26.03.2019 - 13:57 Uhr
AmbergOberpfalz

Zum ersten Mal ohne Kopftuch

Klangvolle Verschmelzung unterschiedlicher Genres, die in ihrer Machart den Gegensatz schlechthin darstellen. Das Ende vom Lied: Staunen, Bewunderung und stehende Ovationen für das musikalisch-poetisches Friedensprojekt.

Ufermann und Hayat Chaoui jazzen in der Paulanerkirche im Rahmen der Internationalen Wochen gegen Rassimus.
von Dagmar WilliamsonProfil

Das Konzert von Ufermann und Hayat Chaoui als Beitrag zur Internationalen Woche gegen Rassismus in der Paulanerkirche: Klassische arabische Musik vereint sich mit Jazz unter Latino-Einfluss. Die lyrische Poesie entstammt den islamischen, jüdischen und christlichen Kulturkreisen. Freigeister in ihrer Rolle als Integrationsfiguren, die miteinander ein Vorbild der Solidarität zu sein scheinen - musikalisch und gesellschaftlich. Die dem westlichen Gehör vertraute Harmonik entsteht durch Jazz-Einlagen. Der Rhythmus jedoch wird vom Latin-Part übernommen. Etwas Swing ertönt ebenfalls, sowie der Hauch von Bossa Nova, Samba und Cha-Cha-Cha. Während der westliche Musikstil auf Noten basiert, lässt die klassische arabische Musik viel Raum für Improvisation und sticht heraus durch das Überwiegen melodischer Formen im Gesang.

Diese Solostimme wird von der renommierten Hayat Chaoui vorgetragen, die in ihrem Programm "Salam" auch den typischen "Maqam" einsetzt. Die arabische Musik misst sich nicht an technischer Perfektion. Wichtig ist der intensive und emotional geladene Ton und das daraus resultierende Gefühl. Sie findet den Zugang zur Musik durch ihre Seele und bewältigt alle Schwierigkeiten der stimmlichen Höhenlagen. Arabische Musik variiert je nach Tageszeit oder Anlass. Diese Interpretationen erzeugen, vereint mit flinken Fingern auf Tasten, Blasinstrumenten und Schlagzeug, ein neues Genre.

Mit Werken und Zitaten aus der Literatur wird das Friedensprojekt verdeutlicht. Das Ensemble erinnert daran, dass Religionen ausgenutzt werden und missbräuchlich im Namen Gottes Kriege geführt werden. "Ich war ein Suchender und bin es immer noch, aber ich habe aufgehört, die Bücher zu fragen und die Sterne - und angefangen, auf die Lehren meiner Seele zu hören. Ich suchte in Tempeln, Kirchen und Moscheen. Aber ich fand das Göttliche in meinem Herzen." Es ist kein Zufall, dass Rumi, ein Mystiker aus Afghanistan, einer der bedeutsamsten persischen Dichter des Mittelalters, zitiert wird.

Der Friedensgruß Salam Aleikum, Friede sei mit euch, wird zusammen mit dem Publikum gesungen. Die einzige Zuhörerin, die es wagt mit der Solistin einen arabischen Text vorzutragen, feiert an diesem Abend eine kleine Premiere: Huda Juma Dayaa erscheint in der Öffentlichkeit zum ersten Mal ohne Kopftuch. Die 24-Jährige lebt seit drei Jahren in Amberg und ist durch ihre Bemühungen und Teilnahmen am Frauen-Weltcafé ein Vorbild für Integration.

Huda Juma Dayaa (links) feiert gleich zwei Premieren in der Paulanerkirche: Ohne Kopftuch trägt sie in der Öffentlichkeit auch zum ersten Mal einen arabischen Text mit der studierten und renommierten Sängerin Hayat Chaoui vor.

 

 

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