Amberg
14.05.2019 - 14:18 Uhr

Amberg mit Mut und Verstand gerettet

Wie viele Menschenleben gerettet hat, lässt sich nicht sagen. Wolfgang Babl hat aber definitiv großen Schaden von den Amberger abgewendet, als er am 22. April 1945 auf den Turm der Dreifaltigkeitskirchedie weiße Fahne hisste.

Wolfgang Babl beim Eintrag in das Goldene Buch der Stadt Amberg. Bild: ads
Wolfgang Babl beim Eintrag in das Goldene Buch der Stadt Amberg.

Beim Rathausempfang zu Ehren von Wolfgang Babl sagte OB Michael Cerny, dass es die ehemaligen Schüler von Wolfgang Babl waren, die die Idee zur Ehrung hatten. Schließlich wird Babl am Sonntag, 19. Mai, 90 Jahre alt. Der Oberbürgermeister erinnerte daran, dass die Widerstandskämpfer Amberg im Volkssturm unter der Leitung von Julian Keppner durch die Kapitulation retten wollten. Dadurch sei Amberg verschont geblieben. Mit Worten des aufrichtigen Dankes überreichte der Oberbürgermeister im Namen der Stadt die Urkunde an Wolfgang Babl.

"Mut war bei dem Einsatz sicherlich nötig, doch zunächst musste ich meinen Verstand einsetzen und mir die Schlüssel für die Kirche besorgen, die mir als Aushilfsmesner leicht zugänglich waren", erinnerte sich Wolfgang Babl an den Tag im April 1945. Sein Vater Wolfgang senior sei gemeinsam mit Josef Kerschensteiner, Ferdinand Diepold und Julian Keppner Mitglied der Friedensbewegung gewesen. Die NSDAP habe aber noch über ein funktionierendes Spitzelsystem verfügt. Die kampflose Übergabe der Stadt sei also unter strenger Geheimhaltung erfolgt.

Alle Aktivitäten seien nur bei Fliegeralarm, stets alleine und immer schweigend erfolgt. Als jemand gesucht wurde, der neben den drei anderen Fahnen in der Stadt die vierte auf dem Turm der Dreifaltigkeitskirche als Friedenssymbol hisst, habe ihn sein Vater vorgeschlagen - mit 15 Jahren. Gegen 17 Uhr hat Wolfgang Babl eigenen Aussagen zufolge mit Josef Kerschensteiner die Fahne auf den Kirchturm gebracht. Beim ersten Versuch, die Fahne nach Osten zu hissen, hätten die Alliierten, die auf der Raigeringer Höhe standen, mit dem Beschuss begonnen. Trotzdem hisste Babl die Fahne ein zweites Mal. Mit Erfolg, denn ein weiterer Beschuss sei ausgeblieben. Um 21.30 Uhr standen die Alliierten auf dem Marktplatz - in Frieden. Sie hatten die Kapitulation Ambergs akzeptiert. Auf Nachfrage von Michael Cerny, warum die anderen drei Fahnen nicht gehisst worden seien, vermutete Babl, es könnte daran gelegen haben, dass die Mitstreiter nicht im Besitz der erforderlichen Schlüssel für Kirchen und Gebäude gewesen seien. Danach trug sich Wolfgang Babl nach seinem Bericht als Zeitzeuge in das Goldene Buch der Stadt ein.

 
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