15.06.2020 - 14:27 Uhr
AmbergOberpfalz

Amberger Kultur zwischen Neuland und Tradition

Was tun, wenn Veranstaltungen ausgesetzt werden müssen und der Theaterboden nicht mehr bebt? Wartung und Putzen. Zumindest hielt diese Beschäftigung die Theater-Techniker vorerst auf Trab. Bis „Trotzdem!“ ins Leben gerufen wurde.

von Dagmar WilliamsonProfil

Mit Fabian Kern kam ein wandelndes Buch mit geballtem und vielfältigem Wissen aus dem Kulturbereich in das Haus der Stadt Amberg. Offen für (fast) alles - sein Team einbeziehend und unterstützend. Es war das Geisterkonzert mit Pianist Herbert Schuch, das den Kulturreferenten inspirierte, eine Video-Reihe aus dem Stadttheater an das Publikum zu richten.

Der Titel "Trotzdem!" ist Winnie Steinl zu verdanken, das Filmen Niklas Soldner. Er übernimmt auch den Schnitt und verbringt somit zwischen vier und zehn Stunden vor seinem Rechner. Zwar ist der Auszubildende bereits geübt im Dreh, dennoch ist es für das Team eine Art Neuland, wie Toralf Kotlenga zu verstehen gab. Er ist zuständig für Ton und Licht und alles andere, das im Hintergrund technisch laufen muss. Oder im Vordergrund. Denn anders als gewohnt, ist der Blick auf leere Sitze gerichtet. "Wir wollten keine Illusion erzeugen", erklärte Kulturreferent Fabian Kern. "Aber trotzdem weitermachen", sagte Barbara Cosima Frey, die alle Produktionen organisiert und an der Auswahl der Künstler beteiligt ist.

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Klangforscher und Risotto

Den Auftakt der Reihe machten Michael Dandorfer und Leif Wiesmeth alias "Die Blau-Klang-Forscher", gefolgt vom theatralischen "Risotto á la Cosima" mit Wirt Hans Graf oder Singer-Songwriter Karlheinz Misler. Barbara Cosima Frey wünscht sich für das digitale Publikum eine breite Auswahl an Kurzerlebnissen und so folgen noch eine Lesung von Jörg Fischer aus seinem neuen Buch, das Stimmen und Bespielen eines Klaviers oder eine Produktion von Winnie Steinl als Szenenfolge mit drei Schauspielern.

Die Sache mit dem Abstand

Ja, denn das Befolgen der Abstands-Gebote erweist sich auch im Theater als kleine Herausforderung. Diese komprimierten Fassungen, wie Kern sie nennt, bieten sowohl den Mitarbeitern als auch Kunstschaffenden die Möglichkeit, sich neu zu orientieren und weiterzumachen. Pro bono, also ohne Entgelt. Wegen und trotz Corona. Das Virus war Thema einer Tanz- und Video-Choreographie nach der Idee von Hanna Regina Uber. Ursprünglich gedacht als "Katharsis in der Unterwelt" sollte es im Rahmen von AM PULS im Schmalzstadl gezeigt werden. Das stadtweite Kunst-Event wurde abgesagt, aber die Skulpteurin hielt an ihrem geleisteten Einsatz fest und veränderte das Konzept für das Stadttheater. Drei Wochen wurde geprobt. Tanja Dandorfer und Monika Kotlenga tanzten in Boxen, auf die das Virus bildlich projiziert wurde. Neben Musik las Uber auch ein reflektierendes Gedicht vor.

Potenzial noch sehr überschaubar

Das Potenzial des Theaters ausschöpfen ist der Tenor. Tradition und Neuland sollen bestehen bleiben. Bisher liegt aber die Zahl der Abonnenten des YouTube-Kanals bei nur 26 Nutzern. Nichtsdestotrotz und ungeachtet dessen ist "Trotzdem!" eine wunderbare Gelegenheit, sich in kulturarmer Zeit wieder Amberger Kultur ins Wohnzimmer zu holen.

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