18.10.2020 - 16:35 Uhr
AmbergOberpfalz

Dr. Helmut Wolf verstorben: Das Erbe der Bergbautradition erhalten

"Nun müssen wir auf seinen skeptisch-freundlichen Blick und sein feines Lächeln verzichten", sagt Peter Wolf nach dem Tod seines Vaters Dr. Helmut Wolf. Der frühere Leiter des Bergbaumuseums in Theuern verstarb am 9. Oktober in Regensburg.

Dr. Helmut Wolf †
von Kristina Sandig Kontakt Profil

Helmut Wolf wurde am 21. Juni 1937 in Troppau (Mährisch-Schlesien, Tschechoslowakei) geboren, sein Vater war Ingenieur und einer der ersten Radiopioniere in der Tschechoslowakei. 1946 wurde die Familie aus ihrer Heimat vertrieben und kam nach Metten bei Deggendorf. Dort lernte Helmut auch seine spätere Frau Karin kennen, die selbst als Kind mit ihrer Familie aus Schlesien geflüchtet war – Schicksale der Nachkriegszeit.

Studium der Geologie

Nach dem Abitur, das er 1957 in Deggendorf machte, könnte Wolf nach Aussage seines Sohnes Peter seine Begeisterung für Natur, Berge und Bergsteigen mit dem Studium der Geologie in München verbinden. Das Studium schloss er als Diplom-Geologe ab, die Promotion folgte 1966.

Als wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Staatlichen Forschungsinstitut für angewandte Mineralogie in Regensburg lernte Helmut Wolf viele Lagerstätten und Bergbaubetriebe in der Oberpfalz kennen – die Verbindung von Mineralogie und Geschichte des Bergbaus in Ostbayern sollte ihn sein Leben lang nicht mehr loslassen. 1971 setzte er den ersten Geologischen Lehrpfad Bayerns in Tännesberg (Landkreis Neustadt/WN) um, der bis heute zu den naturgeschichtlichen Attraktionen der Oberpfalz zählt. In die gleiche Zeit, als absehbar war, dass die Jahrhunderte alte und reiche Bergbautradition in der Region allmählich zu Ende ging, fielen die ersten Konzepte zur Errichtung eines Bergbau- und Industriemuseums für Ostbayern. Helmut Wolf war der Überzeugung, es sollte einen festen Ort für die Erinnerung an die Bergbau- und Industriegeschichte geben.

Kulturelles Zentrum

Dieser Ort war das Hammerherrenschloss in Theuern. 1978 wurde das überregionale Schwerpunktmuseum eröffnet, Wolf wurde Gründungsdirektor und leitete es als Beamter der Kulturabteilung des Bezirks Oberpfalz, abgeordnet an den Landkreis Amberg-Sulzbach. Weiterhin war er als Dozent an der Uni Regensburg tätig.

Helmut Wolf schuf in Theuern ein kulturelles Zentrum. In einer Vielzahl von Veranstaltungen verbanden sich Wissenschaft und Technikgeschichte mit bildender Kunst und Musik – „innovativ und selten auf ausgetretenen Pfaden“, sagt Wolfs Sohn Peter Wolf schuf in Theuern eine Plattform für unterschiedliche Menschen und Strömungen: Ingenieure von Bergbaubetrieben, Studioglaskünstler, Maler, Musiker und Technikhistoriker.

Mit dem Verein der Freunde und Förderer des Bergbau- und Industriemuseums Ostbayern, dessen Vorsitzender er bis 2019 war, ermöglichte er eine Vielfalt von Aktionen und Publikationen – von industriearchäologischen Ausgrabungen über Lehrpfade, Kartierungen, zahllose Sonderausstellungen, Seminare, die Ostbayerischen Kulturtage, Konzerte, Feste und Kulinarik – bis hin zum alljährlichen Weihnachtsmarkt im Schlossinnenhof.

Auch nach seiner Pensionierung im Jahr 2003 blieb Wolf als Organisator von Symposien und Exkursionen, als Autor und Mitglied vieler Gremien aktiv. Mit seiner Frau hatte er immer schon weite Reisen durch ganz Europa unternommen und dabei mit dem Wohnmobil Norwegen oder Schottland ebenso erkundet wie die Türkei, Spanien, die Provence, Böhmen und das Weinviertel in Österreich.

Tiefer Einschnitt

Er freute sich, dass sein Sohn Peter als Referatsleiter im Haus der Bayerischen Geschichte und Kurator mehrerer Bayerischer Landesausstellungen teilweise in seine beruflichen Fußstapfen trat. Der Tod seiner Ehefrau Karin vor neun Jahren war für Wolf ein tiefer Einschnitt, hinterließ eine nicht zu schließende Lücke.

Trotzdem nahm er weiterhin unermüdlich am Kulturleben der Oberpfalz teil und blieb auch mit 83 Jahren interessiert, mobil und stets „tätig“ – eines seiner Lieblingsworte. „Sein Tod kam still, rasch und unerwartet“, sagt sein Sohn Peter.

Als 1989 der Eiserne Vorhang fiel, suchte Dr. Helmut Wolf, Initiator, Gründer und langjähriger Leiter des Ostbayerischen Bergbau- und Industriemuseums in Theuern, der 83-jährig in Regensburg gestorben ist, sofort den Kontakt zu Kollegen und Gleichgesinnten in Tschechien.

Laut seinem Sohn Peter Wolf machte er damit die verschüttete Liebe zu Land und Leuten – und Musik – in Böhmen und Mähren fruchtbar und knüpfte zahlreiche freundschaftliche Bande zu verschiedenen Bergbaumuseen, Bergakademien und Montanbetrieben in der tschechischen Republik, ob nach Falkenau/Sokolov, Príbram, Prag oder Ostrau/Ostrava – also der Heimat seiner Kindheit. Erfolgreiche deutsch-tschechische Ausstellungen wie „Gold im Herzen Europas“ (1996) oder die Bayerisch-böhmischen Kolloquien ließen das Museum in Theuern zu einem wichtigen grenzüberschreitenden „Player“ werden.

Helmut Wolf hat viele Auszeichnungen bekommen: das Bundesverdienstkreuz am Bande (2003), den Nordgaupreis des Oberpfälzer Kulturbunds für grenzüberschreitende Heimatpflege (2000), die Aventinus-Medaille des Verbandes bayerischer Geschichtsvereine (1995). Besonders freute er sich über Ehrungen in Tschechien, darunter auch die höchste Auszeichnung, die im tschechischen Bergbau verliehen wird: die Agricola-Medaille, die Helmut Wolf 2010 im Oberbergamt in Prag erhielt.

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Trauerfeier:

Urnenbeisetzung in Regensburg

Die Trauerfeier für Dr. Helmut Wolf mit anschließender Urnenbeisetzung beginnt am Freitag, 23. Oktober, um 13.30 Uhr in der Aussegnungshalle des Dreifaltigkeitsfriedhofs in Regensburg.

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