20.12.2018 - 18:36 Uhr
AmbergOberpfalz

Beihilfe ja, Anstiftung nein

Sie haben etwas gesagt. Am fünften Prozesstag räumen drei Litauer ein, in Amberg gewesen zu sein, als der Juwelier Tsavaris überfallen wurde. Sie geben zu, von dem Verbrechen gewusst zu haben, wollen aber nicht Anstifter gewesen sein.

Die Litauer Vladimiras K. (29), Vitalijus M. (33) und Dovidas S. (29) – auf dem Foto mit gepixelten bzw. verdeckten Gesichtern – sollen ihre am 31. Juli 2017 beim Juwelier Tsavaris in Aktion tretenden Komplizen nach Amberg gebracht und sie an den Tatort geschickt haben.
von Autor HWOProfil

So wie es aussieht, wird es weder ganz hohe Haftstrafen noch Freisprüche geben. Am Ende des vierten Verhandlungstages hatte die Richterin Roswitha Stöber den Männern aus Litauen zu bedenken gegeben: "Sie sollten sich überlegen, ob Sie das Schweigen nicht brechen und doch etwas sagen wollen." Das war, wenn man so wollte, ein Wink mit dem Zaunpfahl für die fünfte Verhandlungsrunde.

Hinter verschlossener Tür

Die Anklage lautet auf Mittäterschaft bei einem besonders schweren Raub mit einer Mindeststrafe von fünf Jahren Haft. Doch es kann auch auf Beihilfe zu einem solchen Verbrechen hinauslaufen. Mit niedrigeren Ahndungen. Das bedurfte am Donnerstag einer Erörterung. Sie fand im Beisein der Ersten Strafkammer, der Staatsanwältin Jennifer Jäger und der drei Verteidiger statt. Zwei Stunden lang wurde hinter verschlossenen Türen debattiert. Dann stand fest: Für Geständnisse konnte sich die Kammer Haftstrafen zwischen dreieinhalb und vier Jahren vorstellen.

Als die Öffentlichkeit wieder teilnehmen konnte, gaben die drei Anwälte Erklärungen für ihre Mandanten im Alter zwischen 29 und 33 Jahren ab. Die Litauer räumten plötzlich ein, am 31. Juli 2017 mit in Amberg gewesen zu sein, als ihre drei bereits abgeurteilten Mitfahrer aus dem zur Anfahrt genutzten Opel Zafira ausstiegen und den Überfall bei Tsavaris starteten. Sie gaben auch zu, von diesem Verbrechen vorher erfahren zu haben. Allerdings nicht in der Rolle von Auftraggebern.

Genau darin liegt der Unterschied zwischen Beihilfe und Mittäterschaft.

Was war sonst noch an diesem fünften Prozesstag? Zum Beispiel die Verlesung umfangreicher Vorstrafenregister der Beschuldigten. Sie sind vor allem in Litauen vorhanden. Dort saßen die Männer über Jahre hinweg im Gefängnis. Einer etwa wegen schwerer Körperverletzung an einer Frau, die unter entstellenden Folgen dauerhaft leidet.

Freitag Urteile

Noch eines weiß man vor den Plädoyers und Urteilen am Freitag, 21. Dezember: Für einen der Litauer wird das Gericht wohl eine Drogentherapie auf deutsche Staatskosten anordnen müssen. Das dürfte sich erneut zu einem Moment des Zähneknirschens entwickeln. Begünstigt und so verlangt von allerhöchster deutscher Rechtsprechung. Denn in Karlsruhe beim Bundesgerichtshof ist man nach wie vor der Ansicht, dass Heilung von Abhängigkeit absoluten Vorrang bei Straftätern genießt.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.