17.05.2019 - 10:14 Uhr
AmbergOberpfalz

Blutspenden in Amberg: Ein Piks macht zum Lebensretter

Kaffeegeruch liegt in der Luft, ein Gerät piepst, eine Gruppe Männer unterhält sich lachend. Die Stimmung im Blutspende-Zentrum des Roten Kreuzes ist locker. Plötzlich ein Schrei. Der Ausruf kommt aber nicht von einem Spender.

Hochbetrieb beim Blutspenden im BRK-Zentrum in Amberg
von Redaktion ONETZProfil

(vsd) Eine Frau ist erschrocken, weil die Kaffeetasse heißer war, als erwartet. Kein Grund zur Beunruhigung also. Georg Horst, ein langjähriger Spender, fühlt sich in dieser Umgebung wohl. Sein Lachen reicht bis zu seinen Augen, als er erzählt, wie oft er schon Blut gespendet hat. Exakt 173 Mal, seit seinem 21. Lebensjahr. Probleme hat der 71-Jährige dabei noch nie gehabt, er sieht die Sache völlig entspannt: "Da bleibe ich fünf Minuten liegen, dann ist eigentlich alles wieder Okay."

Den Auslöser, so oft Blut zu spenden, gab vor 50 Jahren seine Familie: "Meine Mutter brauchte eine Blutübertragung im Krankenhaus. Das hat natürlich mein Interesse geweckt." Dabei entschied sich der Rentner aus Moos 1969 zu seiner ersten Blutspende und blieb auch dabei - bis heute. Lange darf Georg Horst aber nicht mehr spenden, Mehrfachspender müssen nach ihrem 73. Geburtstag aufhören. Das ist Fakt.

Aufgeregte Erstspender

Bei Elisabeth Ehrnstperger sieht es anders aus, sie hat jetzt zum ersten Mal gespendet. Die 51-Jährige wirkt erleichtert, als sie sagt: "Etwas unwohl war mir schon, aber es ging zügig und war dann schnell wieder vorbei." Marvin Malinowski (24), ebenfalls Erstspender, hat die Prozedur noch vor sich. Er muss sich zuerst einmal anmelden. Nachdem er einen Fragebogen zu seiner Gesundheit ausgefüllt hat, wird sein Hämoglobinwert im Labor bestimmt. Der Wert ist wichtig für eine Spende. Liegt er bei Frauen unter 12,5 und bei Männern unter 13,5, ist eine Spende ausgeschlossen. Mit Hilfe eines Schnelltests erfährt der Student außerdem seine Blutgruppe: 0 positiv.

Entspannt beobachtet der 24-Jährige das Gerät, das die gespendeten Milliliter anzeigt. In den Beutel passen maximal 500 Milliliter, nach elf Minuten ist er voll. Jetzt muss der junge Mann fünf Minuten lang liegenbleiben, bevor er sich etwas zu Essen holen soll. Malinowski hat gleich mehrere Gründe, warum er sich für eine Spende entschieden hat: "Ich wollte meine Blutgruppe wissen und außerdem habe ich gehört, dass es gesund sein soll. Ich dachte mir, dass ich es ja mal ausprobieren kann. Es ist für einen guten Zweck und kostet nichts. Außer Zeit." Für Maria Klieber ist Blutspenden nichts Aufregendes mehr. Sie hat seit 1980 schon 125 Mal gespendet. Dafür wurde sie heuer im März sogar ausgezeichnet. Gelassen erzählt sie, warum sie regelmäßig beim BRK aufkreuzt: "Damals haben die Krankenhäuser dringend Blut für Schwerkranke gebraucht. Da wollte ich helfen." Und das hat sie.

Besonders mit ihrer Blutgruppe 0 Rhesus negativ ist ihr Blut gefragt, denn es ist mit allen anderen Blutgruppen kompatibel, kommt aber selten vor. Nur etwa sechs Prozent der Bevölkerung in Deutschland haben diese Blutgruppe. Der Spender selbst ist im Ernstfall im Nachteil: Wer die Blutgruppe 0 negativ besitzt, kann nur 0 negativ als Spende bekommen, anderes Blut stößt der Körper ab. Die 62-Jährige hat dennoch keine Bedenken. Sie sagt: "Wenn weiterhin gespendet wird, ist auch genug Blut der Gruppe 0 negativ da, sollte mir einmal was passieren."

