23.12.2019 - 09:06 Uhr
AmbergOberpfalz

Einfühlsam und doch beschwingt in der Mariahilfbergkirche

Mit Engelsstimmen hat das Trio Tempera die hellerleuchtete Mariahilfbergkirche gefüllt. Das Konzert war bis auf den letzten Platz des Gotteshauses gefüllt - für einen guten Zweck.

Cornelia Glassl, Anna Godelmann und Christoph Pickelmann verzaubern als Trio Tempera die Mariahilfbergkirche bei ihrem Konzert.
von Autor MMAProfil

Das "Trio Tempera", bestehend aus Anna Godelmann, Christoph Pickelmann und Cornelia Glassl, bescherte seinen Zuhörern zwei wunderbare vorweihnachtliche Sternstunden auf höchstem Niveau. Ihr Benefizkonzert zugunsten des franziskanischen Hilfswerks Lafia füllte die hellstrahlende Kirche auf dem Mariahilfberg bis auf den letzten Platz und endete mit stehenden Ovationen.

Cellist Christoph Pickelmann, Pianistin Cornelia Glassl und Geigerin Anna Godelmann kennen sich und spielen bereits seit ihrer Schulzeit zusammen. Alle drei können viele Auszeichnungen vorweisen und engagieren sich in der pädagogischen musikalischen Arbeit mit Kindern und Musikern. Verweist der Name des Trios auf die prachtvollen und inspirierenden Temperabilder der florentinischen Maler im 15. Jahrhundert, so darf dieser Name aber auch durchaus das Temperament der drei Künstler einschließen. Einfühlsam, scheinbar unangestrengt und konzentriert begeisterten sie mit Werken von Mozart, Mendelssohn-Bartholdy, Haydn, Piazzolla und Bregato.

Melancholie und Rhythmik

Wolfgang Amadeus Mozarts Klaviertrio in C-Dur aus dem Jahr 1788 brachte "Engelsstimmen" ins barocke Kirchenschiff und begann heiter und beschwingt. Auch der leicht melancholische Schleier im Mittelteil löste sich in bestimmender Rhythmik und innig vergnügt auf.

Felix Mendelssohn-Bartholdy schrieb 1840 sein Meistertrio in D-Moll, opus 49. Seine ganz besondere Melodik schien die Widersprüche seines Jahrhunderts zu durchschauen und letztendlich doch zu versöhnen. Das lange konzertante Stück berührte durch dramatisch aufwühlende und doch gezähmte Leidenschaftlichkeit. Doch immer wieder tröstend, wurde diese in scheinbar tiefer Zuversicht, wie auf federleichten Flügeln einnehmend und zart tröstend aufgefangen.

Nach der Pause wurde man an den Hof des ungarischen Esterhazy versetzt. Joseph Haydns Zigeunertrio, das Klaviertrio in G-Dur, welches er seiner Verehrerin und Gönnerin Rebecca Schröter gewidmet hatte, begann verhalten, um sich schließlich feurig und sehnsuchtsvoll in einer infiniten leisen Melancholie fortzusetzen. Hurtig, tänzerisch wirbelnd, ungeduldig drängend und freudig endend folgte man dem avancierten Wahl-Wiener zu den Magyaren.

Inspiriert von Antonio Vivaldi ließ Astor Piazzolla in Buenos Aires seine perfekt transportierten "Cuatro Estaciones Portenas" 1970 aufführen. Die argentinische Welt des Tangos verschmolz dabei mit der Seelensprache der Hafenbewohner. Der Frühling kam hoffnungsvoll und stürmisch aufbrechend, um im Sommer von Arbeit in schwüler Hitze, aber auch lauen, verklingenden Sommerabenden im Tangofieber zu erzählen. Zufrieden, satt, üppig, doch schon abschiedsbewusst erschien der Herbst. Rüttelnde, peitschende Winterstürme, die melancholisch vom Sommer träumen ließen, verwiesen auf den argentinischen Winter am Atlantik, der in versöhnter Geborgenheit schloss.

Stehender Applaus

Als Zugabe beschenkte das Trio seine lange stehend applaudierenden Zuhörer mit dem "Milontan" von José Bragato, dem Verwalter des Erbes Piazzollas. Einfühlsam, hingebungsvoll und rhythmisch eindringlich entließ die Bergkirche begeisterte alte und neue Fans des Trios Tempera, das man gern wieder hören möchte.

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