12.07.2019 - 18:12 Uhr
AmbergOberpfalz

Bayerns Botschafter in Périgueux

In Dirndl und Lederhose kommen die Amberger in Périgueux enorm gut an. Die Franzosen bewundern die Outfits und sind erstaunt, dass die Oberpfälzer extra zur 100. Félibrée angereist sind - vier Tage dauert deren Besuch bei guten Freunden.

von Kristina Sandig Kontakt Profil

Schon die Ankunft am Flughafen Bordeaux-Merignac gibt der 19-köpfigen Stadtratsdelegation aus Amberg einen Vorgeschmack auf das, was sie die nächsten vier Tage im Südwesten Frankreichs erwarten sollte: Herzlichkeit und Hitze. Bereits am Nachmittag erkunden die ersten die Partnerstadt und stellen erfreut fest, wie festlich sie für die Félibrée geschmückt ist.

Prächtige Blumengirlanden

Überall sind über den Gassen und Straßen unzählige Girlanden gespannt. Daran hängen Blumen, die im Vorfeld viele Freiwillige, darunter auch Kindergärten und Seniorenheime, in mühevoller Handarbeit gefaltet haben: insgesamt rund 450 000. "Für uns ist es eine große Ehre, da dabei sein zu dürfen", sagt Ambergs OB Michael Cerny. Am Freitagabend tauscht er beim Empfang der Delegation im Rathaus von Périgueux Geschenke mit seinem französischen Amtskollegen Antoine Audi aus. Beide Bürgermeister heben die langjährigen Beziehungen beider Städte hervor, blicken zurück auf das, was diese Partnerschaft ausmacht, und freuen sich auf viele weitere Begegnungen, sei es in Amberg, sei es in Périgueux.

Reizende Gastgeber

Rührend kümmern sich Thierry Cipierre, beigeordneter Bürgermeister und auf französischer Seite zuständig für die Städtepartnerschaft, seine Frau Patricia und Catherine Gorse, Präsidentin der Amis d'Amberg, um ihre deutschen Gäste. Auch viele Mitglieder der Freunde von Amberg schauen immer wieder bei einzelnen Programmpunkten vorbei, um so viel Zeit wie möglich mit ihren Gästen zu verbringen. Mit Martine Balout erkundet die Stadtratsdelegation am Samstagvormittag die Stadt - bei über 35 Grad eine sehr schweißtreibende Angelegenheit. Die Amberger bummeln über den Markt, durch die Geschäfte und Boutiquen, genießen das eine oder andere Gläschen Wein und das quirlige Leben in der Altstadt von Périgueux - savoir vivre zwischen Bäcker und Marktstand, Weinverkostung und Straßencafé.

Haupttag der Félibrée ist der Sonntag. Frühmorgens marschiert die Delegation - stilecht im bayerischen Gewand - los, um sich für das große Defilee aufzustellen. Von drei Punkten aus ziehen die Gruppen sternförmig durch die Altstadt zur Kathedrale. Viele Zaungäste sind schon am Vormittag auf den Beinen, um die verschiedenen Trachten und historischen Gruppen zu bewundern und ihnen zuzuwinken. So mancher hat einen Logenplatz, hat vom eigenen Balkon aus die beste Übersicht. Anerkennende Blicke ernten die Amberger, die mit ihrer Tracht quasi als bayerische Botschafter fungieren.

Denn sie sind als einzige Gruppe außerhalb Aquitaniens mit von der Partie. Und sie vertreten ihre Oberpfälzer Heimat außerordentlich gut: in feschen Dirndln und nicht minder schmucken Lederhosen, mitunter sogar stilecht mit Hirschfänger, einem traditionellen Jagdmesser, in der Hosentasche. Singend und musizierend marschieren die Franzosen zur Kathedrale, zeigen auf dem Vorplatz ihre Tänze.

Taulada für 800 Menschen

Beeindruckend, wie Gruppe um Gruppe in St. Front einzieht. Dort zelebriert der Bischof von Périgueux mit einem Dutzend Priestern eine Messe auf Okzitanisch, eine galloromanische Sprache, die einst im südlichen Frankreich gesprochen wurde. Der Auszug aller Gruppen ist ebenso imposant, über die Rue St. Front geht es zum Platz Tourny. Dort ist an langen Tafeln für 800 Menschen eingedeckt. Mittendrin sitzen die Amberger, die sich ebenfalls die Taulada, eine traditionelle Mahlzeit, schmecken lassen und das probieren, was das Périgord an kulinarischen Schmankerln zu bieten hat: Nusswein zum Beispiel. Oder eine périgourdinische Knoblauchsuppe.

Dass die Franzosen stolz auf ihre Wurzeln sind, ist überall zu spüren. Auch bei Bürgermeister Antoine Audi. "Die Tradition ist der Schlüssel zu dem, was wir sind", betont er. Sie sei "das Herz unseres Landes, unseres Lebens". Es sei wichtig, sich einerseits seine kulturelle Identität zu bewahren, andererseits aber auch offene Europäer zu sein. Europäer im besten Sinne sind an diesem Tag alle, die Amberger mischen sich munter unter Tausende Franzosen, feiern gemeinsam im Fest-Getümmel - und schwupp, ehe man sich versieht, ist der letzte Abend in Périgueux angebrochen. Am nächsten Morgen heißt es, Abschied zu nehmen von guten Freunden - ein bisschen wehmütig, aber natürlich auch im Bewusstsein, dass es nicht der letzte Austausch zwischen beiden Städten war.

Info:

Die 100. Félibrée

Für Ambergs Partnerstadt Périgueux war es eine große Ehre, die 100. Félibrée auszurichten. Dabei handelt es sich um ein großes Festival, das die okzitanische Sprache und Kultur in den Mittelpunkt rückt. Alljährlich ist eine andere Gemeinde oder Stadt in der Region Aquitanien der Gastgeber. Musik und Tanz, aber auch große Trachtenumzüge prägen das Fest. Die erste Félibrée war 1903 in Mareuil sur Belle im Nordwesten der Dordogne, 2020 findet sie in Eyment statt, einer Gemeinde im Arrondissement Bergerac.

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