24.09.2018 - 13:25 Uhr
AmbergOberpfalz

"Fabienne" wütet im Landkreis

Sturm "Fabienne" hat am Sonntag auch im Landkreis gewütet. Bei der Leitstelle gingen über 200 Notrufe ein, die Feuerwehren hatten viel zu tun. Ein Autofahrer hatte Glück: Er blieb unverletzt, als ein Ast die Frontscheibe durchschlug.

von Kristina Sandig Kontakt Profil

Außerordentliches Glück hatte nach Angaben der Polizei ein 59-Jähriger aus Schnaittenbach, der während des Sturms am Sonntagabend mit seinem Audi auf der Staatsstraße 2238 unterwegs war: Ein Baum stürzte auf das Auto, ein Ast durchschlug die Windschutzscheibe. Der Mann kam mit dem Schrecken davon, der Schaden am Auto beläuft sich auf 10 000 Euro. Nicht so viel Glück hatte eine 31-Jährige, die von Freudenberg in Richtung Lintach fuhr. Einen halben Kilometer vor dem Kreisverkehr entwurzelte eine heftige Böe einen Baum, der vor das Auto fiel. Ein Ast beschädigte die Windschutzscheibe, Splitter trafen die Frau, die ins Klinikum St. Marien kam. An ihrem Auto entstand ein Schaden von rund 6000 Euro, so die Polizei.

Sie kam aus Richtung Mittelfranken und suchte ab dem frühen Abend die Region heim: „Fabienne“, ein kräftiger Sturm, der starken Regen mitbrachte. In Auerbach hoben Teile eines Dachs ab, in Schmidmühlen fiel der Kirwabaum um. In der Integrierten Leitstelle (ILS) in der Amberger Gasfabrikstraße gingen die ersten Notrufe am Sonntagabend gegen 18.30 Uhr ein. Wie deren Leiter Armin Buchwald erklärt, war angesichts der Warnungen vor „Fabienne“ das Leitstellen-Personal aufgestockt worden. Sowohl Mitarbeiter, die eigentlich frei hatten, als auch die Unterstützungsgruppe ILS verstärkten die regulär diensthabenden Disponenten, um die eingehenden Notrufe abzuarbeiten. Schwerpunkte lassen sich laut Buchwald nicht lokalisieren. „Der Sturm zog über unser ganzes Gebiet“, erklärt er, schränkt jedoch ein, dass besonders in waldreichen Bereichen naturgemäß mehr Bäume umgeknickt wurden.

Rund 200 Notrufe waren es, die an diesem Abend bei der ILS eingegangen sind. Doch das waren laut Buchwald noch nicht alle. „Einige haben auch die Feuerwehren selbst abgearbeitet“, erläutert der Leitstellen-Chef. Die heftige Phase von „Fabienne“ mit starken Sturmböen und viel Regen dauerte bis gegen 20 Uhr, die zusätzlich in die ILS beorderten Kräfte blieben dort bis gegen 22 Uhr. Der Deutsche Wetterdienst hatte eigentlich für die Nacht nochmals vor einem kräftigen Sturm gewarnt. Der allerdings blieb aus. Darüber ist auch Armin Buchwald erleichtert: „Da war dann gottseidank nichts mehr.“

Ein Lob hat Kreisbrandrat Fredi Weiß am Tag danach für die Einsatzkräfte parat, sowohl für die Disponenten in der Leitstelle als auch für die Feuerwehren im Sturm-Einsatz: „Sie haben super gearbeitet“, sagt er angesichts der Flut an Alarmierungen. „Wir werden bei ungefähr 300 Einsätzen liegen“, so seine erste Schätzungen. „Fabienne“ blies vor allem Bäume um. „Die stürzten auf Fahrbahnen, Schienen und Stromleitungen“, sagte Weiß. Letzteres passierte in Hirschau in Nähe eines Trafohäuschens. Die Folge: Große Teile der Stadt waren über Stunden ohne Strom. Wie die Polizei ergänzend mitteilte, „setzte der örtliche Energieversorger im Laufe der Nacht die Stromleitung wieder instand“.

Laut Kreisbrandrat Fredi Weiß waren um die 40 Feuerwehren im gesamten Landkreis am Sonntagabend im Einsatz. Sturm und Regen waren aus Richtung Westen gekommen („Die ersten Meldungen trafen aus Neukirchen und Etzelwang ein“) und dann nach Osten gezogen. Während sich „Fabienne“ in Orten über Auerbach, Edelsfeld, Sulzbach-Rosenberg, Hirschau, Schnaittenbach und Freudenberg austobte, hielten sich die Einsätze im Vils- und Lauterachtal in Grenzen. Bis auf eine Ausnahme: In Schmidmühlen rissen Windböen den Kirwabaum samt seiner Verankerung aus dem Boden, so dass dieser auf ein Hausdach stürzte.

Autokran hebt Baum vom Dach:

Die Wahlplakate, die „Fabienne“ abriss, waren das geringste Problem. Der Sturm brachte einige Baustellen-Absperrungen zur Strecke – und schließlich hob er noch den 32 langen Kirwabaum am Hammerplatz samt zentnerschwerer Verankerung aus dem Kirwabaum-Loch. Das sei wie von Geisterhand geschehen, erzählten Anwohner. Der Baum kippte auf ein benachbartes Hausdach. Glücklicherweise kam niemand zu Schaden, denn das Haus ist unbewohnt, wegen des peitschenden Regens war zum Zeitpunkt des Sturms niemand am Hammerplatz unterwegs.

Noch am Sonntagabend wurde die Unglücksstelle abgesichert, am Montagmorgen holte ein Autokran schließlich den Baum vom Dachstuhl. Heilfroh, dass nicht mehr passiert ist, zeigte sich am Montagnachmittag Bürgermeister Peter Braun. „Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen, es hätte wesentlich schlimmer sein können“, sagte er auf Nachfrage. Das Kirwabaum-Loch sei vor etwa 30 Jahren installiert worden und werde regelmäßig überprüft.

Die Verankerung seien Stahlschienen, diese habe „Fabienne“ regelrecht verbogen. So habe sich der Baum „langsam aufs Dach gelegt“ und sei nicht mit voller Wucht draufgeknallt. „Deshalb ist der Schaden mit 500 bis 1000 Euro relativ gering.“ Braun kündigte an, dass die verbogenen Schienen komplett ausgetauscht werden. Der Fall hat dem Schmidmühlener Bürgermeister aber auch gezeigt, was Jahr für Jahr wichtig ist: „Dass wir Wert darauf legen, dass die Kirwagemeinschaft, die ein eingetragener Verein ist, eine entsprechende Versicherung hat.“

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