03.11.2019 - 11:19 Uhr
AmbergOberpfalz

"Böse Überraschung" zur Bürgerspital-Tiefgarage

Die Fraktionschefs haben die offizielle Info am Donnerstag erhalten, der komplette Stadtrat erfährt es am Montagabend: Die Bürgerspital-Tiefgarage kann nur ein- statt zweigeschossig werden, wodurch wohl öffentliche Parkplätze wegfallen.

Nicht nur mit seinen Gräbern bis zurück in die Keltenzeit hat das Bürgerspitalgelände zuletzt für Aufsehen gesorgt. Jetzt überrascht es mit uraltem felsigen Untergrund und stark nachsickerndem Grundwasser. Dadurch fällt der zweigeschossige Plan für die Tiefgarage buchstäblich ins Wasser, sie erhält nur eine Ebene.
von Thomas Amann Kontakt Profil

"Das tut weh", bekennt OB Michael Cerny. Das Stadtoberhaupt macht aus seinem Herzen keine Mördergrube und gibt auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien zusammen mit Bauherr Ten Brinke Auskunft zu dieser völlig neuen Situation. Dass sie jetzt auftaucht, ist genauen Bodenuntersuchungen und Bohrungen auf dem Baufeld an der Bahnhofstraße geschuldet. Sie brachten ein Ergebnis, das so nicht zu erwarten war und das nun - per Gutachten und schriftlicher Mitteilung bestätigt - viereinhalb Monate vor der Kommunalwahl für eine "böse Überraschung" sorgt.

Daraus macht Projektleiter Roland Seissler von der zuständigen Ten-Brinke-Niederlassung in Regensburg kein Hehl, um zeitgleich Gerüchten vorzubeugen, die in diesem Zusammenhang (noch) geschürt werden könnten: Nein, trotz der neuen Schwierigkeiten will sich Ten Brinke nicht von dem Gesamtvorhaben auf dem Bürgerspitalgelände verabschieden. Das versicherte Seissler mit Blick auf die lange Historie der Planung und den Aufwand, den Ten Brinke schon betrieben habe.

Ten Brinke will nicht abspringen

"Wir sind seit 2015 dran, haben unwahrscheinlich viel Manpower und irrsinnig hohe Vorleistungskosten reingesteckt", bekräftigte der Leiter das Festhalten an seinem Projekt, um "ganz deutlich zu sagen: Wir wollen uns nicht wirtschaftlich rausziehen - im Gegenteil haben wir so viel reingebuttert, dass wir hier in keinem Fall ein Hintertürchen aufmachen." Man müsse halt mit der neuen Situation zurechtkommen und dürfe "nicht verzagen" zu einem Zeitpunkt, an dem es eigentlich hätte losgehen können.

Die Vergabegespräche waren laut Seissler geführt, die Erdbaufirma bereits beauftragt und das Team in Regensburg mit insgesamt acht Leuten "aufgestellt". Natürlich sei auch die Planung von der Tiefgarage bis hinauf zum viergeschossigen Gebäude mit seinem Mix aus Handel und Café im Parterre sowie 47 Wohnungen in drei Obergeschossen fertig gewesen und hätte zur Genehmigung eingereicht werden können. Dass dies durch die Bodensituation samt Verkleinerung der Tiefgarage nun noch mal ins Stocken gerät, ist nach Seisslers Worten "schade, und es kostet uns Zeit und Geld".

Tatsächlich sind jetzt einige Veränderungen nötig, die sich aufs Baurechtliche und den bereits geschlossenen Vertrag mit der Stadt über gegenseitige Rechte und Pflichten beziehen. Letzteres beinhaltet vor allem die Regelung, dass Amberg für den Bau der Tiefgarageneinfahrt in der Bahnhofstraße aufkommt, die aber bisher auch die Zufahrt zu einer weiteren Garage unter dem Forum-Komplex direkt gegenüber aufnehmen sollte.

Forum-Einfahrt fällt auch weg

Jene Maßnahme wird mit den neuen Plänen fürs Ex-Kaufhaus (www.onetz.de/themen/neue-muenze) nicht mehr benötigt. Dadurch und durch die Tatsache, dass die Bürgerspital-Garage nun wesentlich kleiner wird und praktisch keine oder kaum mehr öffentliche Parkplätze erhält, stellt sich obendrein die Frage, ob die Bahnhofstraßen-Lösung dann noch sein muss oder Sinn macht. Sie war ja gerade wegen dieser Doppelfunktion, zwei Garagen zu bedienen und sowohl Quartiers- als auch öffentlichen Parkverkehr abzuwickeln, so groß geplant worden.

