24.04.2019 - 16:44 Uhr
AmbergOberpfalz

Amberger Jesiden feiern Çarsema Sor

Mancher Spaziergänger, der an Ostern im Landesgartenschaugelände unterwegs war, hielt kurz inne, als er ungewohnte Musik vernahm. Sie drang aus dem Jugendzentrum ins Freie.

Auf den Tischen im vollbesetzten Jugendzentrum standen neben großen Schalen mit hoch aufgehäuftem Obst, neben allerlei Gebäck, Süßigkeiten und Knabbereien auch Teller mit eigenhändig gefärbten und liebevoll verzierten Eiern.
von uscProfil

Dort feierte die jesidische Gemeinde Amberg mit Freunden aus der ganzen Oberpfalz Çarsema Sor, das Neujahrsfest, das in diesem Jahr mit dem christlichen Osterfest zusammenfiel.

Die kurdische Glaubensgemeinschaft begeht das Fest stets am ersten Mittwoch im April nach julianischem Kalender, also Mitte April nach gregorianischem Kalender. Nach jesidischem Glauben sandte Gott an einem Mittwoch den Engel Melek Taus auf die Erde, um diese bewohnbar zu machen. Melek Taus brach das die Erde umspannende Eis und schmückte die Erde mit Blumen und Pflanzen. Daher dekorieren die Jesiden in ihrer angestammten Heimat, vorwiegend im Nord-Irak, aber auch in Syrien, Armenien und Teilen der Türkei, zum Neujahrsfest ihre Häuser. Für die Kinder färben die Eltern Eier, ein Brauch, den man vom christlichen Osterfest her kennt.

Und so verwunderte es nicht, dass auf den Tischen im vollen Jugendzentrum neben großen Schalen mit hoch aufgehäuftem Obst, neben allerlei Gebäck, Süßigkeiten und Knabbereien auch Teller mit eigenhändig gefärbten und liebevoll verzierten Eiern standen. Da und dort lagen die Eier auch in Körbchen, die den einheimischen Osternestern glichen.

Zur Feier des Tages erschienen viele Frauen in traditionellen Festkleidern, mitunter in bodenlangen und mit vielen Pailletten aus Gold verzierten Gewändern. Wie der Amberger Gemeindevorsitzende Sheko Daud-Seleman berichtete, gehören allein in Amberg rund 100 Familien dieser Glaubensgemeinschaft an. Sie alle sind Flüchtlinge, die in ihren Heimatländern vielfach der Verfolgung ausgesetzt gewesen seien. Zum Fest kamen heuer Besucher aus benachbarten Städten und Landkreisen.

Männer eröffneten beim jesidisch-kurdischen Fest im Jugendzentrum traditionell den Reigentanz, dem sich dann auch Frauen anschlossen.
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