Amberg
09.01.2019 - 14:09 Uhr

Die Basis muss es richten

Halbiert hat sich mit der Landtagswahl im Oktober die Anzahl der Oberpfälzer SPD-Abgeordneten. Zwei sind es noch, der Stimmkreis Amberg-Sulzbach ist nach Jahrzehnten nicht mehr mit einem Mandatsträger vertreten. Und jetzt?

Der SPD-Bundestagsabgeordnete und Generalsekretär des Landesverbands, Uli Grötsch, und Kreisvorsitzender Uwe Bergmann (von links) wollen alles daran setzen, dass die SPD kommunal präsent ist. Bild: Stephan Huber
Der SPD-Bundestagsabgeordnete und Generalsekretär des Landesverbands, Uli Grötsch, und Kreisvorsitzender Uwe Bergmann (von links) wollen alles daran setzen, dass die SPD kommunal präsent ist.

Amberg-Sulzbach. (zm) Luft holen und tief durchatmen. Dem Generalsekretär der Bayern-SPD Uli Grötsch, und Kreisvorsitzendem Uwe Bergmann geht das bei einem Redaktionsgespräch nahezu synchron mehrfach so. Als sei die Choreographie eingeübt. Ist sie aber nicht. Der nüchterne Blick auf das ein Vierteljahr zurückliegende Wahlergebnis führt hier Regie. Da tröstet der Umstand wenig, dass Bergmann als Erststimmen-König der Oberpfälzer Sozialdemokraten (11 084 oder 13,76 Prozent) und trotz Platz zwei auf der Liste eine Art tragischer Verlierer ist.

Herber Verlust

Der Schnaittenbacher ist stolz auf diesen Erfolg "aus dem Stand heraus", und Grötsch zollt ihm dafür ausdrücklich Anerkennung. Doch im Moment gilt eher die Devise, geteiltes Leid ist halbes Leid. "Natürlich haben wir gewaltig an politischem Gewicht verloren. Die mittlere Oberpfalz wird im Landtag nur noch von CSU-Abgeordneten vertreten", fackelt der Generalsekretär nicht lange. Hart trifft nach Bergmanns Einschätzung den Kreisverband eine handfeste Folge dessen. "Das Büro ist einfach weg", verweist er auf den Verlust, dass es Reinhold Strobls einstige Abgeordneten-Geschäftsstelle nicht mehr gibt.

Das sei ein herber Verlust für die SPD vor Ort. Die Mitarbeiter dort seien immer auch Ansprechpartner für die lokalen Mandatsträger und die Parteiarbeit an der Basis gewesen. Die nächste Ebene des Unterbezirks-Büros könne das kaum eins zu eins auffangen, bedauert Bergmann.

Als Kreisvorsitzendem geht es ihm nun hauptsächlich um die Präsenz der Sozialdemokraten im lokalen und regionalen Leben. 5000 Teilnehmer an Landtagsfahrten habe beispielsweise Strobl im Laufe seiner Abgeordnetenzeit verzeichnen können, Einladungen zu offiziellen Empfängen und Terminen blieben ab einer gewissen Ebene aus. "Das alles fällt weg", beschreibt Bergmann die neue Lage. Er und Grötsch wollen jedoch nicht nur Trübsal blasen.

Von unten anfangen

Beide halten nicht hinter dem Berg mit ihrer Auffassung, dass sie für die Einbrüche in Bayern und vor Ort hauptsächlich den Zustand des Bundes-SPD verantwortlich machen. Der Umkehrschluss: Konzentration auf die Basis. "Wir haben gute Kommunalpolitiker und wir müssen vermitteln, dass die SPD auf der kommunalen Ebene unverzichtbar ist", sagt Bergmann, selbst stellvertretender Bürgermeister von Schnaittenbach. Sein Blick richtet sich deshalb in Richtung des Wahlkampfes für die Kommunalwahlen im Frühjahr 2020. Da möchte er wieder punkten.

Beispielsweise mit dem Schwung neuer Mitglieder, die sich ganz bewusst der gravierend schwächelnden SPD anschließen würden, weil sie deren Werte als gesellschaftlich unverzichtbar erachten, betont Grötsch. 80 Prozent der Eintritte seit 2017 seien bei der Stange geblieben, weiß der Generalsekretär. Deren Ideen sollten verstärkt aufgegriffen und umgesetzt werden. Beispielsweise hinsichtlich neuer Veranstaltungsformate und öffentlicher Präsenz. "Die Zeit der klassischen Parteiversammlung oder Wahlkampfveranstaltung ist vorbei", sagt Grötsch und appelliert, Fantasie walten zu lassen.

 
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