12.08.2018 - 12:52 Uhr
AmbergOberpfalz

Classic meets Electro: Biedermeier war gestern

Das hat gerade noch gefehlt. Heimlich spähen Bewohner aus den Fenstern der Altbauten, Neugierige versammelen sich zu einer Traube und Liebhaber können ihr Glück nicht fassen: Rossi macht wieder Musik – aber diesmal anders.

von Dagmar WilliamsonProfil

Wer kann schon einer kleinen Nachtmusik, der Zauberflöte oder gar dem Vogelfänger widerstehen? Nicht einmal ein selbsternannter Kulturbanause. Wenn in der Georgenstraße leise die Klänge von Streichquartett oder Piano zu hören sind, zieht es Stadtgänger und Biedermeier-Cuvées magisch in Richtung Roßmarkt. So bringt man intellektuelle Musik in viele diverse soziale Milieus, allen voran den antiken und modernen Hedonisten.

Stadteigener Kenner und Kritiker Johann Frischholz hebt voller Genuss die Nase, ein befriedigtes Lächeln huscht über sein Gesicht und seine Umgebung wirkt wie ausgeblendet. Das ist der Beweis für ausgezeichnete Klassik am Nachmittag. Anna Godelmann und Anna-Sophia Kraus (Violine), Vera Dörfler (Bratsche), Christoph Pickelmann (Cello) und Johannes Pickelmann (Piano): Fünf Menschen und fünf Instrumente. Und das wiederum genügt, um Interpreten und Publikum herauszufordern, zu begeistern und zu verzaubern. So auch geschehen am Roßmarkt. Aus einer Biergarten-Idee entstand eine stilvolle Veranstaltung namens Classic meets Electro mit Überraschungen in petto. Nadja Renner entpuppt sich hierbei nicht nur als elegante Gastgeberin und Rednerin. Sie verleiht dem Experiment am Abend, klassische und elektronische Musik zu vereinen, gesanglich die Endpolitur.

„Es ist organisierte Improvisation“, sagt Gina Renner, Geschäftsführerin vom Café Rossi und Mitorganisatorin. Da die ehemaligen Max-Reger-Gymnasiasten sowie Timo Mitsch alias DJ Vars weit entfernt voneinander wohnen, hatten die Musiker nur zwei Tage Zeit, etwaige Stücke in Verbindung mit Electro einzustudieren. Der DJ gibt auf der Bühne den Takt vor, die anderen folgen dem Rhythmus. Ähnlich dem Jazz, nur eben mit digitaler Unterstützung. Dass sie dabei zum ersten Mal in dieser Formation gemeinsam auf der Bühne stehen, ist weder für Puristen der musikalischen Stilreinheit noch für Liebhaber der Genre übergreifenden Mischung erkennbar.

Das hat Amberg gerade noch gefehlt. Im ehrlichen Sinne: Der Tenor der Besucher ist eindeutig - überaus positiv überrascht und begeistert. Dafür ist aber nicht nur das Altstadt-Ambiente oder das geschmackvolle und einladende Mobiliar im Außenbereich verantwortlich. Der Erlös von Classic meets Electro wird an das Kinderpalliativteam Amberg und den Michael-Mathias-Prechtl-Förderverein gespendet. Bereits im Vorfeld verkauften die Initiatoren Jute-Beutel. Das gesamte Konzept fand auch schnell Begeisterung in stadteigenen Kreisen und so bekam Classic meets Electro Unterstützung vom Stadtmarketing und Kulturreferat sowie Sponsoren und Hilfe durch Eigenleistung. Die große Anzahl von Freiluft-Liebhabern bestätigt den Erfolg der Macher und schreit förmlich nach einer Wiederholung im nächsten Jahr.

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