09.10.2019 - 14:08 Uhr
AmbergOberpfalz

Exponate nicht in Amberg: Einfach Wände bemalt

"Versuchen wir ein Gedankenspiel" lautet der Name der aktuellen Ausstellung im Kulturstift. Dass daraus eine Improvisation werden musste, wusste das Künstlerpaar Fatma Güdü und Kai Klahre vorher aber selber nicht.

Kai Klahre und Fatma Güdü sprechen über die Basilika, ihre Übernachtung in der Fronfeste und den Grund für die bemalten Wände.
von Dagmar WilliamsonProfil

Das Leben geht seine Wege, während andere Pläne geschmiedet werden. Kunstdrucke ihrer Originale, die Fatma Güdü und Kai Klahre nur für den A.K.T.-Kunstverein in Auftrag gegeben hatten, sollten ursprünglich ausgestellt werden. Der vorgezogene Termin und eine verspätete Lieferung sind die Erklärung für die neue Bedeutung von "Versuchen wir ein Gedankenspiel".

Improvisation und schnelles Handeln waren gefragt. Zwei Tage dauerte die Überarbeitung ihres Konzeptes - und niemandem wäre es aufgefallen, hätte Vorsitzender Hans Graf es nicht erwähnt. Da das Künstlerpaar viele seiner Originale auf einer anderen Ausstellung präsentiert, gab es nur die Möglichkeit, das Vergängliche auf die Wände des Amberger Kulturstifts zu malen und mit wenigen Kunstdrucken und Originalen zu vereinbaren. Eine Premiere in den Ausstellungsräumen sozusagen. Dabei ließen sich die Künstler inspirieren von Amberg, von der Fronfeste und der Basilika. "Den Raum erobern und zu einem stimmigen Gesamtbild fügen in Einklang mit der Umgebung - das ist Bestandteil unserer Arbeit", erklärte Fatma Güdü. Um die Wände heller wirken zu lassen, verdunkelte sie den grauen Boden mit verlegtem Paketpapier. Verschönert wurde dieser mit bunten Bildern ihrer zweijährigen Tochter - denn die ist immer dabei. Wenn man die hohe Kunst des Paares betrachtet, überrascht es nicht, dass es ihnen gelungen ist, von den Werken leben zu können.

Die Bleistiftzeichnungen überraschen mit vielen kleinen Details, die bei längerem Betrachten immer wieder neue Feinheiten und Situationen aufzeigen. Spannend ist Güdüs realistische Interpretation von Ulrike Meinhof. Wobei die Künstlerin weniger eine politische Aussage oder Huldigung der Journalistin treffen wollte, sondern von Frau zu Frau malte: verletzlich, eigensinnig, aber gleichzeitig stark. Grundsätzlich bewegen sich die Bilder von Kai Klahre und Fatma Güdü zwischen dem altmeisterlichen Können, dem Abstrakten und der eigenen Handschrift.

Bis Samstag, 19. Oktober, kann die vergängliche Improvisation ihres Gedankenspiels bewundert werden.

Obwohl die Künstler kurzfristig improvisieren mussten, gelang ihnen ihr Gedankenspiel mit Bravour.
"Eine Wahnsinns-Zeichnung!" Die Bewunderung der kleinen Details und Feinheiten war unter den Gästen groß.

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