21.03.2019 - 18:43 Uhr
AmbergOberpfalz

Drei weiße Ratten als Müll entsorgt

Es ist eine besonders perfide Art, Haustiere zu entsorgen, die man nicht mehr mag: Ein Unbekannter hat drei Ratten in die Papiertonne des Geschäfts "Nanu Nana" in der Bahnhofstraße geworfen.

Eine der drei Ratten, die ihrer Entsorgung über den Müll glücklich entkommen sind und nun im Amberger Tierheim die Aufmerksamkeit der Mitarbeiter genießen.
von Markus Müller Kontakt Profil

Sie befanden sich in einem zugeklebten Schuhkarton. Die Tiere fraßen sich jedoch durch die Wand ihres Gefängnisses und fielen so einer Nanu-Nana-Mitarbeiterin auf, die am Dienstag gegen 10 Uhr Kartonagen entsorgte. "Da hat mich plötzlich eine weiße Ratte angeschaut", berichtete Iris Bauer der Amberger Zeitung von ihrer Entdeckung. Sie und ihre Kolleginnen konnten eines der drei Tiere fangen, indem sie es mit Futter anlockten. "Sie waren ängstlich, aber nicht scheu."

Die anderen beiden Albino-Ratten wurden durch herbeigerufene Mitarbeiterinnen des Tierheims aus der Tonne befreit. Sie stellten fest, dass es sich noch um jüngere Tiere handelt. Insofern liegt die Vermutung nahe, dass hier jemand ungewollt Ratten-Nachwuchs bekam, dessen er nach einiger Zeit überdrüssig wurde. Ungewöhnlich ist freilich die Art der "Entsorgung": am Abfuhrtag der Papiertonne in den Behälter werfen, der in einem Hinterhof steht, um so das "Problem" auf radikale Art zu lösen. Jetzt bewohnen die Ratten - eine weibliche und zwei männliche - Käfige im Tierheim. Anzeichen, dass sie krank sind, kann man äußerlich nicht feststellen. "Wir checken jetzt den Kot", beschrieb Mitarbeiterin Melanie König das weitere Vorgehen. Dass es Haustiere sind, steht für sie außer Zweifel: "Sie sind an die Hand gewöhnt und nicht schreckhaft."

Eine ähnlich unfeine Art, Tiere auszusetzen, ist ihr vor einigen Wochen untergekommen: "Da stand vor dem Edeka ein Marmeladenglas mit einer kleinen weißen Maus drin."

Wenn so etwas der Polizei gemeldet wird, verfolgt sie es als Verstoß gegen das Tierschutzgesetz, sagte Erster Polizeihauptkommissar Hans-Peter Klinger auf AZ-Nachfrage. "Tierschutz hat Verfassungsrang. Da sind wir schon sensibel."

Falls derjenige bekannt wird, der die Ratten ausgesetzt hat, kann auch die Stadt Amberg als Verantwortliche für die Müllabfuhr tätig werden. Laut Pressesprecherin Susanne Schwab ist es eine Ordnungswidrigkeit, die mit einer Geldbuße bis zu 25 000 Euro belegt werden kann, wenn den Tieren auf diese Art ein erheblicher Schaden oder grundlos Schmerzen zugefügt werden. "Bei einer nachgewiesenen Tötungsabsicht ist es sogar ein Straftatbestand."

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