02.09.2019 - 17:00 Uhr
AmbergOberpfalz

Amberg in 25 Jahren: 3D-Druck und autonomes Fahren

Amberg im Jahr 2034: Es gibt keine Ampeln mehr, die Menschen kommen mit selbstfahrenden Autos zur Arbeit. Und sie bleiben dort nur drei Stunden. Im dritten Teil unserer Zukunftsserie wagt IHK-Geschäftsführer Bernhard Reif eine Vision.

Hier wird Zukunft gemacht: Das Büro der Firma Bewegewas befindet sich im ehemaligen Fotoatelier Sommer in der Unteren Nabburger Straße in Amberg.
von Uli Piehler Kontakt Profil

Bernhard Reifs Zukunftsvision ist recht eindeutig: "Der digitale Wandel, den wir bisher schon spüren, wird noch deutlich Fahrt aufnehmen." Der Leiter der IHK-Geschäftsstelle Amberg-Sulzbach ist aber - vielleicht auch von Berufs wegen - Optimist. "Unsere Region ist gut vorbereitet, mit etlichen starken Unternehmen, die in Zukunftsfeldern erfolgreich unterwegs sind."

Wieder einmal sieht die IHK die Stärken vor allem bei den global vernetzten Mittelständlern, die zu den Hidden Champions zählen. "Die sind in der Regel inhabergeführt und sehr flexibel bei neuen Herausforderungen." Anders als so mancher Großkonzern, bei denen es sich aufgrund eingefahrener Strukturen oder aufgeblähter Hierarchien oft als schwierig erweist, schnell auf Neuerungen zu reagieren. Und dann wird sich nach Reifs Überzeugung auch noch die Ostbayerische Technische Hochschule als Innovationsmotor erweisen. "Sie deckt mit ihren Studienangeboten jetzt schon viele Zukunftsbereiche ab."

Die Arbeitswelt wird sich in den nächsten 15 Jahren dramatisch verändern, da ist sich Reif sicher. "Aber die Gefahr ist nicht so groß, dass in großem Maße Arbeitsplätze wegfallen." Eher werden sich wohl die Aufgaben verändern und die Art zu arbeiten. Reif kann sich vorstellen, dass Angestellte viel mehr von zu Hause aus und nach Bedarf tätig sind. "Vielleicht zieht man sich Tickets für verschiedene Projekte, je nach Fähigkeiten und Anforderungen." Reif verweist auch auf eine Studie der IHK, die hochgerechnet hat, wie sich der Mitarbeiterbedarf in der Oberpfalz bis zum Jahr 2035 verändert. Die größte Nachfrage wird es demnach im Bereich Soziale Berufe geben: einen Bedarf von 1395 zusätzlichen Jobs sieht die Studie hier. Es folgen Groß- und Einzelhandelskaufleute sowie die IT-Kernberufe mit je rund 800 Stellen. Auf der anderen Seite werden auch viele Jobs wegfallen. Von mehr als 2000 geht die Studie in folgenden Bereichen aus: Hilfsarbeiter im produzierenden Gewerbe, Industrie- und werkzeugmechanische Berufe, Büroberufe und Personalwesen sowie Elektroberufe. Doch auch hier sieht Reif eher die Chancen: "Weiterbildung ist das A und O. Lebenslanges Lernen wird immer wichtiger. Wer auf diesen Zug aufspringt, der braucht sich keine Sorgen machen."

Was der IHK-Geschäftsführer den Arbeitnehmern predigt, das sagt er auch den Firmenchefs. Seine Zuversicht gilt vor allem für die Unternehmen, die sich für den digitalen Wandel rüsten und "proaktiv vorangehen". Reif: "Wir dürfen die Entwicklungen nicht verschlafen. Grundvoraussetzung für den Erfolg ist es, offen für Neues und flexibel zu sein." Doch auch die größte Offenheit bringt nichts, wenn die technischen Rahmenbedingungen nicht passen. Reif appelliert da vor allem an die Politik, die digitale Infrastruktur in der Region schnellstmöglich auszubauen. "Breitband und Mobilfunk gehören zur Grundversorgung wie Wasser und Strom. Und zwar überall." Diese Erkenntnis müsse sich zuallererst durchsetzen, wenn Zukunft gestaltet werden soll.

Virtuelle Realität:

„Wir werden uns in vielen Bereichen in einer virtuellen Realität bewegen“, prognostiziert IHK-Geschäftsführer Bernhard Reif. Verschiedene Umgebungen können in Zukunft virtuell dargestellt und interaktiv wahrgenommen, das Verhalten in besonderen Situationen computergesteuert trainiert werden. Das wirkt sich auf den Ablauf von Schulungen und die Auswahl von Produkten aus. Die Nachfrage für diese Technologie steigt. Auch im Raum Amberg gibt es Firmen, die in diesem Bereich tätig sind.

Diversität:

Amberg wird bunter – noch viel mehr als es jetzt schon ist. „Das neue Einwanderungsgesetz sorgt dafür, dass mehr Menschen aus dem Ausland hier arbeiten“, sagt Reif. „Und das ist gut so.“ Die Oberpfalz kann den Bedarf an Fachkräften nicht aus eigener Kraft decken. „Die Gesellschaft wird inklusiver und offener. Nur so kann das Potenzial der verschiedenen Fähigkeiten ausgeschöpft werden.“ Die Bedeutung von Fremdsprachen steigt. Englisch wird sich als Geschäftssprache immer mehr durchsetzen.