Aktuelle Blutspende-Termine in Amberg

Damit ein Blutspendetermin auch reibungslos über die Bühne geht, sind neben Ärzten und Krankenschwestern auch ehrenamtliche Helfer wichtig. Ursula Rähr ist seit über zehn Jahren Bereitschaftsleiterin des zwölfköpfigen Teams in Amberg. "Ich bin seit der ersten Blutspendenaktion 1968 dabei und kümmere mich schon über zehn Jahre besonders um die Organisation und die Verpflegung. In Verbindung mit der Geschäftsstelle", erzählt die 79-Jährige. Auch um die kleinen Präsente, von denen sich jeder Spender als Dankeschön eines aussuchen kann, kümmern sich die Helfer. Möchte ein Spender kein Geschenk, kann er auch Punkte sammeln. Eine Spende ist einen Punkt wert. Mit zwei Punkten beispielsweise gibt es schon freien Eintritt für das Kurfürstenbad.

Mit einem Schmunzeln erzählt die Helferin von ihrer eigenen ersten Spende: "Ich habe damals viel länger gebraucht als alle anderen. Da ist bei meiner ersten Spende mein Blut so langsam geflossen, obwohl ich alles getan habe, um den Blutfluss anzuregen. Da habe ich mich ein wenig geniert." Ihr gefällt es deshalb auf der Helfer-Seite besser. Pro Termin spenden in Amberg etwa 250 bis 260 Menschen, bei Auswärtsterminen im Landkreis sind es mit 80 bis 120 Spendern deutlich weniger. Für Blutspenden in der Oberpfalz und in Niederbayern kommen Teams aus Regensburg, die alle Utensilien dabei haben. Teamleiter ist in diesem Fällen Richard Kick, der im Hauptberuf Krankenpfleger ist. Er sagt: "Es gibt nichts Schöneres als mit und am Menschen zu arbeiten."Mit seiner lockeren Art schafft er es, die Erstspender zu beruhigen, bevor auch schon die Nadel im Arm steckt. Er weiß ganz genau, wie er für eine angenehme Atmosphäre sorgen kann. Kick betont, dass eine Spende etwa drei Menschen helfen kann und dass es ein verbreiteter Irrglaube sei, Blutspenden würden ins Ausland verkauft. Kick: "Das stimmt so aber nicht. Das Blut bleibt in Bayern." Bildergalerie und Termine: www.onetz.de/

Seit 1968 dabei

Welche Blutgruppen vertragen sich? So passt das zusammen zwischen 0- und AB-.
Hintergrund:

2000 Konserven pro Tag

Um die Versorgung der Menschen in Bayern zu garantieren, werden täglich 2000 Blutkonserven benötigt, bundesweit sind es 15 000 pro Tag. Statistisch gesehen wird das meiste Blut inzwischen zur Behandlung von Krebspatienten benötigt. Es folgen Erkrankungen des Herzens, Magen- und Darmkrankheiten, Sport- und Verkehrsunfälle. Aufgrund der geringen Haltbarkeit eines Blutpräparates von 42 Tagen sind die Patienten im Prinzip an 365 Tagen des Jahres auf Spenden aller Blutgruppen angewiesen. Spender mit der Blutgruppe Null (speziell mit dem Rhesusfaktor negativ) sind dabei besonders gefragt, denn sie gelten als sogenannte Universalspender. Das heißt, ihr Blut ist mit allen anderen Blutgruppen kompatibel. Vor allem in Notfällen kann das lebensrettend sein. Null negative Blutspender sind sehr selten – gerade einmal sechs Prozent der in Deutschland lebenden Bevölkerung haben diese Blutgruppe.

Die dringende Notwendigkeit, Blut zu spenden, besteht über alle Blutgruppen hinweg. Aufgrund der Notfallversorgung kommt der Blutgruppe null aber eine besonderer Bedeutung zu. Selbstverständlich ist es nicht verkehrt, seine Blutgruppe zu kennen. Aus Sicht des BRK ist es allerdings noch wichtiger zu verinnerlichen, dass es viele Mitmenschen gibt, die tagtäglich auf Spenden aller Blutgruppen angewiesen sind, um zu überleben. Mit nur einer Blutspende können bis zu drei Menschenleben gerettet werden. (vsd)

Georg Horst ist ein langjähriger Spender.
Ein Pieks und ein paar Minuten Zeit - das ist alles, was die Spende kostet.
Teamleiter Richard Kick und BRK-Helferin Ursula Rähr.
Elisabeth Ehrnstperger hat zum ersten Mal gespendet.
Maria Klieber und Georg Horst.
Erstspender Marvin Malinowski .
Ein Beutel mit einer Blutkonserve.
Röllchen für die Bluttests.

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