16.12.2019 - 13:54 Uhr
AmbergOberpfalz

Amberger Adventssingen: Weihnacht in ihrem eigentlichen Sinn

Das Amberger Adventssingen hat Qualität seit 39 Jahren. Ohne lärmenden Jingle-Bells-Radau und stets den Blick auf einen leisen Schritt hin zur Krippe gerichtet. Das hat dieser Veranstaltung längst zum lokalen Kultstatus verholfen.

von Autor HOUProfil

Männer und Frauen in Tracht, andere im Smoking und Abendkleid. Die Mischung hat immer dazu beigetragen, dass Singen, Musizieren und Erzählen zu einer grandiosen Einheit verschmelzen. Mit dem Ziel, das Geschehen in einem Stall aufzuarbeiten und mit einem Ausrufezeichen zu versehen.

Wenn sich die Türen des Stadttheaters schließen und das Licht gedämpft wird, bleibt Schlagergeplärr ebenso draußen wie der aufblasbare Santa Claus. Es wird deutlich: Wir sind in einer Region, die den Advent mit der Hoffnung begleitet, dass weitab von flackernden Lichtern etwas ist, das seit über 2000 Jahren Bestand hat. Denn das Kind in der Krippe wäre von der Farborgie geblendet worden.

Verse von Fritz Morgenschweis

Vor der nur mit Strohsternen geschmückten Tanne las Reinhold Escherl und rezitierte aus Versen, die der vor zwei Jahrzehnten verstorbene Generalvikar Fritz Morgenschweis (Sulzbach-Rosenberg) geschrieben hat. Ein Geistlicher mit barocker Figur, der auf seiner Suche nach der Krippe Fragen stellte. Zum Beispiel diese: Sind nicht viele hartherzig, wenn andere nach Herberge suchen? Aus diesem Traum erwacht, hat Morgenschweis seinen Herrgott gebeten: "Wenn i wieder amal traam, weck mit af, damit i mi schaam". Escherl hat es weitergegeben. Vor einer Kerze, die wie ein Friedenslicht brannte. Hinter dem Mann aus Freudenberg saßen Musiker und Musikanten. Die Gruppe Blech & Freind mit Trompeten, Posaune und Waldhorn. Gleich daneben das famose Trio Pastorale und der zehnköpfige bestehende Erasmus-Chor, dessen "Bäida, staih aaf" in Erinnerung bleiben wird. Nur zwei Schritte weiter hatte der Waldecker Vierg'sang aus dem Kreis Tirschenreuth Platz genommen. Drei Männer, eine Frau. Feine Stimmen, unterstützt von Zither und Gitarre.

Darf man bei einem solchen Konzert eine Gruppe besonders hervorheben? Wir gestatten es uns. Weil die Grenzgangmusik aus der nördlichen Oberpfalz an diesem dritten Adventssonntag für ganz besondere Ereignisse sorgte. Hackbrett, Gitarren, Ziehharmonika und Kontrabass gepaart mit Stimmen, die sich schier unglaublich zueinander fügten. Mit einer Version von "Kommet ihr Hirten", wie man sie so noch nie vernommen hatte.

"Wir tun euch nichts!"

Mitten im Zentrum dieses draußen regnerischen Abends standen drinnen an der Rampe 13 Kinder aus Freudenberg. Dem Namen ihres Heimatdorfes machten sie alle Ehre. Denn was sie bei einem Krippenspiel aufführten, war Freude pur. Der Engel, das heilige Paar, die mit Filzhut auftretenden Hirten und drei ganz kleine himmlische Wesen mit dem Spruch: "Habt keine Angst, wir tun euch nichts!" Da stand Weihnachten wirklich vor der Tür.

Eingedenk der Erkenntnis, dass solche Mitwirkenden die frohe Botschaft weitaus eindrucksvoller vermitteln können, als es Florian Silbereisen und seine Schlager-Horde jemals zustande bringen werden.

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