24.10.2018 - 09:29 Uhr
AmbergOberpfalz

Auf Funkwellen um die Welt

Kommunikation rund um den Globus ist in heutiger Zeit kein Hexenwerk mehr. Aber diese interessant und spannend zu machen, dass ist das, was zählt, beim JOTA-JOTI, dem Weltpfadfindertreffen der Funker.

Für Michael Kohlert vom Verband Christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder (VCP) ist dies seit vielen Jahren ein Pflichttermin, um mit der Welt zu funken.
von Andreas Brückmann (brü)Profil

Die elektromagnetische Welle hat eine besondere Eigenschaft. Sie kennt keine Grenzen und schafft eine weltweite Verbindung. Dies nützen die Mitglieder des Ortsverbandes Amberg im Deutschen Amateur Radio Club (DARC), also die Amateurfunker, um mit der ganzen Welt zu kommunizieren. Und einmal im Jahr auch die Pfadfinder, die sich für 48 Stunden zum Weltpfadfindertreffen JOTA-JOTI auf verschiedenen Kanälen und Sequenzen treffen.

Für Michael Kohlert vom Verband Christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder (VCP) ist dies seit vielen Jahren ein Pflichttermin: "Entstanden ist das JOTA-JOTI 1957 nach einen Weltpfadfindertreffen, bei dem damals gut 10 000 Leute auf einem Zeltplatz zusammenkamen waren. Unter ihnen befanden sich viele Funkamateure, die für sich festgestellten: Vier Jahre zwischen den Treffen sind einfach zu lang." Die Idee, sich einmal im Jahr über den Funk zu unterhalten, war geboren und hat bis heute Bestand, jeweils am dritten Wochenende im Oktober.

Zwei Millionen Pfadfinder

"Es ist ein Kontaktpflegewochenende zum einen, um Kontakte in aller Welt zu erhalten und zu pflegen, aber auch um nicht nur 48 Stunden mit der gesamten Welt in Verbindung zu stehen, sondern sich auch mit Freunden zu treffen, gemeinsam zu kochen, zu essen und einfach in gemütlicher Runde zusammen zu kommen." Weltweit gibt es rund 40 Millionen Pfadfinder, bis zu zwei Millionen beteiligen sich am Funk-Event.

Und dies mittlerweile auf allen Wegen der Kommunikation. "Amateurfunk ist ein Stück Abenteuer. Natürlich hat der Amateurfunk in der heutigen Zeit nicht mehr die Bedeutung, als in der Zeit, in der es noch kein Internet gab. Früher war Amateurfunk die einzige Möglichkeit, wie ein Normalbürger mit der gesamten Welt kommunizieren konnte, eine weltweite Kontaktplattform sozusagen" weiß Rainer Englert vom DARC, der sich ebenfalls über das Wochenende bei den Ambergern eingefunden hat.

Kommuniziert wird über Sprechfunk, Morsen, per Video-Funktechnik, über Internetkanäle, im Chat oder über Videotelefonie. Das Erlebnis Funk steht aber trotzdem immer noch im Mittelpunkt, da gerade die Amberger Funkstation hervorragende Möglichkeiten aufbiete. "Wir freuen uns immer sehr, dass es hier die Möglichkeit gibt und wir gerne zu Gast in Amberg sind", sagt Kohlert. "Man muss nicht viel Technik mitschleppen. Die Infrastruktur ist gegeben und einfach hervorragend."

Amberger Weltrekord

Thomas Höppe vom Amberger Ortsverband ist daher nicht ohne Grund Stolz auf die Station: "Die Amberger Gruppe ist Weltrekord-Inhaber. Wir haben auf der acht Kiloherz-Welle Signale aus den USA empfangen." Diese Welle ist entsprechend vergleichbar mit der höchsten Klaviertaste im höchsten Tonbereich.

"Der Vorteil unseres Standortes ist einfach die absolute Ruhe. Es gibt keine Störsignale." Und vor allem wird darauf geachtet, dass das auch so bleibt. "Zu Hause kauft sich dein Nachbar irgendein chinesisches Elektroschrottteil, steckt es an - und dadurch wird alles so gestört, dass du keine Chance mehr zum Funken hast. Sollten wir merken, dass etwas den Funk hier stört, fliegt es sofort wieder raus", sagt Höppe und grinst.

Beim Treffen selbst hatten die Pfadfinder zu Beginn schon das erste Erfolgserlebnis. "Heute Vormittag hatten wir eine längere und vor allem sehr gute Verbindung nach Australien", freut sich Kohlert. Die Verbindung in die USA am Nachmittag wollte dann nicht so recht funktionieren. "Man braucht das richtige Funkwetter. Also nicht das Wetter, wie es gerade hier bei uns ist, sondern in 200 Kilometern Höhe", erläutert Höppe. Dort werden die Kurzwellen reflektiert, springen zurück zur Erde, und von dort wieder im Zickzack um die ganze Welt. Wenn das Wetter passt. "Heute geht's nicht bis in die USA. Er mag einfach nicht, und ich denke, das wird den Tag über auch noch so bleiben." Doch das tut am JOTA-JOTI-Wochenende der Freude am Hobby keinen Abbruch.

Hintergrund:

JOTA-JOTI

Bei JOTA (Jamboree on the Air) und JOTI (Jamboree on the Internet) handelt sich um eine weltweite Wochenendveranstaltung des Weltpfadfinderverbandes. Das Wort Jamboree wird international als Bezeichnung für Pfadfindergroßlager verwendet. Mittlerweile wurden JOTA und JOTI zu einem Begriff JOTA-JOTI zusammengefasst, der damit für eine gemeinsame Veranstaltung steht. JOTA und JOTI bieten die Möglichkeit, dass Pfadfinder auf der ganzen Welt miteinander kommunizieren. Und sie stehen dafür, die Größe und Internationalität des Pfadfindertums zu erfahren. Nicht wenige Freundschaften mit französischen, dänischen, tschechischen oder österreichischen Pfadfindergruppen begannen mit diesem Kontakt, wurden fortgesetzt und weiter gefestigt - durch gegenseitige Besuche, Fahrten und Lager. (brü)

Thomas Höppe vom Amberger Ortsverband: "Die Möglichkeit Kurzwellennachrichten aus aller Welt zu empfangen und auch zu senden ist ein ganz hohes und freiheitliches Gut."
Rainer Englert vom DARC mit einem Bausatz, der auch von den Amateurfunkern gebaut wurde.
Über die verschiedensten Kanäle wurde am Wochenende kommuniziert.
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