14.06.2019 - 16:09 Uhr
AmbergOberpfalz

Afrika Luz war wieder in Nepal: Hilfe für die Kranken

Augenlicht und medizinische Versorgung für Nepal: Das hat sich das Projekt Africa Luz Deutschland auf die Fahnen geschrieben. Isabell Haustein, Bärbel und Reinhold Birner waren zu Gast in Nepal - und hatten Geschenke im Gepäck.

von Maria Oberleitner Kontakt Profil

Weil der Opa blind ist, kann ein kleines Mädchen nicht zur Schule gehen. Stattdessen muss sie seinen Haushalt erledigen, ihn herumführen. Der Großvater hat den Grauen Star, seine Linsen kann man sich vorstellen wie Milchglasscheiben - Hindurchsehen wird mit der Zeit immer schwieriger. Die Operation wäre einfach, eine künstliche Linse kostet rund 130 Euro. In Nepal, genauer gesagt, im Chitwan-Nationalpark im Südwesten von Kathmandu, müssen viele Menschen mit ihrer Erblindung leben. Sie haben kein Geld und damit keine Aussicht auf eine Operation. "Es ist ein Teufelskreis", sagt Reinhold Birner.

Isabell Haustein, Bärbel und Reinhold Birner aus Hirschau hatten bei ihrem letzten Nepal-Besuch im Frühjahr - neben Reis, Linsen, Anoraks und sogar einer Ziege - solche künstlichen Linsen im Gepäck. Hundert Patienten mit Grauem Star konnten deshalb operiert werden.

Tagesmarsch zum Arzt

"Die ersten 15 haben wir gleich mit unserem Bus zur Operation gefahren", erinnert sich Bärbel Birner. Sie ist Geschäftsführerin von Africa Luz und gehört wie auch ihr Mann Reinhold zu den Gründungsmitgliedern. "Wer in Nepal zum Arzt geht, der hat auch wirklich was", sagt Reinhold Birner. Schon die Redenswendung "zum Arzt gehen" passt aber nicht zu den medizinischen Verhältnissen in Nepal. Oft sei die nächste Praxis 30 Kilometer entfernt, so Birner - zu Fuß könne das schon mal einen Tagesmarsch bedeuten. Eine Arztpraxis bestehe oft aus einem einzigen Raum. Davor eine ganze Traube an kranken Menschen. Seine Frau ergänzt: "Kinder sterben an Mittelohrentzündungen, an Lungenentzündungen. Dagegen wollen wir etwas tun, das ist unser Ehrenamt. Und Ehrenamt bedeutet: Wir bezahlen unsere Flüge selbst, wir nehmen uns Urlaub für die Zeit, in der wir in Nepal sind. Alle Spenden kommen zu 100 Prozent dort an."

Planen und Wellblech

In den vergangenen Jahren hatten die Nepalesen nicht nur mit einem Erdbeben, sondern auch mit einer großen Überschwemmung zu kämpfen. "Aber sie schaffen es, sich selbst am Scheitel aus dem Dreck zu ziehen", sagt Reinhold Birner. Im Mai 2015 machte ein Erdbeben in der Gegend rund um Kathmandu ganze Dörfer dem Erdboden gleich. "Wir haben natürlich so schnell wie möglich reagiert und Geld geschickt, so dass Sher sich mit Reis, Linsen, Salz, Öl und Plastikplanen auf den Weg in die zerstörten Dörfer machen konnte", sagt Bärbel Birner.

Im Herbst habe sie sich dann selbst ein Bild vor Ort gemacht: "Das war das größte Elend." Anoraks hatten sie im Gepäck und Wellbleche als notdürftiges Dach über dem Kopf. "Und schon ein Jahr später die Überschwemmung." Bärbel Birner schüttelt den Kopf. Sie erinnert sich an 2017: "Wir haben jeder Familie in Sauraha, die in einem zerstörten Haus lebte, umgerechnet 500 Euro überreicht, damit sie sich Häuser aus Stein bauen können." 500 Euro - das sei in Nepal ein ganzes Jahresgehalt, erklärt Reinhold Birner. "Viele arbeiten auch als Tagelöhner, für acht bis zehn Stunden Arbeit verdienen sie rund einen Euro am Tag."

