30.04.2020 - 17:37 Uhr
AmbergOberpfalz

Amberger Ärzte klären Gerüchte zu Schutzmasken auf

Gelangt bei einer feuchten Maske Wasser in die Lunge? Welcher Schutz hilft wann? Dr. Harald Hollnberger und Dr. Marc Dauer vom Klinikum St. Marien in Amberg gehen Gerüchten zum Mund-Nase-Schutz auf den Grund.

Schutzmasken hängen im Schaufenster eines Geschäftes.
von Elisabeth Saller Kontakt Profil

Gelangt beim Tragen einer Schutzmaske Wasser in die Lunge? Vor allem im Internet kursiert so manches Gerücht. Zwei Ärzte des Klinikums St. Marien in Amberg, Dr. Harald Hollnberger, Ärztlichen Direktor und Pandemiebeauftragter, und Dr. Marc Dauer, Chefarzt der Medizinischen Klinik II (mit Infektiologie), klären auf.

Dr. Harald Hollnberger ist Ärztlicher Direktor und Pandemiebeauftragter des Klinikums St. Marien in Amberg.

ONETZ: Wer soll durch die Maskenpflicht geschützt werden?

Harald Hollnberger und Marc Dauer: Bei der allgemeinen Maskenpflicht geht es um das Tragen von sogenannten Community-Masken. Das können selbst hergestellte oder auch gekaufte Masken sein ... Im Prinzip geht es darum, dass durch das Tragen einer Maske die Tröpfchen- und Aerosolbildung in der Ausatemluft in der Umgebung reduziert wird. Damit wird die Umgebungsluft weniger Aerosolen ausgesetzt. Bei einem infizierten Maskenträger würden damit weniger Viren in die Umgebungsluft abgegeben als ohne Schutz ... Durch die Maske soll eine Übertragung des Virus über Tröpfchen in der Ausatemluft verhindert werden, sie schützt also das „Gegenüber“.

ONETZ: Maske ist nicht gleich Maske. Welche Unterschiede gibt es?

Harald Hollnberger und Marc Dauer: Wir haben bisher von den Community-Masken gesprochen. Ein weitere Maskenart ist der CE zertifizierte Medizinischen Mund-Nasen-Schutz (MNS die klassische „OP-Maske im Krankenhaus“). Diese Masken schützen vor allem das Gegenüber vor Tröpfchen, die aus der Ausatemluft des Maskenträgers stammen. Diese wird zum Beispiel im Krankenhaus oder im Pflegeheim bei geringerem Risiko der Übertragung eingesetzt.
Es gibt Masken der höchsten Schutzkategorie, sogenannte FFP-2- oder FFP-3-Masken, die ausschließlich von medizinischem Personal in Situationen mit hohem Infektionsrisiko angewendet werden. FFP-2-Masken filtern die Einatemluft, sie haben eine 95 prozentige Schutzwirkung und kommen vor allem in direktem Patientenkontakt bei Covid-Verdacht oder Covid-positiven Patienten zum Einsatz, FFP-3-Masken haben eine mindestens 98 prozentige Schutzwirkung und kommen vor allem bei Covid-Verdacht und Covid-positiven Patienten zum Einsatz, wenn mit einer verstärkten Aerosol-Exposition zu rechnen ist, also beispielsweise bei einer Intubation, einer Endoskopie oder bei einer Kieferbehandlung.

ONETZ: Reicht auch ein Schal?

Harald Hollnberger und Marc Dauer: Grundsätzlich reduzieren auch Tuch, Schal oder Head Band die Tröpfchen in der Ausatemluft, sind also besser als keine Schutzmaßnahmen ... Wichtig ist, dass Mund und Nase bedeckt sind.

ONETZ: Stimmt es, dass man mit Maske mehr CO2 einatmet?

Harald Hollnberger und Marc Dauer: Das trifft für sämtliche oben angesprochenen Maskentypen nicht zu, da diese alle luftdurchlässig sind. Somit besteht keinerlei Gefahr durch vermehrte CO2-Rückatmung.

ONETZ: Folgendes Gerücht kursiert: Wenn man lange eine Maske trägt, wird sie feucht und man atmet Wasser ein. Stimmt das?

Harald Hollnberger und Marc Dauer: Bei der Einatmung übernimmt die Nase mit ihren Nebenhöhlen die Funktion der Befeuchtung. Die angefeuchtete Luft wird dann auch ausgeatmet. Die Feuchtigkeit verteilt sich normalerweise in der Luft. Durch die Maske verbleiben auch Feuchtbestandteile der Ausatemluft an der Maske, bei längerem Gebrauch durchfeuchtet die Maske. Dies kann zwar unangenehm sein, stellt jedoch keine Gefahr da. Zu empfehlen ist, die Masken nach Gebrauch regelmäßig an der Luft zu trocknen.

ONETZ: Hat es andere Folgen für die Menschen, die eine Maske 20 Minuten während des Einkaufs tragen oder 12 Stunden, weil sie im Krankenhaus arbeiten?

Harald Hollnberger und Marc Dauer: Je länger der durchgehende Gebrauch, desto stärker ist die Durchfeuchtung der Masken. Bei sehr starker Durchfeuchtung kann es zu einer verminderten Schutzwirkung kommen, die jedoch nur im medizinischen Bereich von Bedeutung ist. Es muss dann unter Umständen die Maske gewechselt bzw. getrocknet werden.

Bußgeld :

„Die Einhaltung der Maskenpflicht wird selbstverständlich kontrolliert, sei es durch Polizei, kommunale Ordnungsdienste oder sonstige Verpflichtete“, heißt es vom Innenministerium. Wer sich nicht daran halte, müsse mit einer Geldbuße rechnen. Für Kunden sind es laut Bußgeldkatalog 150 Euro, Ladenbesitzer können sogar mit 5000 Euro zur Kasse gebeten werden, wenn sie nicht für die Einhaltung der Regeln sorgen. (dpa)

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