08.03.2020 - 19:03 Uhr
AmbergOberpfalz

Dokumentarfilm-Festival Amberg: Zuversichtlich trotz leerer Kinoreihen

Das erste Dokumentarfilm-Festival bietet eigentlich alles: Einen Klassiker, aktuelle Dokus. Regisseurin Julia Horn reist eigens aus Köln an. Die Gäste bleiben dennoch aus. Kinobetreiber Andres Wörz will das Format dennoch nicht aufgeben.

Sicher hätten sich (von links) Kinobetreiber Andreas Wörz, Moderator Simon Hauck, Regisseurin Julia Horn, Oberbürgermeister Michael Cerny und Thomas Binder, Vorsitzender des veranstaltenden Kulturvereins Amberg mehr Zuschauer beim ersten Dokumentarfilm-Festival gewünscht.
von Christopher Dotzler Kontakt Profil

Nach neun der elf Filme, die am Wochenende beim ersten Dokumentarfilm-Festival über die Leinwand flimmern, zieht Kinobetreiber Andreas Wörz ein ernüchterndes Fazit: Nur 115 Gäste sind gekommen. Dabei haben sich die Verantwortlichen erhofft, mit dieser Veranstaltung erneut viele Besucher ins Ring-Theater zu bringen, nachdem die Französische Filmnacht und der Afrikanische Kinoabend sich so großer Nachfrage erfreuten und in den vergangenen Wochen für ein ausverkauftes Haus sorgten. Zudem beweist das "DOK.fest" in München, das im vergangenen Jahr mit über 50 000 Besuchern einen neuen Publikumsrekord verzeichnete, wie gut so ein Festival funktionieren könnte. Sicher kein Großstadtphänomen. Das "Zwickl" in Schwandorf lockt seit Jahren die Cineasten und Filminteressierten an.

"Am liebsten mitgejubelt"

Am Programm sollte die geringe Resonanz nicht gelegen haben. Die Filme reichten vom Klassiker "Berlin: Die Sinfonie der Großstadt", der die Hauptstadt im Jahr 1927 zeigt, über "Weil du nur einmal lebst - die Toten Hosen auf Tour" bis hin zum mit dem Oscar ausgezeichneten "Free Solo". Über die Originalaufnahmen von "Apollo 11", die vom Flug zum Mond erzählen, schwärmt Kinobetreiber Wörz noch im Nachgang. Als Szenen von der Freude über die geglückte Mission gezeigt wurden, hätte er "am liebsten mitgejubelt".

Mit Julia Horn konnten die Verantwortlichen sogar eine Regisseurin gewinnen. Sie reiste aus Köln an, um mit ihrem Film "Bruderliebe" das Festival zu eröffnen - leider nur vor einem Dutzend Zuschauer. Dabei erzählt der Film von einem Mann mit einer "ganz großen Visionskraft" (Horn): Michael Becker. Nachdem der Bruder Markus nach einem Unfall von den Ärzten aufgegeben worden ist und ins Koma fällt, kämpft Michael mit allen Mitteln darum, ihn ins Leben zurückzuholen. Horn begleitete die Geschwister über einen Zeitraum von zehn Jahren. "Sein Ideenreichtum hat mich fasziniert", sagte die Regisseurin, die auch Beiträge für die WDR-Sendung "Menschen hautnah" dreht, im Ring-Theater über Michael Becker.

Trotz allem: Wiederholung geplant

Mit dem Filmjournalisten Simon Hauck und "Zwickl"-Initiatorin Anne Schleicher führen sogar zwei Moderatoren durch das Festival. Ob der ausbleibende Besucherandrang am aktuell alles dominierenden Thema Coronavirus lag, bleibt Spekulation. Sicher ist nach Wörz' Worten: "Aller Anfang ist schwer." Aufstecken möchte der Kinobetreiber in jedem Fall nicht. Zwar findet er es "sehr, sehr schade", dass die Veranstaltung nicht mehr Anklang fand. Immerhin sei die Veranstaltung dank der Sponsoren, zu der unter anderem das Kulturreferat der Stadt zählt, null auf null ausgegangen. Außerdem kündigte Wörz an: "Ich gehe davon aus, dass das Dokumentarfilm-Festival in Amberg wieder stattfindet."

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