20.11.2018 - 10:34 Uhr
AmbergOberpfalz

Bilder, weil oft Worte fehlen

Damit die Betrachter auch genau hinsehen, fotografiert Daniel Kempf-Seifried in unbunten Grauwertabstufungen. Weiß ist das Licht, der Tod kleidet sich in schwarz. Seine Fotografien zeigen Angst, Freude im Elend und das weite Meer.

Historiker Serge Palasie und Fotograf Daniel Kempf-Seifried eröffnen die Ausstellung "Schwarz ist der Ozean" in der Stadtbibliothek.
von Dagmar WilliamsonProfil

Der Bildjournalist befasst sich seit vielen Jahren mit den Auswirkungen von Krieg, Flucht und Unterdrückung. Er wünscht niemandem, das erleben zu müssen, was er gesehen hat. Der 40-Jährige schluckt. "Ich kam an meine persönlichen Grenzen. Und niemals stand mein Beruf im Vordergrund. Man kann gar nicht anders, als zu versuchen Menschen zu retten", erzählt er bei der Ausstellungseröffnung in der Stadtbibliothek. Er war im Vorjahr als Seenotretter bei der Organisation Sea Eye an der libyschen Küste unterwegs. Im April geriet sein Team in Seenot und musste erfahren, wie es ist, zum politischen Spielball zu werden, das rettende Land vor Augen zu haben. Bürokratie verhinderte das Anlegen.

Nach einer Nacht des Grauens aufgrund schlechten Wetters und dem kritischen Zustand der Geretteten, setzten sie schließlich einen Notruf ab. Erst zehn Stunden später konnte mit Hilfe von zwei Speed-Booten aus Lampedusa das Rettungsschiff evakuiert werden. Ein Einsatz, der 86 Stunden dauerte, rettete 1388 Menschen das Leben. "Schwarz ist der Ozean" heißt die Wanderausstellung von Kurator Serge Palasie mit der Fotoserie "The river is an ocean" des Regensburger Fotografen.

Palasie führte durch die geschichtlichen Hintergründe Afrikas von Gold und Diamanten, Sklavenhandel und die Folgen, die jetzt auf die Europäer und den Rest der Welt zukommen. "Hier geht es nicht um Schuldzuweisungen", betonte er mehrmals. "Denn um Menschen zum eigenen Zweck zu missbrauchen, bedarf es Akteure vor Ort." Damals, ab dem 14. Jahrhundert, genau so wie heute. Der Sklavenhandel, wie man ihn aus den Geschichtsbüchern kennt, sei wieder stark im Kommen. Palasie erzählte über die Schattenseiten des bequemen Konsums, wie es in der westlichen Welt zum Wohlstand kam und über die Entstehung von Rassismus.

Er zitierte den Aufklärer Voltaire, der seinerzeit zur Rassentheorie und der Niedrigstellung von schwarzen Menschen nicht unerheblich beitrug. Um überhaupt die Ausbeutung von Menschen rechtfertigen zu können, erklärte der Düsseldorfer, müssten diese einem Tier gleichgemacht werden. Dadurch entstehe eine geringe Hemmschwelle - und die Akzeptanz des Menschenhandels. Rassismus wurde der breiten weißen Masse zu Beginn des 17. Jahrhunderts also anerzogen, um entfernte Länder ökologisch ausbeuten zu können.

Der Kurator übernimmt mit seiner Wanderausstellung "Schwarz ist der Ozean" die eigentliche Aufgabe der Politik. Er gibt Antworten auf das "Warum kommen die alle zu uns?" und erläutert, dass ahistorische Betrachtungsweisen immer politisch motiviert sind. Diese seien auch ausschlaggebend dafür, warum Ursachen für Missstände nicht direkt bekämpft werden. Weder vor Ort noch von den Europäern.

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