03.09.2018 - 10:14 Uhr
AmbergOberpfalz

ADHS-Lösung ohne Chemie

ADHS - dahinter verbirgt sich die Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts- Störung. Diese Kinder gelten als impulsiv, unkonzentriert, rebellisch. Und sie bekommen Medikamente. Christian Michael Gnerlich will andere Wege finden.

Christian Michael Gnerlich fällt selbst gerne aus dem Rahmen, wenn es darum geht, Kindern und Jugendlichen mit ADHS-Diagnose zu helfen. Das Info-Mobil des 23 Jahre alten Ambergers steht an diesem Dienstag noch auf dem Marktplatz.
von Thomas Kosarew Kontakt Profil

Der 23-jährige Amberger, der in Weiden Wirtschaftsingenieurwesen studiert, schüttelt den Kopf, weil er es nicht glauben mag. Ihm seien Fälle von ADHS-Mädchen und -Buben bekannt, bei denen schon das Kindergartenpersonal die Schulen warne, indem es sinngemäß heiße: "Nehmt das Kind nicht, wenn es kein Ritalin bekommt." Das könne es aber nicht sein, sagt Gnerlich, der als Sechstklässler die Diagnose und eben jenes Medikament erhielt, das ihn auf Dauer nur depressiv machte: "Es braucht Alternativen." Auch bei jungen Patienten mit Ess- und Schlafstörungen, Depressionen oder Anzeichen eines Burn-outs.

Positiver Effekt

Eine Lösung glaubt Gnerlich in der Neurofeedback-Methode gefunden zu haben. Dabei werde mittels der Elektroenzephalografie, die auch unter der Abkürzung EEG bekannt ist, ermittelt, wann sich das Gehirn konzentriert und entspannt. Denn diese beiden Zustände ermöglichen quasi ein normales Leben - ohne Medikamente. Und beides könne aufgrund der EEG-Daten trainiert werden. Spezialisten verlangen pro Sitzung 80 bis 120 Euro, die von den meisten Krankenkassen nicht übernommen werden. Gnerlich will sich dafür einsetzen, dass die Kosten auf unter 30 Euro sinken und teilweise auch übernommen werden. In Falle von Studenten der Ostbayerischen Technischen Hochschule vom zuständigen Studentenwerk. Letztlich gehe es darum, herauszufinden, wie sich ein Betroffener selbst in den Zustand der Konzentration und Entspannung versetzen kann, ohne zur Chemie greifen zu müssen. Viele Kinder würden "mit Medikamenten zugeschossen", aber das sei nicht der richtige Weg: "Wir stellen uns in diesem Moment über das Kind. Es braucht andere Möglichkeiten." Das Neurofeedback mittels EEG würde helfen. Ab zehn Sitzungen sei mit einem nachhaltigen positiven Effekt zu rechnen. Bei 80 bis 120 Euro pro Treffen sei das für viele aber nicht bezahlbar.

Gnerlich möchte nicht, dass ein falscher Eindruck entsteht. Es gehe ihm nicht ums Geldverdienen und auch nicht um Esoterik, sondern um die Nutzung von Behandlungsmethoden, gegen die sich die Pharma-Industrie und damit auch die Krankenkassen wehrten. Der 23-Jährige, der mit Weggefährten die Initiative "Out of the Box" für Kinder, die aus dem Rahmen fallen, gegründet hat, geht sogar noch einen Schritt weiter.

Auch für Firmen

Betriebe könnten beispielsweise das Neurofeedback nutzen, um herauszufinden, welche Stärken bestimmte Mitarbeiter haben und wo sie folglich am besten einzusetzen wären: "Da geht es um Stressresistenz und Strapazierbarkeit."

Mit seinem Info-Mobil steht Christian Michael Gnerlich seit dem Wochenende auf dem Marktplatz vor der Basilika St. Martin. Am heutigen Dienstag beantwortet er von 11 bis 18 Uhr alle Fragen zum Thema.

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