30.08.2020 - 16:34 Uhr
AmbergOberpfalz

Christopher Street Day in Amberg: Kunterbunt geht's auf die Straße

Das unbeständige Wetter trübte die Aktionen des Vereins Kunterbunt am Christopher Street Day. Dennoch reisten am Samstag einige bekannte Gesichter nach Amberg, um über Gleichberechtigung aller Menschen zu sprechen.

Christopher Street Day in Amberg - wenn auch etwas anders als geplant. Wegen Corona und wegen des Wetters. Die vorab angekündigte Schilder-Aktion wurde kurzfristig abgesagt. So fanden sich nur wenige Teilnehmer und Unterstützer im Maltesergarten ein. Auch die Musik musste ausbleiben. Nach einer kurzen Absprache mit der Polizei erklärte Organisator Philipp Pietsch die Kundgebung für eröffnet. "Wir möchten uns zeigen, wie wir sind. Uns geht es um die gesellschaftliche Akzeptanz", so das Kunterbunt-Gründungsmitglied.

Das Zusammenkommen im Maltesergarten verlief eher ruhig als schrill, aber dennoch mit viel Freude, Gleichgesinnte wiederzusehen. Dann ging es in Gruppen zur Kundgebung am Marktplatz. Mit dabei: Uwe Scherzer. Er feierte im vergangenen Jahr sein 30-jähriges Dasein als Uschi Unsinn und ist ein Vorbild für Mut: "Ich ging noch auf die Straße gegen den Paragrafen 175 - wir haben bisher viel erreicht. Dennoch liegt noch Arbeit vor uns."

Erst 1994 wurde die Strafbarkeit Homosexueller aus dem Strafgesetz gestrichen. Uschis Devise: "Sichtbarkeit bringt Sicherheit." Scherzer gehört seit 1. Mai dem Stadtrat von Nürnberg an. Blicke auf Straßen stören ihn nicht mehr, aber Anfeindungen im Netz sind ein Problem für ihn. "Persönlich würden diese Menschen uns ja nie ansprechen. Da ist die Angst vor einer konstruktiven Auseinandersetzung zu groß." In seiner Rede sprach der Nürnberger auch die bisher erreichte Ehe für alle und die Reform des Transsexuellen-Gesetzes an.

Alexander Irmisch-Hergert, der Bezirksvorsitzende von SPD-Queer, erläuterte "den Wahnwitz" in Sachen Blutspende: "Schwule Männer müssen noch immer glaubhaft nachweisen, dass sie zwölf Monate keinen Sex hatten." Immer wieder lese man in den Nachrichten, dass Blutkonserven fehlen, aber auch "diese diskriminierende Regelung" würde genau dazu beitragen. Für die Blutspende seien daher dringend neue Kriterien und Verbesserungen des Verfahrens erforderlich.

Nicht akzeptabel und völlig unverständlich sei zudem die gesonderte Nennung von "transsexuellen Personen mit sexuellem Risikoverhalten" in der Richtlinie. Diese diskriminierende Formulierung müsse gestrichen werden. Nach einem Posting seiner Blutspende in den sozialen Medien musste sich der Regensburger sogar Freunden gegenüber rechtfertigen und intime Details seines Lebens preisgeben, nach denen ein Heterosexueller nie gefragt würde. Der grundsätzliche Tenor der Veranstaltung: "Wir wollen ja nicht mehr Rechte als alle anderen, sondern verfolgen nur das Ziel der Gleichberechtigung."

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