03.09.2019 - 18:37 Uhr
AmbergOberpfalz

Wo der Amberger Müll landet

Aus den Augen, aus dem Sinn. Das gilt oft auch für den Abfall, den wir produzieren. Die AZ hat nachgefragt, was damit passiert, nachdem ihn die Müllabfuhr mitgenommen hat.

von Carolin Maul Kontakt Profil

Hier ein Überblick nach Müllarten. Die Angaben basieren auf Informationen von Ingolf Just (Abfallberatung der Stadt Amberg), von Monika Bergler (ARGE Schmid & Zweck und Bergler) und aus dem Abfallwirtschaftskonzept der Stadt.

Restmüll

Zigarettenkippen, Hygieneartikel, Kerzenreste und Co. - ab in die schwarze Tonne mit Dingen, die aufgrund von Vermischung keinen getrennt gesammelten Abfallfraktionen zugehören oder verunreinigt sind. Alle 14 Tage entleert die ARGE Schmid & Zweck und Bergler GmbH in Amberg die Restmülltonnen und liefert sie bei der Müllumladestation des Zweckverbands Müllverwertung Schwandorf in Amberg ab. Der Abfall wird verwogen und mit Hydraulikpressen in Container verpresst. Anschließend geht es für den Müll per Bahn auf die Reise. Ziel ist das Müllkraftwerk in Schwandorf. Dort verbrennen die Abfälle in einer der vier Ofenlinien bei Temperaturen bis 1000 Grad. Durch die dabei gewonnene Wärme entsteht Prozessdampf für benachbarte Industriebetriebe, elektrische Energie und Fernwärme.

Gelbe Säcke

In den gelben Säcken treffen Kunststoffflaschen auf Folien, Becher und Getränkekartons. Die Firma Schmid & Zweck sammelt die Säcke und bringt sie zu einem Umschlagplatz im Amberger Industriegebiet Nord. Die verschiedenen dualen Systeme entscheiden dann, welche Müllsortierungsanlagen angefahren werden sollen. Duale Systeme kümmern sich um Sammlung und Entsorgung von gebrauchten Verkaufsverpackungen. Eines der Systeme, mit dem ein Sortiervertrag vorliegt, ist der Grüne Punkt. Die gelben Säcke, die für den Grünen Punkt bestimmt sind, kommen zur Müllsortierungsanlage in Steinfels. Folien, Joghurtbecher, Milchkartons - sortiert nach den Inhaltsstoffen muss die Menge an das duale System gemeldet werden. Dieses entscheidet dann, welche Recyclingfirma beauftragt wird und wo die Reise des Mülls endet. Eine bestimmte Art von Folien etwa findet ihr Ziel in der Region. In der Firma Wewatec in Schwandorf werden diese weiterverarbeitet. Laut Marion Bergler sind die Recyclingfirmen aber nicht nur regional angesiedelt.

Problemmüll

Drei Mal pro Jahr sammelt die Firma Bergler sogenannte Problemabfälle. Dinge wie Abbeizmittel, Pflanzenschutzmittel, Klebstoffe und Spraydosen mit Restinhalt werden in vorgeschriebene Behältnisse sortiert und anschließend verwertet oder über die GSB Sonderabfall-Entsorgung Bayern GmbH (GSB) entsorgt. Ein Großteil des Problemabfalls aus Amberg reist in genormten Behältern nach Bahrebenhausen. Das Ziel: eine Sondermüllverbrennungsanlage des GSB, wo gefährliche Abfälle wie mit Lösemitteln versetzte Lacke und Farben thermisch beseitigt werden. Spraydosen wie Deos oder Imprägnierungen machen sich beispielsweise auf den Weg zu einer der modernsten Abfallbehandlungsanlagen von Remondis Industrie Service. Dort verwertet man Inhaltstoffe soweit es technisch möglich ist oder behandelt sie thermisch. In einem mehrstufigen Verfahren gewinnt man Aluminium und Weißblech.

Der beste Abfall ist der, der gar nicht erst entsteht.

