16.10.2020 - 15:01 Uhr
AmbergOberpfalz

Ansturm auf Grippeimpfung: Hausärzte warten auf Lieferungen

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Wer sich derzeit in Amberg und Umgebung gegen Grippe impfen lassen möchte, muss sich auf eine mehrwöchige Wartezeit einstellen. Viele Hausärzte aus der Region haben Impfdosen bestellt. Doch es gibt Lieferengpässe.

Wer sich jetzt gegen Grippe impfen lassen möchte, muss unter Umständen zwei bis drei Wochen warten, bis die Impfdosen geliefert werden.
von Andrea Mußemann Kontakt Profil

Frederik Strobl betreibt vier Käfer-Apotheken in Amberg und hat, wie er selber sagt, "weitreichende Verbindungen in den Großhandel". Er kann die Aussage von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), es bestünden keine Engpässe bei Grippeimpfstoffen, nicht teilen. Gerade wegen der Corona-Pandemie würden sich derzeit viele Menschen für die Grippeimpfung entscheiden, die sich normalerweise nicht impfen lassen würden. Die Praxen reagieren darauf und bestellen, was das Zeug hält. Allein aus einer Amberger Hausarztpraxis liegt bei Strobl eine Bestellung von insgesamt 1600 Impfdosen vor. Material, das ad hoc nicht lieferbar ist, denn deutschlandweit gebe es zu wenig Impfstoff. "Das ist fast jedes Jahr ein Drama, doch dieses Jahr ist es besonders schwierig", sagt Strobl und betont: "Natürlich machen wir auch Druck auf die Großhändler." Eine flächendeckende Versorgung sei dennoch nur peu à peu möglich. Und: "Wir beliefern nicht nur einzelne, sondern schauen, dass viele Praxen etwas bekommen."

Mehr Menschen lassen sich heuer impfen

Henryk Steinbach, Geschäftsführer des Unternehmens Gesundheit Oberpfalz Mitte (UGOM), kennt die Versorgungsengpässe der Arztpraxen mit Grippe-Impfstoff bereits aus den vergangenen Jahren. Mehrere Faktoren hätten heuer dazu beigetragen. Einerseits liegt es an der Nachfrage: "Heuer kommen mehr Menschen zur Impfung." Andererseits spiele auch die Belieferung der Apotheken von Seiten des Großhandels eine Rolle, die die Arztpraxen gemäß ihren Wünschen und Anforderungen versorgen. "Manchmal kommt es zu Verzögerungen, wenn die Nachfrage kurzfristig höher geworden ist, als man das Angebot geplant hat. Aber normalerweise wird dann der überwiegende Teil durch Nachlieferungen befriedigt. Wir befinden uns in einer solchen Phase, sind aber nach Austausch mit einzelnen Apothekern vorsichtig optimistisch, dass die von unseren Netzpraxen angefragten Impfdosen in den nächsten zwei bis drei Wochen beliefert werden können", blickt Steinbach in die Zukunft. Diese Situation könne sich aber wieder ändern, wenn der Ansturm an Impf-Interessenten im Vergleich zum Vorjahr deutlich zunimmt.

Impfrate ab 60 leicht unterdurchschnittlich

Trotzdem - oder vielleicht sogar deswegen - ist den Ärzten im UGOM die Influenza-Impfung ein wichtiges Anliegen. Bei den Patienten, die in dem regionalen Netzwerk registriert sind, wurde in Zusammenarbeit mit der AOK jährlich die Influenza-Impfrate ab 60 Jahren gemessen. "Wir sehen dabei seit Jahren, dass für einen großen Teil der gesetzlichen Krankenversicherten ab diesem Alter in Bayern eine im Bundesvergleich leicht unterdurchschnittliche Impfrate vorzufinden ist", sagte Steinbach. Diese gelte es zu verbessern, weil gerade Risikogruppen mit chronischen Erkrankungen vor einer Grippe geschützt werden sollten. Weil auch schon vor Corona das Ärztenetz dazu interne Fortbildungen für Mediziner sowie Praxis-Impfkampagnen für Patienten vergenommen hat, zeige der Impf-Indikator eine positive Entwicklung. "Aber wir können hier nicht zu schnell zufrieden sein", gibt Steinbach die Marschrichtung vor.

Man kann eigentlich nur noch mal empfehlen, sich impfen zu lassen. Wir haben ja inzwischen auch neue Impfstoffe, die eine 4-fach-Immunisierung geben können, also präventiv gegen 4 verschiedene Grippearten hilfreich sind.

UGOM-Geschäftsführer Henryk Steinbach

Auch der Ärztekammerpräsident widerspricht Spahn bei Grippeimpfstoff

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