15.03.2019 - 12:36 Uhr
AmbergOberpfalz

Diagnose bequem per Videosprechstunde

Amberger Allgemeinärztin Natalie Stauber bietet Videosprechstunde mit Unterstützung einer Fachkraft an

Videosprechstunde
von Cindy MichelProfil

Der Kopf dröhnt und der schwindel hält einen davon ab, selbst ins Auto zu steigen, um zum Arzt zu fahren. Wenn es sich um keinen akuten Notfall handelt, muss der Kranke eben warten bis der Mediziner einen Hausbesuch einplanen kann. In Amberg und Umgebung gibt es eine Alternative: Allgemeinärztin Natalie Stauber bietet eine Online-Videosprechstunde mit der Unterstützung einer medizinischen Fachkraft an.

„Die Online-Videosprechstunde birgt große Chancen für alle“, sagt die Amberger Allgemeinmedizinerin Natalie Stauber. Seit Sommer vergangenen Jahres bietet sie ihren Patienten diesen datengeschützten digitalen Videochat an. Kranke, die keine Möglichkeit haben selbst in die Praxis nach Amberg zu kommen, bestellen telefonisch eine Videosprechstunde.

Sobald diese Anfrage eingegangen ist, packt die zertifizierte nichtärztliche-Praxisassistentin (NäPa) Michaela Müller den sogenannten Notfallrucksack und fährt zum Patienten. Denn die Zertifizierung zur NäPa befähigt sie, selbstständig Hausbesuche inklusive Routineuntersuchungen wie Blutentnahmen sowie Quick-Wert-Bestimmungen durchzuführen, „bei denen der direkte Arztkontakt nicht medizinisch notwendig ist“, so die Landesärztekammer. In dem großen schwarzen Kofferrucksack befinden sich neben medizinischen Instrumenten wie Blutdruck- oder Blutzuckermessgerät auch ein Tablet-Computer mit Mikrofon und Lautsprecher – denn den braucht die NäPa, um den digitalen Kontakt zwischen Ärztin und Patienten überhaupt erst aufzubauen.

Notfallrucksack

Bevor allerdings die Ärztin aus ihrer Praxis über den kleinen Computer zugeschalten wird, führt Michaela Müller erste Routineuntersuchungen durch und übermittelt diese aktuellen Daten sofort an Natalie Stauber. Die Ärztin kann sich so bereits vor dem Videoanruf ein erstes Bild von dem Gesundheitszustand des Patienten machen.

Das Prozedere der Online-Videosprechstunde kann man sich wie einen Skype-Anruf vorstellen: Die NäPa kontaktiert gemeinsam mit dem Patienten die Ärztin via Videoanruf. So kann nicht nur der Mediziner den Patienten sehen, sondern auch der Patient die Ärztin. „Das ist nicht wichtig für mich und meine Diagnose, aber für die Patienten, denn so wird über die Distanz Nähe und Vertrauen aufgebaut“, erklärt Stauber.

Patient muss bekannt sein

Diese Kassenleistung, die vor allem als Ergänzung zum Praxisbesuch gedacht ist, darf aber nicht von jedem abgerufen werden: Wichtig ist, dass der betreuende Arzt den Patienten bereits einmal untersucht hat. „Ich kann keine Telesprechstunde abhalten, wenn mir die Person nicht bekannt ist“, bestätigt Stauber. Ein großer Vorteil einer Videosprechstunde gegenüber eines Telefonats sei, dass sie als betreuende Ärztin, bestimmte Symptome und Krankheitsbilder direkt sehen könne. Geschwollene Augen oder auch einen Ausschlag müsse man einfach in Augenschein nehmen, so Stauber. „Noch dazu ist meine NäPa Michaela Müller vor Ort und hat so einen direkten Blick auf den Patienten, da kann sie ergänzend noch vieles beschreiben“, erläutert Stauber die Vorteile des Services mit einer ausgebildeten NäPa.

Anspruchsvolle Ausbildung

Knapp ein Jahr absolvierte die gelernte Arzthelferin Michaela Müller die anspruchsvolle und zeitintensive Fortbildung zur NäPa. Dafür besuchte sie eine Blockschule, begleitete Natalie Stauber bei Hausbesuchen, hospitierte in anderen medizinischen Bereichen wie einer Apotheke sowie einer Intensivpflegestation, verfasste eine Abschlussarbeit und wurde geprüft von der kassenärztlichen Vereinigung in München.

„Dass die Ausbildung so aufwändig sein würde, hätte ich nicht gedacht, der Unterricht und der Lernstoff gehen doch sehr ins Detail“, sagt Michaela Müller. „Aber je mehr ich gelernt habe, desto mehr wollte ich wissen.“

Internet auf dem Land

Michaela Müller ist fast jeden Tag mit dem Telerucksack in Amberg und im Landkreis unterwegs, betreut neben Notfallpatienten vor allem immobile Stammpatienten. „Gerade diese oftmals älteren Patienten nehmen die Videosprechstunde sehr gut an“, berichtet Müller. „So haben sie die Möglichkeit bei jedem meiner Hausbesuche auch die Ärztin wieder einmal persönlich zu sprechen und Fragen zu stellen“, erläutert die NäPa, die täglich zwischen fünf und 15 Personen in einem Umkreis von etwa 35 Kilometern betreut. Für den datengeschützten Videodienst benötigt die medizinische Fachkraft vor allem eines, und zwar das Internet. Doch wie flächendeckend ist das Angebot wirklich auf dem Land? „Bisher gab es mit der Verbindung tatsächlich nur einmal ein Problem“, sagt Stauber. Und auch dieses kurzzeitige Funkloch sei mittlerweile gestopft.

Text: Cindy Michel

Info:

Nicht ohne Datenschutz

Im Rahmen des e-Health-Gesetzes wurde die Videosprechstunde ab 1. April 2017 zur Kassenleistung in der gesetzlichen Krankenversicherung. Da die Gespräche über das internet stattfinden, ist Datenschutz immens wichtig. Daher haben die Kassenärztliche Bundesvereinigung und der spitzenverband Bund der Krankenkassen bestimmte technische Voraussetzungen festgelegt. Hier ein Auszug:

» Die Videosprechstunde erfolgt über eine Peer-to-Peer-Verbindung ohne nutzung eines zentralen Servers.

» Ende-zu-Ende-Verschlüsselung muss gewährleistet sein.

» Sämtliche Inhalte der Videosprechstunde dürfen durch den Videodienstanbieter weder eingesehen noch gespeichert werden.

» Videodienstanbieter dürfen nur Server in der EU nutzen.

» Alle Metadaten müssen nach spätestens drei Monaten gelöscht werden.

» Die Weitergabe der Daten ist untersagt.

» Der Videodienst muss Nachweise/Zertifikate über Datenschutz, Informationssicherheit und Inhalt führen.

Quelle: kvb.de

kvb.de

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