23.02.2020 - 14:45 Uhr
AmbergOberpfalz

Allerletzte Chance für Drogendealerin

Sie handelt mit Crystal Meth und ist selbst abhängig. Nun soll die Mutter zweier Kinder, die ihr das Jugendamt weggenommen hat, für längere Zeit in die Frauenhaftanstalt Aichach. Vor dem Landgericht wehrt sie sich erfolgreich dagegen.

Das Landgericht Amberg verurteilte eine 32-Jährige Drogendealerin zu einer Bewährungsstrafe. In erster Instanz wurde die Frau zwei Jahre hinter Gitter geschickt.
von Autor HWOProfil

Seltener Fall für die Justiz. Da saß eine 32-Jährige vor der 3. Strafkammer des Amberger Landgerichts, die erst vor wenigen Jahren mit dem Konsum von Drogen angefangen hatte. Um ihre kostspielige Sucht zu finanzieren, begann die Frau 2017 damit, aus der Tschechischen Republik Crystal Meth zu beschaffen und es gewinnbringend zu verhökern. Dazu gab es im Landkreis Schwandorf einen Kundenkreis. Vor den Richtern standen nun 20 einzelne Fälle zur Debatte. Außerdem ging es darum, dass offenbar Zeugen eingeschüchtert worden waren, als die Deals ruchbar wurden.

Angesichts der Sachlage handelte das Schwandorfer Jugendamt bereits vor längerer Zeit. Die Behörde nahm der Frau ihre beiden Kinder weg. Im Sommer letzten Jahres kam es dann zu einem Verfahren vor dem Schwandorfer Schöffengericht, das angesichts mehrerer bereits registrierter Vorstrafen zur massiven Ahndung schritt: Die 32-Jährige wurde für zwei Jahre hinter Gitter geschickt. Zusammen mit ihrem Amberger Pflichtverteidiger Rainer Hauenstein leitete die Verurteilte eine Art Notbremsung ein. "Ich will loskommen und zusammen mit meinen Kindern eine Zukunft haben", sagte die Angeklagte nun in einem Berufungsverfahren vor dem Landgericht Amberg.

Weichen dazu hat sie gestellt: Es gab den Nachweis für einen angetretenen Drogenentzug in einer hessischen Klinik. In Hessen will sie nach erfolgreicher Therapie auch bleiben und damit einen finalen Strich unter ihre Vergangenheit in der Oberpfalz ziehen. Dann allerdings mit den Kindern. War dies eine hoffnungsvolle Prognose? Verbunden mit der Frage, ob eine Aussetzung zur Bewährung angesichts mehrerer noch laufender Ermittlungsverfahren bei der Staatsanwaltschaft gewährt werden konnte?

Anklagevertreterin Barbara Tutsch wollte sich auf die freiwillig angetretene Therapie in Hessen nicht einlassen. Sie beantragte drei Jahre Haft für die Deals mit Crystal Meth und setzte hinzu: Ein Entzug könne wohl stattfinden. Aber nur in der geschlossenen Abteilung eines Bezirkskrankenhaus. In diesem Fall längerfristig und ohne Aussicht auf Entlassung nach neun Monaten, wie sie in der hessischen Klinik angestrebt wird.Die Strafkammer entsprach in ihrer Entscheidung dem Antrag von Anwalt Hauenstein.

Sie setzte die in Schwandorf verhängten zwei Jahre Haft zur Bewährung aus und gab der Mutter zweier Kinder auf, ihre heuer erst angetretene Therapie in Hessen erfolgreich zu absolvieren. "Sie müssen das befolgen", unterstrich der Vorsitzende Richter Peter Hollweck. Er schrieb der Angeklagten ferner ins Stammbuch, dass nur ein entschlossener Weg zur drogenfreien Zukunft an der Haftanstalt vorbei und irgendwann zu einer Gemeinsamkeit mit den beiden Kindern führe.

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