19.07.2019 - 11:21 Uhr
AmbergOberpfalz

Blick zurück: Wie die Region die Mondlandung erlebte

Viele erinnern sich noch genau, was sie gerade getan haben, als Flugzeuge ins World-Trade-Center gekracht sind oder Apollo 11 auf dem Mond landete. Wir blicken 50 Jahre zurück auf ein Ereignis, das die Welt bewegte.

von Uli Piehler Kontakt Profil

Der 20. Juli 1969 war ein Sonntag wie aus dem Bilderbuch. Ein paar weiße Wolken zogen über den blauen Himmel, in Freudenberg und Wutschdorf flatterten lange, weiß-blaue und gelb-weiße Fahnen von den Hausgiebeln. Das ganze Dorf war auf den Beinen, weil der Bürgermeister-Sohn Robert Schmidbauer Primiz feierte. Mehr als 1000 Leute nahmen am Festgottesdienst im Freien teil. "Die in der Nacht bevorstehende Mondlandung war auch Thema an diesem Tag", erinnert sich Zeitzeugin Sigrid Klick. "Allerdings erst, als die Primizfeier am Nachmittag zu Ende ging."

Astronauten getroffen

Vilseck feierte an jenem Wochenende ein großes Musikfest im Schlosshof der Burg Dagestein. "Die junge Knabenkapelle Vilseck hatte die oberösterreichische Blaskapelle aus Zell an der Pram zu Gast", blickt Rosi Hasenstab zurück. Es war eine laue, angenehme Sommernacht, erfüllt von Frohsinn und herrlichen Blasmusikklängen. "Auch wir Vilsecker Moila, ich war damals knapp 18 Jahre alt, waren dabei und unterhielten die Gäste mit unseren Liedern. Bald gesellten sich einige junge Burschen aus Österreich zu uns. Na ja, ich muss gestehen, dass wir uns da nicht gerade über die bevorstehende Mondlandung unterhalten haben."

Aber bei den Erwachsenen sei die Apollo-Mission natürlich Thema Nummer eins gewesen. "Ich habe mir erst am nächsten Tag alles im Fernsehen angeschaut. Unsere Großmutter fand die Mondlandung sehr aufregend und konnte das alles nicht fassen. Doch unsere Mama sagte mit gläubigem Vertrauen: Bei Gott ist kein Ding unmöglich!"

Erst 1993 befassten sich die Vilsecker Moila näher mit der Raumfahrt. Im Kulturschloss Theuern waren nämlich die Astronauten der D2-Mission auf Einladung von Landrat Hans Wagner zu Gast. "Wir hatten ein eigenes Lied für Dr. Ulrich Walter und das ganze Forschungsteam einstudiert, für das wir großen Beifall und ein tolles Autogramm bekamen."

Hubert Söllner aus Rieden verbrachte den Sonntag vor 50 Jahren überwiegend im Auto und hatte deswegen Zeit, Radio zu hören. Er fuhr von Karlstadt bei Würzburg Richtung Amberg. "Bei der mehr als zweistündigen Fahrt sprachen die Radio-Moderatoren ausschließlich über die Mondlandung", erinnert sich Söllner. Am nächsten Tag wollte er unbedingt im Fernsehen die Bilder sehen, wie Neil Armstrong beim Aussteigen aus der Fähre seine ersten Schritte auf dem Mond absolvierte und die US-Flagge in den Mond-Boden steckte. "Natürlich wurde damals auch ausführlich in der AZ berichtet."

Nachts vor Fernseher

Söllner erzählt, die Mondlandung sei als technisches Wunder wahrgenommen worden. "Die Stimmung war sehr positiv." Das bestätigt auch Pater Alfred Lindner vom Kloster Ensdorf. Er war damals 17 Jahre alt und Schüler im Priesterseminar in Buxheim (Schwaben). "Wir haben uns in der Nacht auf Montag den Wecker gestellt und uns vor den Fernseher gesetzt. Das war ein unfassbares Erlebnis." Und auch AZ-Redakteur Michael Zeißner erinnert sich: "Lokomotivführer war out, Astronaut in. Jahrgang 1957, gaben die Apollo-Missionen für mich den Ausschlag für diesen kindlichen Berufswunsch." Endlich sollte der Höhepunkt, die Mondlandung, kommen. Als das Aufregendste entpuppte sich aber erst einmal das Versprechen der Eltern, mit ihnen und der Schwester zusammen das Jahrhundertereignis im Fernsehen anschauen zu dürfen. "Geweckt werden, mitten in der Nacht und dann das sehen, was auf dem Mond gerade passiert, das war das eigentliche Wunder dieser Nacht."

Dazu hatte sich der Nachbar ankündigt. "Ein hoch gebildeter und nicht minder verschrobener bis vergeistigter Mann, der Realschul-Rektor in der Kleinstadt war, in der wir damals lebten. Einen Fernseher hatte er nicht, aber viele Bücher. Unter anderem über transzendentale Phänomene. Er war sich sicher, dass sich die Außerirdischen dieses unverschämte Eindringen der Amis in ihre Sphären nicht bieten lassen und eingreifen würden. Das wollte er sich anschauen."

Und was sahen die Zeißners und ihr Nachbar? Grottenschlechte, verzerrte, nur schemenhafte Schwarzweiß-Bilder von unbeholfenen Püppchen, untermalt vom kratzigen Rauschen immer wieder zusammenbrechender Funkverbindungen. "Meiner Schwester wurde es bald zu langweilig, sie ging wieder ins Bett. Der Nachbar war enttäuscht, weit und breit kein Außerirdischer. Aber wir hatten am nächsten Tag schulfrei, weil die Amis auf dem Mond gelandet sind. Das war doch was!"

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