24.04.2019 - 09:23 Uhr
AmbergOberpfalz

Eigene Recherchen zu Bonhoeffer-Tod

Als Kenner der Materie hielt Siegfried Kratzer einen Vortrag über die Todesumstände des Widerstandskämpfers Dietrich Bonhoeffer. Dass dieser Mensch auch heute noch auf Interesse stößt, zeigte der volle Saal im Paulaner-Gemeindehaus.

Siegfried Kratzer, Vorsitzender des Evangelischen Bildungswerks, widmet sich in seinem detaillierten Vortrag den Todesumständen des Widerstandskämpfers Pfarrer Dietrich Bonhoeffer, in dem er erstmals ausführlich seine neuen Erkenntnisse aus seinen intensiven Recherchen über dessen Ermordung im KZ Flossenbürg einer breiten Öffentlichkeit präsentiert.
von Adele SchützProfil

Siegfried Kratzer, Vorsitzender des Evangelischen Bildungswerks, sprach erstmals detailliert über seine neuen Erkenntnisse aus seinen Recherchen über Bonhoeffers Todesumstände, die nach seinen Aussagen auch der Forschung neue Impulse geben könnten.

„Dietrich Bonhoeffer spricht mit seinem bekannten Gebet ’Von guten Mächten wunderbar geborgen’ auch noch heute konfessionsübergreifend Menschen an“, leitete der Referent seinen Vortrag ein. Er machte bewusst, dass Bonhoeffers Lebensweg und tragisches Ende, seine wohl erst im Gefängnis zur Reife gelangten theologischen Überlegungen und seine Ethik einen tiefen Eindruck hinterlassen haben. Dabei blieb nicht außer Acht, wie Bonhoeffer den Widerstand gegen die Nazidiktatur mit seinem Gewissen begründete.

Die persönliche Begegnung mit dem Scharfrichter Otto Thorbeck waren für Siegfried Kratzer ausschlaggebend, auf seine vielen ungelösten Fragen um Bonhoeffers Todesumstände Antworten zu suchen und eigene, umfassenden Recherchen zu dessen Mord in Flossenbürg anzustellen. Soweit Kratzer zu seinen neuen Erkenntnissen: „Dietrich Bonhoeffer war von seinem Schwager Hans von Dohnanyi zur Deutschen Abwehr gebracht worden, wo er Kontakte zu führenden Protestanten im Ausland aufnahm, um im Falle eines Sturzes oder auch geplanten Todes von Adolf Hitler günstige Bedingungen für Friedensverhandlungen zu haben.“ Devisenbeschaffungen, um Juden in die Schweiz retten zu können, seien aufgeflogen. Die Gestapo habe die Oppositionellen Wilhelm Canaris, Hans Oster, Hans von Dohnanyi, Dietrich Bonhoeffer und Josef Müller folglich verhaften können.

Bonhoeffers Weg nach Flossenbürg führte laut Kratzer über viele Stationen: Haftanstalt Tegel, KZ Buchenwald, Gefängnis in Regensburg, Schönberg und zurück nach Flossenbürg. Detailliert schilderte der Referent die Stimmungslage Bonhoeffers – einerseits voller Hoffnung, andererseits voller Verzweiflung und Todesangst. Der „Prozess“ im KZ Flossenbürg – ein Scheinprozess ohne Verteidiger und mit einem Richter, der laut Kratzer auch nach dem Krieg kein Unrechtsbewusstsein hatte – sei letztlich nur der Vollzug des zuvor ausgesprochenen Vernichtungsbefehls Hitlers gewesen.

Bei seinen Recherchen bezüglich der Frage, warum der verdiente aber zwielichtige Josef Müller von der Hinrichtung verschont blieb, ist Kratzer auf Verbindungen zwischen Josef Müller und dem Kommandanten der Leibwache Hitlers, Johann Rattenhuber, gestoßen, der sich nachweislich beim Führer der SA für seinen bayrischen Duzfreund eingesetzt habe. Dass der bei allen Gefangenen brutal agierende Ankläger Walter Huppenkothen nach dem Krieg Josef Müller um seine Verteidigung bat, werfe zusätzlich noch viele Fragen und Mutmaßungen auf, bemerkte Kratzer.

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