Ingolf Just, Abfallberatung Amberg

Ingolf Just, Abfallberatung Amberg

Biomüll

Wohin mit Küchen- oder Gartenabfällen? Wenn keine Eigenkompostierung stattfindet, muss die Biotonne her. Außerdem können für Gartenabfälle die jederzeit zugänglichen Container in Amberg genutzt werden. Die Firma Bergler sammelt und transportiert die Containerinhalte. In Laubberg endet die Reise in der Kompostieranlage von Veolia. Die Abfälle aus den Biotonnen hingegen finden sich in einer großen Kompostierungsanlage in Nürnberg-Fischbach wieder. Die Schadstoffanteile sind zu hoch, so dass das Gütesiegel in der vergleichsweise kleineren Anlage in Laubberg gefährdet war und diese Abfälle zur größeren Anlage nach Nürnberg mussten. Die Komposte kommen der Landwirtschaft und Erdbaubetrieben zugute.

Wertstoffe

Altpapier:

Alle vier Wochen sammelt die ARGE Schmid & Zweck und Bergler die blauen Tonnen in Amberg ein und bringt den Papiermüll zum Umschlagplatz im Industriegebiet Nord. Lkw fahren den Abfall zu Papiersortieranlagen, die Druckerzeugnisse wie Zeitungen und Verpackungsmaterialien voneinander trennen. Anschließend geht es in Papierfabriken, zum Beispiel in Nürnberg.

Altholz:

Es kann auf den Wertstoffhöfen und über die Sperrmüllsammlung abgegeben werden. Das Holz ist unterschiedlichen Kategorien zuzuordnen: Holz, das der stofflichen und/oder energetischen Verwertung zugeführt werden kann, wird beispielsweise zu Holzspänen oder Hackschnitzeln verarbeitet und für die Herstellung von Spanplatten oder in der Möbelindustrie eingesetzt. Eine Firma, die solches Altholz wiederverwertet ist Pfleiderer in Neumarkt. Holz, das Schadstoffe beinhaltet (wie Jägerzäune), oder Holz, das mit Holzschutzmitteln behandelt ist, wird als gefährlicher Abfall eingestuft und darf nicht weiterverwertet werden. Dieses Altholz findet sein Ende in der thermischen Behandlung.

Altreifen:

Seit 2017 kann man auch Altreifen bei den Wertstoffhöfen gegen Gebühr abgeben. Aus dem Gummigranulat werden beispielsweise Trittschalldämmungen hergestellt.

Altmetalle:

Sie können bei den Wertstoffhöfen in Amberg oder auch den Sperrmüllsammlungen abgegeben werden. Sie werden in mehrere Fraktionen separiert: Alteisen, Aluminium, Edelstahl, Altkabel. Bei den Metallen gibt es 100 Prozent Recycling. In Gießereien oder Stahlwerken bekommen Altmetalle ein neues Leben.

Elektrogeräte:

Die Wertstoffhöfe dienen als Sammelstelle für defekte Elektrogeräte und stehen für den Start einer komplexen Entsorgung. Die Vielzahl an verschiedenen Geräten sorgt für die Nutzung deutschland- und europaweiter Anlagen. Je nach Kategorie führen Transporteure der Herstellerstiftung Elektroaltgeräte Register die Altgeräte den geeigneten Erstbehandlungsanlagen zu. Man zerlegt die Geräte in verwertbare und nicht verwertbare Bauteile. Wichtig ist hier zum Beispiel die Entnahme von Akkumulatoren oder Kondensatoren, die der Umwelt gefährlich werden könnten.

Im Blickpunkt:

7 Tipps zur Abfallvermeidung

1) Nein zu Einwegprodukten! Ja zu Brotzeitboxen, Glasstrohhalmen, wiederbefüllbaren Trinkflaschen und Co. - 2) Eigenkompostierung von Bioabfällen - Gebühren für Biotonne sparen. - 3) Stoffbeutel statt Plastiktüten - längere Lebensdauer & wertvolle Ressourcen schützen. - 4) Augen auf beim Einkauf. Unnötige Verpackungen vermeiden und zu unverpackten Produkten greifen. Außerdem: mit regionalen Produkten Transportkosten sparen. - 5) Amberger Mehrwegbecher "To Go Green" nutzen - Kaffee direkt von Zuhause oder beim Bäcker einfüllen lassen. - 6) Feste Seife, festes Haarshampoo, festes Deo - erfüllt den gleichen Zweck, aber spart enorm viel Plastik. - 7) Lust auf Eis? Waffel statt Becher wählen. (pcma)

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