wettbewerbsverzerrung. Den zweiten Nachteil, den der ländliche Raum in diesem Kampf um die Schüler hinnehmen müsse, sei der bessere öffentliche Nahverkehr in die Städte. Bürgermeister Peter Braun (Schmidmühlen) kündigte deshalb eine Resolution an das Kultusministerium an. Die Forderung könne nur lauten: Wenn diese Schulform bei insgesamt rückläufigen Schülerzahlen nicht in ihrer Existenz bedroht sein soll, muss die Staatsregierung die Entscheidung des Regelangebots 6. Klasse Wirtschaftsschule zurücknehmen, die Attraktivität der ländlichen Mittelschulen und den ländlichen ÖPNV durch Erhöhung der pauschalen Zuweisung zur Schülerbeförderung verbessern.

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