15.11.2019 - 14:38 Uhr
AmbergOberpfalz

Archive und Bibliotheken gründen Verbund gegen Notfälle

1993 wütet ein Großbrand im Maltesergebäude. Auch die Provinzialbibliothek ist in Gefahr. Damit Ambergs und Sulzbach-Rosenbergs archivische Schatzkammern im Falle einer Katastrophe besser geschützt sind, gibt es jetzt einen Notfallverbund.

Der Dachstuhl im Nordflügel des Malteserkomplexes brennt Ende Januar 1993 lichterloh. Ein Großaufgebot an Feuerwehrkräften kann die völlige Zerstörung des Gebäudes abwenden, auch ein Übergreifen der Flammen auf den Trakt mit der Provinzialbücherei samt ihrem historischen Bibliothekssaal wird verhindert.
von Thomas Amann Kontakt Profil

Nach Augsburg, München, Nürnberg, Landshut und Bamberg ist der Zusammenschluss der Kultureinrichtungen beider Städte der sechste dieser Art in Bayern. Er vereint das Amberger Staatsarchiv mit seinem Depot in Sulzbach-Rosenberg, das dortige Literaturarchiv, die Provinzialbibliothek und das Stadtarchiv am Paulanerplatz unter einem Dach und Handlungskonzept.

Darin sind gemeinsame Schulungen und Übungen ebenso gebündelt wie die Ausarbeitung und der Austausch von Notfallplänen sowie regelmäßige Treffen der Verantwortlichen untereinander, aber auch mit externen Partnern von Feuerwehr und Technischem Hilfswerk, die im Falle eines Brandes oder einer anderen Notsituation besonders rasch richtig (re)agieren können müssen.

Neben der Personenrettung geht es nämlich durchaus auch darum, die in den Archiven und Bibliotheken verwahrten Kulturgüter aus vielen Jahrhunderten zu schützen. Für den hoffentlich nie eintretenden Notfall sichern sich diese Häuser im am Freitag offiziell per Vertragsunterzeichnung gegründeten Verbund gegenseitige Unterstützung zu, "um Ressourcen zu bündeln sowie die schnellere und effektivere Bergung und Erstversorgung betroffener Archivalien, Bücher und Ausstellungsstücke zu gewährleisten", betonten die Spitzenvertreter aller beteiligten Einrichtungen. Schließlich habe die Vergangenheit gezeigt, dass Mitarbeiter einzelner Häuser bei großen Schadensereignissen ohne externe Hilfe und fertige Pläne oftmals überfordert seien. Nicht nur Brände, auch Starkregen und Hochwasser gerade in jüngster Zeit sorgten in mehreren bayerischen Adelsarchiven für Havarien, die nur mit vereinten Kräften bewältigt werden konnten.

Der neue Notfallverbund Amberg-Sulzbach-Rosenberg lädt aber auch die Vertreter anderer Kulturinstitutionen, etwa der Museen in beiden Städten, zur Zusammenarbeit ein. Denn das Kennenlernen der jeweiligen Situation anderer Häuser "lässt uns auch reflektieren auf die eigenen Verhältnisse", stellte der im Amberger Staatsarchiv für die neue Aufgabe zuständige Archivamtsrat Erwin Stoiber einen weiteren Vorteil heraus, zumal die Bandbreite vom modernen Neubau (Stadtarchiv) bis hin zum jahrhundertealten Jesuitenkolleg im Malteser sehr groß sei. Last, but not least diene der Verbund neben den praktischen Vorzügen auch dem weiteren Wachsen der interkommunalen Zusammenarbeit, lobte Stoiber.

Der Vorsitzende des Literaturarchivs Sulzbach-Rosenberg, Dr. Heribert Tommek, die Generaldirektorin der Staatlichen Archive, Dr. Margit Ksoll-Marcon, Bürgermeister Martin Preuß und der Generaldirektor der Bayerischen Staatsbibliothek, Dr. Klaus Ceynowa, unterzeichnen den neuen Notfallverbundvertrag.

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