22.08.2019 - 17:44 Uhr
AmbergOberpfalz

Dorfkerne brauchen Leben

Der Prozess ist schleichend, aber er schreitet voran. Dorfkerne veröden. Die AOVE-Kommunen wollen gegensteuern.

Dr. Sabine Hafner, KlimaKom eG (stehend) zeigte den Räten der AOVE-Kommunen die Entwicklungspotenziale im Bereich Leerstand auf.
von Autor WWLProfil

"Interkommunale Sitzungen der Gemeinderäte in den AOVE-Kommunen sind nicht an der Tagesordnung, spielen aber eine große Rolle, wenn es um zukunftsweisende Themen geht", betonte als AOVE-Sprecher Bürgermeister Bernhard Lindner im voll besetzten Saal des Gasthauses Kopf in Altmannshof. Das Thema brennt inzwischen nahezu allen dörflichen Gemeinde auf den Nägeln: "Innen vor Außen - Umsetzung einer flächensparenden Siedlungsentwicklung in den AOVE-Kommunen".

Trotz Urlaubszeit saßen alle Bürgermeister der Mitgliedsgemeinden und viele Gemeinderäte im Auditorium. Wie hoch das Thema inzwischen angesiedelt ist, unterstrich zudem die Teilnahme von Thomas Gollwitzer, dem Leiter des Amtes für Ländliche Entwicklung (ALE) Oberpfalz. Als Referentin trat Sabine Hafner von der Kommunalberatungs-Genossenschaft KlimaKom auf. Sie stellte das Verfahren und zusammengefasste Ergebnisse eines sogenannten Vitalitäts-Checks (VC) in den AOVE-Kommunen vor.

Dabei geht es um eine Untersuchung in den Bereichen Demografie, Flächenmanagement, Siedlungsentwicklung, Versorgung und Erreichbarkeit sowie Wirtschaft und Soziales in den jeweiligen Orten. Die Ergebnisse sollen aufzeigen, wie eine Kommune dasteht, um beispielsweise einer alternden und schrumpfenden Bevölkerung, einem hohen Flächenverbrauch und wesentlichen Veränderungen in der Agrar- und Wirtschaftsstruktur begegnen zu können. Der sogenannten Innenentwicklung in Dörfern komme dabei eine große Bedeutung zu.

Leerstände als Chance

Großes Entwicklungspotenzial sieht Hafner beispielsweise in den erfassten Leerständen. Die Anzahl schwanke je nach Kommune sehr deutlich zwischen knapp 80 und fast 290 Objekten. "Es handelt sich um Baulücken, geringfügig bebaute Grundstücke, leerstehende Wohngebäude, Gewerbebrachen, leerstehende Hofstellen und solche mit Restnutzung oder ohne Hofnachfolger, sowie leerstehende Infrastruktureinrichtungen", verdeutlichte die Referentin.

Stelle man rechnerisch diese Leerstände dem prognostizierten Bedarf an Wohnraum und -fläche gegenüber, so werde deutlich, dass die vorhandenen Potenziale mittelfristig mehr als ausreichend seien. Totschlagargumente einer Entwicklung solcher Liegenschaften wie "Die verkaufen ja sowieso nicht" oder "Wer will denn so eine alte Bude?" lässt Hafner nicht gelten. Erfahrungen aus anderen Regionen, die schon jahrelang mit einem Leerstandsmanagement gegensteuerte, könnten den Gegenbeweis antreten.

Als Beispiel nannte die Referentin das Obere Werntal in Unterfranken. "Seit 2008 konnten dort in den zehn Kommunen mit Unterstützung eines Innenentwicklungsmanagers durchschnittlich 34 Prozent der Leerstände reaktiviert werden." Damit erschließe sich ein großes Einsparpotenzial der Kommunen, da keine völlig neuen Straßen, Kanäle oder Leitungen gebaut werden müssten. Eine derart "restriktive Siedlungspolitik" habe zudem keinen Verlust an Einwohnern nach sich gezogen. "Das Neubauvolumen entsprach exakt dem Landkreisdurchschnitt", betonte sie.

Entscheidung im Herbst

Nicht zuletzt vor dem Hintergrund solcher Ergebnisse plädierte als Sprecher der AOVE-Kommunen Lindner dafür, die VC-Ergebnisse nicht in der Schublade verschwinden zu lassen, sondern damit zu arbeiten. "In der Runde der Bürgermeister haben wir die Handlungsempfehlungen von KlimaKom diskutiert", betonte er. Unter dem Strich sei dabei herausgekommen, den Aufbau eines Innenentwicklungs-Managements seitens der AOVE zu empfehlen. Die nötigen politischen Entscheidungen dazu sollen im Herbst fallen.

Interessiert lauschten die Räte der AOVE-Kommunen den Ausführungen zum Thema Innenentwicklung.
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