15.06.2018 - 16:51 Uhr
AmbergOberpfalz

Amberger Rabbiner mit Imam auf Tandem-Tour

Würden Muslime und Juden häufiger zusammenarbeiten, beide Seiten kämen besser und schneller voran. Dass dies nicht nur im Nahen Osten gilt, will ein Amberger mit einer besonderen Aktion in Berlin beweisen.

Ambergs Rabbiner Elias Dray (rechts) mit dem Muslimen Ender Cetin
von Wolfgang Würth Kontakt Profil

(wüw) Es soll ein Zeichen sein, das in ganz Deutschland gesehen wird, und die Idee kommt aus Amberg. Am 24. Juni sollen Muslime und Juden gemeinsam und auf ungewöhnliche Art für religiöse Toleranz werben. 20 jüdisch-muslimischen Tandem-Besatzungen werden dann durch Berlin fahren. Die Idee hat der Rabbiner der Israelitischen Kultusgemeinde Amberg, Elias Dray, mitentwickelt. Mit seinem Projekt "meet2respect" ist er seit 2013 vor allem in Berlin in Schulen unterwegs, um mit islamischen Geistlichen Vorurteile abzubauen.

Gesellschaft nicht spalten

Startpunkt für die Tandem-Tour wird ein geschichtsträchtiger Ort sein. Vom Holocaust-Mahnmal führt die Route vorbei an der Synagoge am Fraenkelufer und der Mevlana-Moschee. Enden soll sie am Bebelplatz, dem Ort der Bücherverbrennung von 1933. Auf der Abschlusskundgebung dort wird unter anderem Kanzleramts-Ministerin Annette Widmann-Mauz teilnehmen. "Wir dürfen den Rechtspopulisten nicht die Möglichkeit geben, unsere Gesellschaft zu spalten", erklärt Rabbiner Elias Dray die Idee hinter der Radtour.

Der gebürtige Sulzbach-Rosenberger ist nach langer Zeit in Israel und München vor fünf Jahren nach Amberg zurückgekehrt, um dort die jüdische Gemeinde zu leiten. Zudem ist er mit dem Projekt "meet2respect" aktiv. "Wir Imame und Rabbiner sollten mit gutem Beispiel vorangehen", erklärt der islamische Theologe Ender Cetin, mit dem Dray zusammenarbeitet. "Wir dulden keine Diskriminierung: weder von Muslimen gegen andere noch umgekehrt."

Mobbing und Ausgrenzung

Anlass für die Aktion sind die 1500 antisemitischen und 1000 antimuslimischen Straftaten, die im vergangenen Jahr in Deutschland verübt wurden. Hinzu kommen Fälle von Mobbing und Ausgrenzung an Schulen, Skandale wie die Echo-Verleihung an die Rapper Kollegah und Farid Bang trotz ihrer antisemitischen Texte und tagtägliche Beschimpfungen und Schikanen, erklärt Dray in einer Pressemitteilung.

"Dabei ist es uns sehr wichtig, nicht die eine Minderheit gegen die andere Minderheit auszuspielen", so Bernhard Heider, Geschäftsführer von Leadership Berlin. Der Verein tritt als Veranstalter der Aktion auf. Es sei besonders wertvoll, wenn Imame und Vorstände von arabischen Moschee-Gemeinden solches Engagement zeigen. Gleichzeitig könnten Juden mit ihrer Teilnahme zeigen, dass sie sich der pauschalen Verurteilung des Islams entgegenstellen.

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