08.06.2018 - 20:24 Uhr
AmbergOberpfalz

Denkmalnetz hat Bauchweh

"So nicht!" Meike Gerchow vom Denkmalnetz Bayern würde sich wünschen, dass die gegenwärtigen Pläne für Bürgerspitalgelände und Forum noch einmal auf den Prüfstand gestellt werden. Das, was sie am Freitag bei einem Ortstermin darüber hört, gefällt ihr gar nicht.

Die künftige Nutzung des Ex-Kaufhauses Forum (im Hintergrund) sollte den Erhalt seiner Fassade möglich machen: Das fordern das Denkmalnetz Bayern mit seiner Sprecherin Meike Gerchow (Zweite von rechts), Forum-Regensburg-Gründer Helmut Wilhelm (Fünfter von rechts) und die IG Menschengerechte Stadt mit ihrem Vorsitzenden Achim Hüttner (links). Ganz rechts OB Michael Cerny.

Amberg. (ath) "Mir erscheint das noch nicht zu Ende gedacht", sagt die Sprecherin des bayerischen Zusammenschlusses von Bürgerinitiativen, Vereinen, Organisation und Einzelpersonen zur Förderung des Denkmalschutzes zum Beispiel zum Forum. Dessen Fassade am größeren Haus Nummer 12 sowohl zur Bahnhofstraße als auch zum Innenhof hin würde sie am liebsten erhalten sehen. "Klar, es hängt von der Nutzung ab, aber man sollte es erst mal mit dem probieren, was da ist", riet die Architektin zum "Erhalt historischer Stadtbilder". Dafür setzt sich das Denkmalnetz gemäß seinem Motto ein und will mit seinen Besuchen und Meinungen entsprechende Initiativen vor Ort unterstützen.
Tatsächlich war es die Interessengemeinschaft Menschengerechte Stadt mit ihrem Vorsitzenden Achim Hüttner, die zusammen mit Grünen-Stadtrat Helmut Wilhelm - er ist Gründer des thematisch verwandten Forums Regensburg - den Ortstermin veranlasst hatte. Wobei es erst mal so war, dass sich die aus verschiedenen Teilen Bayerns angereisten Mitglieder über den aktuellen Stand informieren ließen, den neben Wilhelm auch Oberbürgermeister Michael Cerny vermittelte. Er hatte zur Forum-Fassaden-Frage mitgeteilt, dass sich Mathias Pfeil, der Chef des Landesamts für Denkmalpflege, vor Ort einen Eindruck von der Gesamtthematik verschafft hat und dabei "sehr pragmatisch wirkte". "Er ist ein Mensch, mit dem man gut über Lösungen sprechen kann", schilderte Cerny und ergänzte, auch der Generalkonservator habe gesagt, dass erst die Nutzung des Gebäudes klar sein müsse, bevor man sich über weitere Details unterhalten könne.
Wie erst vergangenen Montag berichtet, steht die Gewerbebau als Gebäudeeigentümer mit einem potenziellen Ankermieter für die Einzelhandelsflächen in Kontakt, den die Immobilie zur Entwicklung dringend brauche. Wenn hier mehr Klarheit herrscht, sollen die Gespräche mit dem Landesamt für Denkmalpflege weitergehen. "Eine Tektur steht im Raum, aber das hängt von der Nutzung ab", fasste der OB die gegenwärtige Situation zusammen.
Aber auch die angestrebte Lösung am Bürgerspitalgelände mit dem Investor Ten Brinke bzw. seinem "Neubau-Klotz" samt Nahversorger, Fachmarkt und Café plus Tiefgarage mit Einfahrt in der Bahnhofstraße behagte Meike Gerchow nicht. "Für mich ist das ein Großinvestor, bei dem nur die Rendite im Vordergrund steht", sagte die Netzwerk-Sprecherin. "Damit soll er dorthin gehen, wo das einfacher geht, aber nicht in die historische Innenstadt."
Dass es nicht ganz so einfach ist, stellte Michael Cerny in der engagiert geführten Diskussion, auch mit Bürgerbeteiligung, immer wieder dar. Er wies auf Entscheidungen des Stadtrats und den mehrheitlichen politischen Willen hin, an dieser Stelle der Altstadt wieder für Belebung zu sorgen, vor allem nach dem fast 15-jährigen Forum-Leerstand. Außerdem habe der Realisierungswettbewerb dem Gewinner auch das Recht verschafft, zu bauen, für den das Ganze obendrein auch noch wirtschaftlich rentabel bleiben müsse. Achim Hüttner plädierte dennoch dafür, neue Argumente und Bürgermeinungen nicht vom Tisch zu wischen. Mit Blick auf die erfolgreiche Verhinderung einer Hochgarage im Maltesergarten in den 1980er-Jahren kündigte er an: "Hier probieren wir es auch."

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.