3D-Druck:

Es hat fast was vom Beamen, wenn Gegenstände einfach ausgedruckt werden können. Wer ein Ersatzteil für den Rasenmäher braucht, der lässt es sich Zuhause vielleicht einfach aus dem 3D-Drucker. Möglicherweise müssen in Zukunft viele Waren gar nicht mehr verschickt werden. Das Gerät kann mittels Laser-Technik dreidimensionale Gegenstände aus unterschiedlichen flüssigen oder festen Materialien herstellen. Aber nicht nur Werkstücke: Auch Essen kann auf diesem Weg zubereitet werden.

Autonomes Fahren:

Wer weiß – vielleicht reihen sich die Elektroautos zwischen Amberg und Sulzbach-Rosenberg eines Tages wie an einer Perlenkette auf? Ein großer Teil der Fahrzeuge sind Allgemeingut und fahren automatisch. Wer einsteigt, tippt auf seinem Smartphone die Zieladresse ein und wird dort hingebracht. „Wir kaufen in der Zukunft keine Autos mehr, sondern Mobilität“, zeigt sich Unternehmer Christian Hubmann überzeugt. Die Gebühr für’s Mitfahren wird metergenau vom Online-Konto abgezogen.

Vernetzung:

Vernetzung ist alles – und schafft eine Künstliche Intelligenz, die nicht nur mit-, sondern auch vorausdenkt. Den Anruf, dass man sich bei einem Treffen verspätet, gibt es nicht mehr, weil das Netz die Verzögerung längst eingeplant und alle Beteiligten informiert hat. Weil auch Gebäudetechnik vernetzt ist, wissen auch das Heizsystem und sogar die Küche von der Verzögerung. Vielleicht gibt es überhaupt keine Verspätung mehr, weil das Netz so interagiert, dass Verspätungen erst gar nicht mehr vorkommen.

Info:

Die Firma Bewegewas in Amberg

Die Zukunft hat eine feste Adresse in Amberg: Herrnstraße 10. Im ehemaligen Frank’schen Palais hat die Firma Bewegewas ihren Sitz und deren Chef Christian Hubmann hat eine klare Strategie: „Der Wandel ist unser Geschäft“, sagt er.

Zusammen mit 16 Mitarbeitern hilft der 41-jährige Amberger großen, etablierten Unternehmen, die Digitalisierung zu meistern. Oder anders gesagt: Hubmann und sein Team bringen schwerfälligen Weltkonzernen bei, sich wie höchst agile Start-Ups zu verhalten. Siemens zählt zu seinen Kunden, Bayer, BMW und die Telekom, aber auch staatliche Einrichtungen wie die Bundeswehr und das Bundesamt für Migration. Dazu kommen etliche Mittelständler aus der Region, wie Lüdecke, Krones und Korodur. Sie alle haben ähnliche Anliegen: ein Projekt oder ein Produkt fit für die Zukunft zu machen. Der „Option Innovation“-Partner Bewegewas hilft mit der Sicht von außen dabei, Hindernisse aus dem Weg zu räumen. Die Veränderungen, die auf die Menschen auch in Amberg und der Oberpfalz zukommen, bezeichnet Hubmann als „brutal“.

Autonomes Fahren, die Herstellung von Alltagsprodukten im 3-Drucker, Vernetzung und der Aufenthalt in virtuellen Welten – „all das wird in 25 Jahren längst Realität sein“, zeigt sich Hubmann überzeugt. Mit gravierenden Auswirkungen auf das Leben der Menschen und die Wirtschaftsstruktur in der Region. „Unternehmen, die sich diesem Wandel nicht stellen, wird es 2034 nicht mehr geben.“ Früher habe es gereicht, wenn eine erfolgreiche Firma ihrer Erfolgsstrategie treu geblieben sei. „Heute müssen sich auch erfolgreiche Unternehmen ständig neu erfinden, wenn sie erfolgreich bleiben wollen.“ Unternehmen seien gut beraten, 50 Prozent ihrer Ressourcen für Zukunftsthemen zu investieren. „Die Unternehmer sollten dringend Innovationsmanager einstellen“, rät er. Und sie sollten dabei nicht (nur) auf die üblichen Bildungszertifikate achten. Hubmann: „Es zählt immer mehr das, was einer kann. Und nicht das, was er auf dem Papier ist.“ Eine der wichtigsten Qualitäten, auf die es in der Zukunft ankommt, ist für Hubmann die Fähigkeit, über den Tellerrand zu schauen und dabei den Blick fürs Ganze nicht zu verlieren sowie „Meta-Strukturen zu verstehen“.

Hubmann hat sich nach einer Lehre zum Industrieelektroniker bereits als 19-Jähriger selbstständig gemacht. Schnell erarbeitete er sich einen Namen als Entwickler von Internetseiten und E-Learning-Systemen. Und er gründete ein Unternehmen nach dem anderen: Nach der 1999 gegründeten CH Hubmann, folgte 2010 die Zeigewas GmbH, 2014 das Hubmann Innovation Institute und 2017 die Bewegewas Holding.

Zur Homepage der Firma Bewegewas

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