27.12.2019 - 09:18 Uhr
AmbergOberpfalz

Böllern an Silvester: Wie können Kinder und Tiere geschützt werden?

Wunderkerzen, Knallfrösche, Raketen: bunte Farben und Lichter gehören für viele Menschen in der Silvesternacht einfach dazu. Doch nicht jeder findet Gefallen daran. Besonders auf Kinder und Tiere sollte Rücksicht genommen werden.

Silvester am Amberger Marktplatz. Die Feuerwerke zum Jahreswechsel sind nicht für jeden ein Vergnügen.
von Michelle BalzerProfil

Die Uhr schlägt Mitternacht und wie in vielen anderen Ländern auch wird das neue Jahr bei uns mit viel Krach begrüßt. Die Feuerwerkskörper stellen jedoch eine Gefahr dar. Besonders auf Kinder und Tiere sollte in dieser Nacht geachtet werden. Laut Stadtbrandrat Bernhard Strobl muss die Amberger Feuerwehr in der Silvesternacht rund fünf bis zehn Mal ausrücken: „Es ist eine Zahl, die immer schwankt. Aber wir sind regelmäßig für kleinere Sachen wie brennende Müllcontainer oder Hecken unterwegs. Für den gesamten Abend herrscht hier natürlich eine erhöhte Einsatzbereitschaft.“

Richtiger Umgang wichtig

Der oftmals größte Fehler: die falsche Nutzung von Raketen und Böllern. „Allgemein sollte Feuerwerk natürlich immer nur im Freien und bei ausreichend Platz gezündet werden. Niemals auf Menschen richten oder in geschlossenen Räumen abfeuern. Böller zündet man am Boden, nicht in der Hand, und hält ausreichend Abstand“, erklärt Strobl. „Raketen sollten einen sicheren Stand haben und bevor man losschießt, sollte auch die Flugbahn kontrolliert werden, da sich Raketen auch gerne mal auf Balkone oder in Hecken verirren.“

Schreckensszenario statt spaßiger Abend: Viele Kinder fürchten sich vor den Böllern an Silvester. Eltern können bereits durch das Ausstrahlen von Ruhe viel Angst nehmen und für einen entspannten Abend sorgen.

Diese Gefahren und Regeln sollten Kindern im Vorfeld deutlich erklärt werden, Eltern den richtigen Umgang mit Feuerwerkskörpern von Beginn an vorleben. Nur so könne die richtige Handhabung gemeinsam gelernt werden.

„Am sichersten ist es natürlich, gar nicht zu böllern. Was man sich in einer Zeit, in der das Thema Feinstaubbelastung jeden Tag eine Rolle spielt, gut überlegen sollte“, sagt Strobl. Wer trotzdem nicht darauf verzichten möchte, selbst ein Feuerwerk zu zünden, für den sind laut dem Stadtbrandrat Batteriefeuerwerke am sichersten.

„Auf Plätze, an denen viel und unkontrolliert geböllert wird, würde ich mit Kindern und vor allem mit Tieren nicht hingehen. Besonders für Kinder ist die Lärmbelastung an dem Abend enorm. Das sollte nicht unterschätzt werden“, betont Strobl. Hörschäden wie Tinnitus oder Hörsturz seien keine Seltenheit, dem könne jedoch mit Ohrenschützern oder -stöpseln sowie ausreichendem Abstand entgegengewirkt werden.

Kindern Bedeutung erklären

Kleinere Kinder könnten die Bedeutung des Silvester-Lärms meist nicht einordnen. Sie erschrecken sich schnell und bekommen Angst. Deshalb empfiehlt Psychotherapeut Sebastian Sonntag in der Silvesternacht den stetigen Kontakt zwischen Kind und Erwachsenem: „Die Eltern sollten in unmittelbarer Nähe sein und ihnen ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit geben, denn Kinder reagieren meist so, wie die Eltern mit der Situation umgehen. Zum Beispiel übertragen ängstliche Eltern zusätzlich negative Gefühle auf ihre Kinder und verstärken dadurch die Angst.“

Laut Sebastian Sonntag begreifen Kinder erst ab dem dritten oder vierten Lebensjahr, was an Silvester vor sich geht. Familien mit jüngeren Kinder sollten auf den Aufenthalt im Freien verzichten. „Jeder soll dabei selbst abwägen, was für die Kinder das Richtige ist“, sagt Sonntag. „Hat man als Elternteil Bedenken, ob das Kind mit dem Lärm und dem Trubel um Mitternacht zurechtkommt, würde ich das Feuerwerk ganz sein lassen.“ Wenn die Kinder noch wach seien, könne man die Lichter auch vom Wohnzimmer aus ansehen. „Wenn sie bereits schlafen, sollten sie nicht geweckt werden.“

Bei Kindern, die aus Kriegsgebieten kommen, empfiehlt Sonntag anders vorzugehen und besondere Rücksicht zu nehmen: „Die Eltern müssen ihr Kind hier wirklich vorbereiten und deutlich erklären, was am Abend passieren wird. In solchen Fällen würde ich auch auf keinen Fall mit ihnen böllern gehen oder erwarten, dass sie das als spaßige Angelegenheit verstehen. Man befindet sich in einer ganz anderen Lage.“

Ähnlich wie Kinder reagieren auch Tiere sehr empfindlich auf den Krach in der Silvesternacht. Der ungewohnte, plötzliche Lärm könne sie in panische Angst versetzen. Jennifer Caudill, stellvertretende Leiterin des Tierheims Amberg, empfiehlt, stets Ruhe auszustrahlen: „Es gibt keinen Grund als Besitzer hektisch zu werden. Das Beste für das Tier wäre eine normale Umgebung und einen fürsorglichen Halter, der an dem Abend bei ihm ist und ihm Sicherheit signalisiert.“

Fluchtreflex bei Tieren

Am Silvesterabend sollten Hunde oder Katzen auf keinen Fall allein draußen sein. Laut Caudill dürfen besonders Hunde nicht unangeleint draußen rumlaufen, „wenn die Böller gezündet werden, besteht die Gefahr, dass sie vor Angst weglaufen.“

Sollte sich schon im Vorfeld große Panik anbahnen, gebe es eine „große Bandbreite an homöopathischen Mitteln, um den Hund für den Abend zu beruhigen“. Auch Kaninchen und Meerschweinchen reagieren auf den Lärm, indem sie sich vor Angst in eine Ecke drücken. „Die Geräusche sind für sie außerhalb der Norm und deuten auf Gefahr hin, weswegen sie am liebsten flüchten würden.“

Tieraufnahme:

Das Amberger Tierheim Amberg bietet eine Tieraufnahme an – sofern Plätze frei sind. Jedoch eher ungern über Neujahr: „Das wirkt dann so, als wäre das Tier bei uns geparkt, damit der Besitzer einen schönen Abend ohne Sorgen haben kann. Sowas machen wir eigentlich nicht“, sagt Caudill. „Das wäre in jedem Fall auch mehr Stress für das Tier, als wenn es alleine zu Hause ist.“

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