31.08.2018 - 16:21 Uhr
AmbergOberpfalz

Bart, aber herzlich

König Drosselbart und seine Prinzessin feiern schillernde Hochzeit. Auch die Geschichte von Sascha Wendt und seiner Jasmin wird von einer Heirat gekrönt. Warum sie trotz oder gerade wegen seines Bartes so glücklich sind, verraten sie.

Sascha und Jasmin Wendt.
von PKMOProfil

(pkmo) "Ich kann ihn mir gar nicht mehr ohne Bart vorstellen. So gefällt er mir auf jeden Fall besser", schwärmt die Lehrerin. Als sich der 39-jährige Feldwebel Sascha und die 30 Jahre alte Jasmin vor acht Jahren kennenlernen, fehlte nicht nur der mittlerweile vorhandene gemeinsame Nachname, sondern auch Saschas Bart. "Ich bin bei der Bundeswehr. Dort hast du nur zwei Möglichkeiten: gar keinen Bart oder einen Vollbart". Bei der Bundeswehr gibt es einen sogenannten "Haar- und Bart-Erlass". Dort sind Farbe, Form und auch Länge der Haarpracht von Soldaten geregelt. Die Haare müssen zum Beispiel am Kopf anliegen und dürfen die Ohren und Augen nicht bedecken. Möchte sich ein Soldat einen Bart wachsen lassen, so muss er dies tatsächlich, laut Verordnung, während seines Urlaubs tun.

Die Wende vom kahlen Gesicht hin zum Vollbart kommt im Jahr 2013, als der Bundeswehrler in Afghanistan im Einsatz ist. "In der Wüste war es brutal heiß, die Möglichkeiten zum Rasieren waren sehr eingeschränkt. Meine Haut war trocken und gereizt." Daraufhin habe er beschlossen, sich einen Bart wachsen zu lassen. Am Anfang war Freundin Jasmin nicht so begeistert, aber mittlerweile gefällt es beiden besser.

Aus dem familiären Umfeld gab es zunächst gemischte Reaktionen: "Mein Vater meinte nur: ,Mach das Ding da weg' als er mich zum ersten Mal so gesehen hat." Sonst erhält der Geo-Info-Feldwebel aber fast nur positive Reaktionen zu seiner Gesichtbehaarung - und besonders Kinder freuen sich über den Bart. "Als wir in Thailand im Urlaub waren, hat mein Bart auch für jede Menge Aufsehen gesorgt. Die kennen das dort eher nicht so." Die Ehefrau ergänzt: "Wenn ich Fotos von früher sehe, könnt ich mich kaputtlachen." Der Gatte nickt ohne zu zögern: "Ohne Witz, ich sehe ohne Bart aus wie ein Zwölfjähriger." Auf die Frage, ob er seine Gesichtsbehaarung für seine Frau abrasieren würde, überlegt der humorvolle 39-Jährige ein paar Sekunden länger, antwortet dann aber mit einem klaren Nein. Jasmin stimmt dem zu: "Das finde ich aber auch gut so. Er muss sich jeden Morgen selbst im Spiegel anschauen. Da würde ich ihm nicht reinreden." Sascha Wendt stimmt seiner Auserwählten mit einem Lächeln zu. "Nur, weil man verheiratet ist, heißt das ja nicht, dass man seine Menschenrechte auf Freiheit abtritt."

Einen Einwand hat seine Frau Jasmin aber: "Gepflegt muss er sein!" Bei diesem Kompromiss sind sich beide einig. Bart-Shampoo, Pflege-Öl und eine Bürste mit speziellen Zacken gehören zu der täglichen Pflegeroutine des Feldwebels. "Manchmal bin ich etwas nachlässig, kriege dann aber schon einen Schubs aus der richtigen Richtung", sagt er und schmunzelt. "So ein Bart bringt auch Abwechslung. Man kann mit Kontur oder Form spielen. Wir Frauen haben mit Schmuck und Schminke da ja mehr Möglichkeiten, uns zu verändern, als die Männer. Deshalb finde ich Bart gut", erzählt seine Frau weiter. Und das sogar beim Küssen. "Mir macht das nichts aus. Als er noch recht kurz war, hat es etwas gekratzt, aber jetzt nicht mehr." Die einzigen Gründe, sich zu rasieren, wären gesundheitlicher oder beruflicher Natur, sagt Sascha Wendt. Ein letzter Antrieb fällt dem 39-Jährigen dann doch noch ein: "Für einen guten Zweck würde ich mich auch von meinem Bart verabschieden."

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