Amberg
02.07.2019 - 12:04 Uhr

Barfuß auf der Suche nach dem Glück

Was ist das Glück? Wie finde ich es? Wäre ich glücklicher, wenn die Welt eine andere wäre? Auf diese Fragen gaben zwei kurzweilige und unterhaltsame Theaterproduktionen der Schönwerth-Realschule Antworten, die zum Nachdenken anregten.

Die Königin hat ihr Lachen verloren. Wie sie dennoch glücklich werden kann, zeigt die Theatergruppe der Franz-Xaver-von-Schönwerth-Realschule in dem Stück „Das Glück ist barfuß“. Bild: Petra Hartl
Die Königin hat ihr Lachen verloren. Wie sie dennoch glücklich werden kann, zeigt die Theatergruppe der Franz-Xaver-von-Schönwerth-Realschule in dem Stück „Das Glück ist barfuß“.

Den Anfang machte die Neigungsgruppe Theater der 5. Klassen unter der Leitung von Jörg Grüssner, die sich in ihrem Stück "Eine Welt ohne Zahlen" mit der Frage auseinandersetzte, "was wohl wäre, wenn es keine Zahlen gäbe". In sehr originellen und witzigen Szenen mit Zahlentänzen, Musik und Slapstick-Einlagen wurde die Bedeutung der Zahlen vor Augen geführt, denn "eine Welt ohne Zahlen kann nicht funktionieren". Das muss auch ein Kind erfahren, das bei den nervigen Mathe-Hausaufgaben feststellt: "Zahlen sind nur Schrott" und "Wie schön wäre es doch, wenn es Mathe nicht gäbe - ein gigantisches Leben wäre das!"

Doch als ihm die verpeilten Feen diesen Wunsch erfüllen, muss es nach anfänglicher Begeisterung feststellen, dass eine Welt ohne Zahlen nicht funktioniert: Fernsehen, Playstation, Freunde anrufen - alles unmöglich! Am Ende der Wunsch: "Gib' mir die Zahlen wieder", und die Erkenntnis: "Her mit Mathe! Jetzt weiß ich endlich, wozu das Zeug gut ist!"

Nach der Pause nahm die Schultheatergruppe Theater-Fieber unter der Leitung von Brigitte Bodensteiner das Publikum mit auf die Suche nach dem Glück in ihrem Stück "Das Glück ist barfuß!", einer modernen Interpretation des Märchens "Das Hemd der Zufriedenheit" in der Bearbeitung von James Krüss.

Königin verliert ihr Lachen

Die Königin (in Mimik und Gestik wunderbar verkörpert von Barbara Herdegen, Sarah Meier und Anna-Lena Müller) leidet seit Wochen an einer seltsamen Krankheit, die verhindert, dass sie ihren Regierungsaufgaben nachkommen kann. Da dies nicht so weitergehen kann, beschließen die Wachposten, den Rat von Ärztinnen (eindrucksvoll: Lena Kurz, Annika Hierreth und Julia Geißdörfer) einzuholen. Nach sehr genauer Untersuchung und mehreren Fehldiagnosen endlich die Erkenntnis: Die Königin hat ihr Lachen verloren.

Die daraus resultierende logische Therapie-Empfehlung: "Bringt sie zum Lachen!" Die herbeigerufenen Komiker (lustig: Sven Hauer und Lorenzo Brugnone) und Clowns vermögen es zwar, das Publikum zum lauten Lachen zu bringen, auf die träge und müde Königin haben ihre Versuche aber keine Wirkung. Eine Lösung hat die Philosophin (klug dargestellt von Ceren Göz): Die Königin werde geheilt sein, wenn man ihr den Socken eines wirklich glücklichen Menschen anziehe. Da die Königin für diesen Auftrag viel zu geschwächt ist, machen sich sofort die Wachposten (in beeindruckender James-Bond-Manier: Felix Sprychel, Fabian Höcherl, Angelika Hahn und Annika Hagen) auf, die Mission zu erfüllen. Zunächst scheint sie erfolgreich.

Youtube hilft da nicht

Doch als die Wachposten der Königin die Socken einer von Fans umjubelten und bewunderten Popsängerin (cool: Sophia Saval), einer mit Geld um sich werfenden und sich Freunde kaufenden Millionärin (treffend großspurig: Chiara von Wichtingen) und einer von Followern tausendfach geliketen Youtuberin (herrlich selbstverliebt: Verena Dietrich) anziehen, wird deutlich: Wahres Glück kann man nicht kaufen.

So macht sich, wie von den als Erzähler fungierenden Herolden (überzeugend: Malin Jacobi und Leonie Lik) berichtet wird, die Königin selbst auf den Weg, einen zufriedenen Einwohner zu finden. Durch die Betätigung wird sie zwar ein wenig aus ihrer Lethargie gerissen, der Kontakt zu ihrem Volk führt aber zu einer wahrhaft ernüchternden Erkenntnis: "In meinem Königreich gibt es keine wahrhaft Glücklichen - es geht nur um Macht, Geld und ums Recht!"

Am besten ohne Socken

Nach langem, langem Suchen findet sie am Ende doch noch einen passenden Menschen - ganz unprätentiös und bescheiden taucht die Glückliche (berührend: Kezia Emanuel) auf und verrät in sich ruhend: "Mir geht's gut!" Doch was für ein Schreck, als deutlich wird: Sie trägt unter ihrem langen Rock keine Socken - das Glück ist barfuß.

Die Königin, die Angst hat, ohne die ihr verschriebene "Medizin" nicht geheilt werden zu können, fällt zunächst in Ohnmacht, erkennt dann aber die List der weisen Philosophin und wird letztendlich gesund und glücklich. Sie hat gelernt, was dem Publikum im Schlussgedicht durch alle Mitwirkenden eindrucksvoll szenisch vermittelt wird: "Oh frag nicht, was ist Glück! Such es nicht in weiter Ferne, such's nicht dort und hier, das Glück wohnt in dir!"

Einen großen Beitrag für den gelungenen Abend haben die souveränen Licht- und Ton-Techniker geleistet: Raphael Sommer, Christian Doschat und Leon Schulze.

 
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