19.07.2018 - 13:43 Uhr
AmbergOberpfalz

Der Dreggsagg und die Drecks-App

Wenn Michl Müller zum Finale das Medley seiner bekanntesten Lieder anstimmt, dann hält es im ACC keinen der Besucher mehr auf den Sitzen. Die Gäste stehen und toben, wenn es um die Ingwer-Reibe oder der Fachverkäuferin geht.

Michl Müller.

(gfr) War der ehemalige Werkzeugmacher Michl Müller aus der Rhön vor 20 Jahren noch froh, wenn ihm ein mittelmäßig gefülltes Wirtshaus zuhörte, so hat sich das durch die "Fastnacht in Franken" in Veitshöchheim schlagartig geändert.

"Der fränkische Dreggsagg", wie er sich selbst nennt, füllte kürzlich das ACC, wo er zu Fanfarenklängen auf die Bühne stolzierte und verkündete, dass es mit Deutschland wieder aufwärts gehe. Damit meinte er weniger die Fußballer, aber Wimbledonsiegerin Angelique Kerber habe es geschafft. Auch Nivea atme auf, denn Jogi Löw bleibe als Werbeträger erhalten. Die Kanzlerin sitze fest im Sattel, aber der alternde Großvater Horst Seehofer solle sich doch bald nach einem Heimplatz umsehen.

Und was habe die Bremer Einwanderungsbehörde da nicht alles reingelassen? Alles, was nicht schnell genug auf den Bäumen war. Und wie schaue es bei der Bundeswehr aus? Da klappe gar nichts mehr. Ihm seien Soldaten untergekommen, die Altkleider-Container plünderten, um was Ordentliches zum Anziehen zu finden. Sie würden von Haus zu Haus ziehen und ihr kleines Sprüchlein aufsagen: "Vor Not und Elend steh' ich hier, ich bin ein Panzergrenadier." Große Not müsse auch in Bayern herrschen, denn da sei sogar ein Franke Ministerpräsident geworden. Plötzlich entdeckte Müller in der vorderen Reihe einen Sulzbach-Rosenberger namens Bäff. Der muss fast volle drei Stunden herhalten, wenn es um einen Kalauer geht. Für alle, die dumm geboren seien und nichts dazu gelernt hätten, gebe es heute eine "App für jeden Dreck". Bedenklich sei die zunehmende Zahl der Männer, die Rosamunde Pilcher lesen, Helene Fischer hören und Till Schweiger mögen. Dann laberte da ein Sachse dazwischen. Als Michl Müller das Tuch wegzog, war der Schädel von William Shakespeare zu sehen. Der Erfinder von Romeo und Julia. In Müllers Story wäre das anders: Romeo hieße Hassan und fahre einen BMW der 3er-Reihe. Julia hieße auch bei ihm Julia, sei aber "eine Bitch". Der Michl Müller dachte auch ans Sterben und die schönen Trauerreden, die oft gehalten werden, daher sei er auch Mitglied in mehr als 80 Vereinen. Auf seinem Grab werde es keine Blumen, nur Pflaster geben, weil sich eh keiner darum kümmere, außer der Bäff habe Zeit.

Die SPD verglich Müller mit Eierlikör, aber der habe mehr Prozente. Komplett verrückt sei die Welt - und in die passe der notgeile Trump mit dem toten Fiffi auf dem Kopf. Absolute Erotikkiller seien die Rauchmelder, wenn die kurz vorm Höhepunkt auslösen. Über Gesichtsoperationen und Fettabsaugen kann sich der Michl Müller auch aufregen. Costa Cordalis habe sich Fett vom Allerwertesten ins Gesicht einspritzen lassen - und so sehe er nun auch aus.

Bauchstraffen sei für Männer einfach, drei Weißbier und eine Portion Kraut reichten aus. E-Zigaretten verglich der Franke mit einer brennenden Blockflöte. Wer den grünen Smoothy erfunden hat? Ein fränkischer Gemüseanbauer, dem die komplette Ernte verfault sei. Dann habe er einfach alles püriert und in Flaschen abgefüllt. "Wenn Frauen schnarchen, roden die fast 200 Hektar Regenwald." Dann müsse man aber nur Krombacher saufen, um wieder aufzuforsten. Wer sich die Dienste eines Hochzeitsplaners sichert, werde diesen Tag nie vergessen. Denn die Raten für den Kredit verfolgten einen ein Leben lang.

Das Finale war grandios, das ACC tobte bei der Ingwer-Reibe, dem Heringsdösle, "Sechs ist nicht alles" oder dem beliebten Ohrwurm von der Fleischerei-Fachverkäuferin.

Michl Müller.

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