08.08.2018 - 14:37 Uhr
AmbergOberpfalz

Wenn aus Frühchen große Kinder werden

Ramona Niebler kuschelt zufrieden mit ihrem kleinen Tim. Nicht zu Hause, sondern auf der Kinderintensivstation des Klinikums St. Marien in Amberg. Tim kam in der 32. Schwangerschaftswoche und mit nur 1790 Gramm auf die Welt.

Auf der Frühchenstation (von links): Sandra Osso, Ramona Niebler mit Tim und Lisa-Marie Sonneburg.

(exb) Doch Tim geht es gut. In den Armen seiner stolzen Mama, die ihn natürlich am liebsten daheim hätte, fühlt sich Tim wohl. Ramona Niebler ist die Kinderintensivstation nicht fremd: "2014 kam unser Sohn Paul auf die Welt, noch früher als Tim, schon in der 29. Schwangerschaftswoche, mit gerade mal 960 Gramm." Die Lunge von Paul war damals noch nicht ausgereift und für die frischgebackene Familie begann ein steiniger Weg. Ein viertel Jahr war Paul auf Station, eine Zeit in der die Nieblers das Personal und die Abläufe sehr gut kennen lernten.

Mit dem neuesten Familienmitglied gab es ein Wiedersehen mit altbekannten Gesichtern. Ein Wiedersehen mit der Station und dem Personal gibt es im Klinikum in regelmäßigen Abständen. Alle zwei Jahre findet hier das Frühchentreffen des Perinatalzentrums Nordostbayern statt, zu dem das Klinikum Amberg gehört. In diesem Jahr waren alle Kinder ab dem Jahrgang 2014 eingeladen, die unter der 32. Schwangerschaftswoche oder unter einem Gewicht von 1500 Gramm geboren wurden. Bei schönstem Wetter haben sich Kinder, Eltern und auch Großeltern im Patientengarten getroffen. Getobt wurde auf dem Trampolin, gespielt auf bunten Decken, die Kinder konnten Fotos machen und diese mit ihrem Fuß- oder Handabdruck schmücken. Und die Eltern konnten sich untereinander und mit dem Pflegepersonal austauschen. Denn genau darum geht es beim Frühchentreffen.

Krake statt Nabelschnur

"Es ist unheimlich schön zu sehen, was aus den Kindern geworden ist. Dass es den Kindern gut geht, sie sich so toll entwickelt haben, ist für uns eine große Freude und gibt uns wieder Kraft für die Nächsten", sagt Stationsleiterin Sandra Osso. In diesem Jahr stand das Frühchentreffen ganz im Zeichen der Krake: "Das Motto haben wir ganz bewusst gewählt. Unsere Strickomas stricken uns regelmäßig Kraken, welche dann bei uns in den Inkubatoren liegen. Die langen Tentakel erinnern die Kinder an die Nabelschnur, in Mamas Bauch. Bevor die Kleinen an Tuben oder Magensonden ziehen, können sie Halt an den Tentakeln suchen", sagt Sandra Osso.

Nähe zum Kreißsaal

Das Perinatalzentrum (PNZ) Level 1 ist ein Zentrum der höchsten Stufe. Das bedeutet zum Beispiel, dass eine Neugeborenen-Intensivstation in unmittelbarer Nähe zum Kreißsaal vorhanden ist. Im Notfall sind laut Pressemitteilung des Klinikums rund um die Uhr Geburtshelfer und Kinderärzte sowie pflegerisches Fachpersonal verfügbar, die für die Betreuung von extremen Frühgeburten speziell ausgebildet sind. Außerdem gibt es eine speziell eingerichtete Station mit modernsten Geräten.

Bereits ab der abgeschlossenen 24. Schwangerschaftswoche haben Neugeborene in einem solchen Zentrum eine gute Chance, gesund zu überleben. Wenn es nach Hause geht, stehen die Familien auch nicht alleine da. Das wissen auch die Nieblers mit ihrem Tim. Ein Nachsorgeteam hilft und es besteht eine enge Zusammenarbeit mit der Frühförderstelle, um den Kindern einen optimalen Start ins Leben geben zu können. Die Frühförderstelle stand den Eltern beim Frühchentreffen für Beratungsgespräche zur Verfügung. Der Verein Flika unterstützte mit Bastelmaterial und Kinderschminken.

Treffen im Patientengarten: Wiedersehen der Frühchen des Klinikums St. Marien Amberg.

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