Viele hätten jetzt auch in die Höhe gebaut, um bei einer weiteren Überschwemmung wenigstens im oberen Stockwerk einen Zufluchtsort zu haben. Die Mitglieder von "Africa Luz" sehen sich als Materiallieferanten. "Wir geben unsere Projekte immer an Einheimische ab, die diese dann selbstständig weiterführen", so Bärbel Birner. Sie selbst schauen "ab und zu nach dem Rechten", bringen - wie zum Beispiel dieses Mal - Zahnbürsten, Zahnputzuhren und Zahnpasta mit. "Die Menschen kennen uns, sie freuen sich, uns wiederzusehen - mindestens so sehr wie wir - und an jeder Straßenecke werden wir zum Abendessen eingeladen", sagt Isabelle Haustein.

Africa Luz Deutschland: Früher und heute:

Alles begann bei einer internationalen humanitären Aktion in Afrika, an der Bärbel Birner im Jahr 1997 teilnahm. Mit Helfern aus Frankreich, Spanien und Deutschland fuhr sie nach Kamerun und in den Tschad, um dort bei Augen-OPs zu helfen. Das Projekt Africa Luz Deutschland wurde ein Jahr später von Professor Dieter Dausch ins Leben gerufen. Es folgte dem Beispiel der Organisation in Südfrankreich.

Im Jahr 2000 schließlich entdeckte ihr Mann Reinhold eine Anzeige: „Armenkrankenkaus in Nepal sucht Augenoperateur“ – dass daraus später ein Großprojekt werden würde, hätte niemand geahnt. In einem Neubau neben der Chhatrapatti Free Clinc in Kathmandu ist nun eine Augenklinik untergebracht, die Africa Luz inzwischen vollkommen in die Hände nepalesischer Ärzte übergeben hat – mit der Bedingung, dass nicht nur den zahlenden Patienten, sondern auch den Armen geholfen wird.

„Danach waren wir sozusagen wieder arbeitslos“, sagt Bärbl Birner. Sie lacht. Die Arbeitslosigkeit sollte nur so lange dauern, bis sie 2005 den Nepalesen Sher Kintzl kennenlernten, der von einem Mannheimer adoptiert worden war. Zwar gäbe es viele Hilfsorganisationen in Kathmandu, erzählte er, aber wenige helfenden Händen im Royal Chitwan Nationalpark – trotz der dortigen Armut und schlechter medizinischer Versorgung. Der Entschluss war bald gefasst: Ein Kinderhaus musste her. Ein Ort, an dem Waisen und sozial schlecht gestellte Kinder sauberes Wasser, warmes Essen und Hausaufgabenbetreuung nach der Schule bekommen. Betten gab es nicht, deshalb musste eine andere Lösung her: Jedes Kind hat nun eine Patenfamilie im Dorf, bei der es schlafen kann.Bärbel Birner betont: „Wir konnten das Haus nur bauen, weil ein Amberger, der anonym bleiben wollte, eine Riesensumme gespendet hat.“ Sie erinnert sich an den Moment, in dem sie den Kontoauszug in Händen hielt. „Ich war fest überzeugt, das müsse ein Buchungsfehler sein.“ Es war keiner.

Es folgen Ausbildungsprojekte und 2011 der Bau eines Medizinischen Versorgungszentrums.

Infos und Spenden:

Informationen unter Telefon 09622/719666 oder E-Mail ms-birner[at]gmx[dot]de; Spenden an: Africa Luz, Sparkasse Amberg-Sulzbach, Iban: DE65 7525 0000 0200 7997 99

Zur Homepage von Africa Luz

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.