Niemand kennt Josef Triller besser als seine Frau Edeltraud. "Nein, aufgeregt war er nicht", sagte die Gattin, als der damalige Bürgermeister im Oktober 2004 bei einem großen Festakt im Rathaus seinen 70. Geburtstag feierte. Aufgeregt ist der gebürtige Landshuter, der seit 65 Jahren in Amberg lebt, auch heute an seinem 85. Geburtstag nicht, denn einen großen Empfang wird es nicht geben: "Aus dem politischen Tagesgeschäft habe ich mich komplett zurückgezogen."
Eines aber hat sich nicht geändert: Josef Triller ist nach wie vor bescheiden, dankbar, humorvoll und mit einer gehörigen Portion Selbstironie ausgestattet. So, wie ihn die Amberger kennen. Zum Beispiel, wenn er jetzt am Computer Schach spielt und zugibt, nicht jedes Mal zu gewinnen.
Gerne erzählt Triller auch immer noch von dem Tag, an dem er als Zehnjähriger in seiner niederbayerischen Heimat während eines Fliegeralarms nicht wie vorgeschrieben den Schutzkeller der Schule aufsuchte, sondern sich lieber mit einem Freund in den Büschen einer Isar-Mulde versteckte: "Wir fanden das faszinierend, wie der Bomber-Pulk über uns hinweggeflogen ist. Wir haben aber auch unterschätzt, welche Gefahr für uns alle davon ausging."
Der Liebe wegen in Amberg
Nach beruflichen Zwischenstationen bei Bundespost und Bundesgrenzschutz verschlug es ihn 1954 nach Amberg, wo er der Liebe wegen geblieben ist: "Als ich meine Edeltraud gesehen habe, wusste ich sofort: Die oder keine!" Aber: Bei einem der ersten Treffen habe er mit dem Spruch "Hasch mich, ich bin der Frühling!" noch nicht so richtig gepunktet. Drei Jahre später führte Josef seine Edeltraud dennoch vor den Traualtar. Die Kinder Gabi, Elisabeth und Christian machten das Glück perfekt.
Josef Triller, der sich schnell eine berufliche Existenz als Fahrlehrer aufgebaut hatte und als Spätberufener im Jahr 1986 für Gastronom Jackl Schmidt in den Stadtrat rückte, sollte auch politisch Karriere machen. Als der damalige Bürgermeister Helmut Bartelt 1993 verstorben war, holte der amtierende OB Wolfgang Dandorfer den damals 59-jährigen Triller an seine Seite. Insgesamt kamen 22 Jahre für die CSU im Stadtrat zusammen, von 1993 bis 2008 repräsentierte er zudem als Bürgermeister die Christsozialen. 2011, drei Jahre nach seinem Verzicht auf eine erneute Kandidatur, verließ Josef Triller die Partei und kündigte seine Mitgliedschaft mit sofortiger Wirkung. Als Grund nannte er einen in der Amberger Zeitung erschienenen Bericht, in dem ein damaliger ÖDP-Stadtrat zitiert wird. Während der Diskussion über die ehemalige Housing Area im D-Programm hätten sich CSU-Vertreter in der Vergangenheit "allseits geachteten und über Parteigrenzen hinweg respektierten Männern" wie Altbürgermeister Triller gegenüber "schäbig und rachsüchtig" verhalten. Als Josef Triller das las, wunderte er sich zunächst, warum dem niemand widersprochen hat: "Da habe ich mich so geärgert, dass ich spontan die Entscheidung getroffen habe, aus der CSU auszutreten."
Stolz auf 15.473 Stimmen
Doch diese Zeiten sind längst vorbei. Josef Triller genießt sein Rentner-Dasein, geht viel spazieren, besucht den Stammtisch der ehemaligen Behördenleiter und versichert an seinem 85. Geburtstag: "Mir geht es gut, ich bin zufrieden." Auch, weil die Politik keine Rolle mehr spielt. Wenngleich er sich einen kleinen Seitenhieb nicht verkneifen kann: Auf die 15.473 Stimmen, die er 2002 bei der Stadtratswahl erhielt, ist er heute noch stolz: "Ich bin mir ziemlich sicher, dass da so schnell keiner rankommt."













Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.
Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.