Zufahrt Bahnhofstraße neu prüfen

Dies ist ein Thema, über das sich die Stadt ebenso Gedanken machen muss wie ein Gutachter, der die Verkehrs- und -Lärmemissionslage nun noch mal neu beleuchten darf. Von seinem Urteil hängt maßgeblich ab, ob tatsächlich Alternativen infrage kommen, wie es sie früher mit dem Vorschlag von Einfahrt am Spitalgraben und Ausfahrt in der Ziegelgasse schon gegeben hat. Oberbürgermeister Michael Cerny will dem nicht vorgreifen und hielt sich auch mit persönlichen Einschätzungen zurück, zumal das Thema in Politik und Öffentlichkeit noch genug Staub aufwirbeln wird.

Bekanntlich haben etliche Bürger gegen den ihrer Ansicht nach "überdimensionierten" und mitten in der Bahnhofstraße "fehlplatzierten Einfahrtsschlund" massiv Front gemacht, obwohl sich der Stadtrat mit großer Mehrheit für diese Variante entschieden hatte. Bis Ende November will Ten Brinke einen gutachterlich gestützten Vorschlag unterbreiten, wie es nun weitergehen soll.

Im Blickpunkt:

Risiko, dass andere Häuser absacken

An vielen Stellen zerklüfteter Fels und dazu Grundwasserströme, die kaum stillzulegen sind – außer man würde sie so weit absenken, dass dies Setzungen an den umliegenden Gebäuden zur Folge hätte: Natürlich ist das ein Risiko, das weder Stadt noch Bauherr Ten Brinke auf dem Bürgerspitalgelände in Kauf nehmen wollen.

Daran lässt OB Michael Cerny keinen Zweifel, der damit das Ergebnis der jüngsten Bohrungen auf dem insgesamt rund 4000 Quadratmeter großen Baugrundstück „voll bestätigt“. Damit ist für ihn auch klar, dass eine zweite Tiefgaragenebene wie ursprünglich geplant „nicht gebaut werden kann“. Es müsse nach dem Bodengutachten und der entsprechenden schriftlichen Mitteilung von Ten Brinke, die dem Stadtrat heute in seiner Sitzung vorgelegt wird, bei einem Geschoss bleiben.

Heißt: Statt über 160 sind nur mehr 90 Parkflächen möglich, die zwar für den Stellplatznachweis des Bauherrn und seiner künftigen Geschäfts- und Wohnungsinhaber ausreichen, aber eben kaum mehr Spielraum für öffentliches Parken bzw. für weitere Läden in der City und ihre Kunden lassen. Mit dieser Thematik will der OB „aktiv umgehen“, auch den Gutachter zeitnah in den Bauausschuss einladen und dort seine Ergebnisse selber vorstellen lassen („Damit es nicht heißt, im Prinzip wollen die bloß nicht“). Grundsätzlich aber hätten die Stadträte seit Sommer schon gewusst, dass der Boden am Bürgerspitalgelände Probleme bereitet.

Dass es so massiv kommt, sei indes nicht absehbar gewesen, weil derselbe Sachverständige schon die Grunduntersuchung für den Neubau der Wirtschaftsschul-Aula gemacht habe, bei der sich solche Hindernisse wie jetzt nur wenige Meter entfernt nicht ansatzweise gezeigt hätten.

Hintergrund:

Durch die vielleicht neue Ein- und Ausfahrtsituation sowie die Verkleinerung der Tiefgarage wird eine Änderung des Bebauungsplans nötig. Allein das mit erneuter Beteiligung der Öffentlichkeit – abhängig von möglichen Einwendungen – kann laut OB gut sechs Monate dauern, falls nicht noch Rechtswege beschritten werden. Darüber sind Cerny und Ten Brinke schon enttäuscht, wenn sie sehen, dass es eigentlich losgehen hätte können. Mit baldigem Beginn wäre die Maßnahme mit dem fürs Frühjahr anvisierten Start der Forum-Sanierung etwa gleichaufgelegen. Die Hoffnung, dass diese Parallelität mit wenig zeitlichem Versatz noch hinzukriegen ist, will Cerny nicht aufgeben. Schließlich gehe es darum, der Altstadt zwei Großbaustellen zu ersparen, die nebeneinander abgewickelt nur die Hälfte der Zeit bräuchten.

„Was sollen wir machen?“, scheint die Geste von OB Michael Cerny (links) auszudrücken, während er mit Roland Seissler von Ten Brinke (rechts) im Rathaus die neue Situation samt Planänderung schildert.
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