05.11.2020 - 10:18 Uhr
AmbergOberpfalz

Ambergerin in den USA: Amerikanischer Traum zwischen Angst und Frustration

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Sie liebt und lebt den "American Way of Life": Anna Stahl aus Amberg hält sich gerade in Columbia auf und verfolgt gebannt den Wahl-Krimi um das Weiße Haus. Sie berichtet aus einem gespaltenen Land.

Anna Stahl am Zentrum der Macht. Die 27-jährige Ambergerin hat die US-Wahl hautnah verfolgt.
von Uli Piehler Kontakt Profil

Anna Stahl (27) hat ein zwei Jahre gültiges Studentenvisum für die USA, durfte natürlich selbst nicht mit abstimmen, war aber hautnah und mit ganzem Herzen dabei. "Den Wahltag habe ich zuhause verbracht und ab morgens über verschiedene Medien die Prognosen beobachtet", erzählt die Ambergerin, die in Regensburg Politik und Amerikanistik studiert hat.

"Hätte ich wählen dürfen, hätte ich meine Stimme klar den Demokraten und somit Joe Biden und Kamala Harris gegeben", sagt Stahl. Die letzten vier Jahre unter der Trump-Regierung seien von vielen Entscheidungen geprägt gewesen, die rational nicht nachzuvollziehen waren. "Die Trump-Regierung hat viele der Errungenschaften der letzten Jahrzehnte seit dem Zweiten Weltkrieg versucht zu revidieren." Internationale Beziehungen zu Bündnispartnern hätten stark gelitten und auch auf nationaler Ebene verfolge Trump einen aggressiven und sehr nationalistischen Kurs. "Gefühlt wurde versucht, alles rückgängig zu machen, was während der Vorgängerregierung Obamas etabliert wurde." Die Medien seien in ihrer Arbeit behindert und in vielen Bereichen demokratische Grundsätze missachtet worden.

Ann Stahl (27) lebt trotz Wahl-Trubel und Pandemie ihren amerikanischen Traum.

Stahl lebt in Columbia im Bundesstaat Maryland, die Stadt gilt als eine der sichersten Städte in den USA. "Hier sind die Menschen sehr liberal eingestellt und man merkt, dass viele mit der Politik Trumps sehr unzufrieden sind", berichtet die Oberpfälzerin. "Viele sind der Meinung, dass die USA eine neue politische Richtung braucht. Auch hört man jedoch häufig, dass die USA die Trump-Regierung brauchte, um zu erkennen, dass jede Stimme zählt und dass man aktiv partizipieren muss, um die Politik ändern und beeinflussen zu können." Die Ambergerin ist erst seit September wieder in den Vereinigten Staaten und lebt momentan mit einer afroamerikanischen Familie zusammen. Rassismus spiele leider immer noch eine sehr große Rolle. "Da bin ich dankbar, nun einmal über den klischeebehafteten weißen Tellerrand zu schauen und die Ereignisse um uns herum aus einer anderen Perspektive wahrzunehmen." Die Gastfamilie habe Verwandte in den Südstaaten und so bekomme sie auch den Unterschied der Meinungsbildung in verschiedenen Bundesstaaten mit.

"Meiner Meinung nach sind die USA so gespalten wie nie. Man merkt dies deutlich auch an den vorläufigen Ergebnissen dieser Wahl. Das traditionelle Zwei-Parteien-System trägt dazu natürlich bei." Den meisten US-Bürgern sei klar gewesen, dass ein vorläufiges Ergebnis nicht in der Wahlnacht feststehen würde. "Das Bangen um das finale Ergebnis ist für viele sehr nervenaufreibend. Ich bin die ganze Nacht wachgeblieben und war in ständigem Austausch mit Freunden, die ebenfalls in den USA leben", erzählt die 27-Jährige.

Christina Lanzl lebte jahrelang in Boston

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Anna Stahl hat sich während ihres Studiums und auch in ihrer Bachelorarbeit, die sie über den Nachahmer-Effekt von Schießereien an Schulen und den Einfluss der Medien dabei geschrieben hat, intensiv mit dem Thema Waffenrecht in den USA beschäftigt. Das Recht für jeden Bürger, Waffen zu tragen, sei ein großes Problem. "Viele Menschen rechnen mit dem Schlimmsten und glauben, dass auf den Straßen in den USA nach einem feststehenden Ergebnis gewaltsame Proteste ausbrechen werden. Diese Angst vor erneuten gewaltsamen Ausschreitungen merkt man vielen Menschen vor allem hier in Maryland an."

Die Ambergerin hegt schon seit ihrer Kindheit eine große Faszination für die USA. "Vor einigen Jahren lebte ich bereits für 13 Monate in Ohio. Nach meiner Rückkehr nach Deutschland habe ich Politikwissenschaft und Amerikanistik an der Universität Regensburg studiert und mein Ziel war es immer, zurückzukehren in die USA." Langfristig möchte sie hier für ein deutsches Medienunternehmen als Auslandskorrespondentin arbeiten. Columbia liegt ja nur 30 Minuten von der Hauptstadt Washington D.C. entfernt.

Trotz des Wahl-Trubels und der Pandemie – Sehnsucht nach Deutschland hat die Ambergerin vorerst nicht. "Ich bin erst seit wenigen Monaten zurück in den USA und lebe momentan noch in vollen Zügen meinen amerikanischen Traum", sagt sie. Aber klar: "Meine deutsche Heimat ist ein wichtiger Teil von mir und diese Wurzeln werde ich nie vergessen." Das Wahlsystem in Deutschland sei halt viel einfacher. "Das Volk wählt und die absolute oder relative Mehrheit entscheidet, ohne Umwege oder Schlupflöcher."

Reaktionen zur US-Wahl aus der Region

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"So war unser Vorgarten geschmückt um die Leute zum Wählen zu animieren", schreibt Anna Stahl.
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