10.03.2019 - 17:11 Uhr
AmbergOberpfalz

Gedenktag für Terror-Opfer: Ismail Ertug berichtet von drei Anschlägen

Bombenexplosionen in Madrid, Schüsse in Paris, Lastwagen, die in Nizza oder Berlin in Menschenmenge rasen. Am 11. März gedenkt Europa den Opfern von Terror. Der Amberger Politiker Ismail Ertug war schon dreimal bei einem Anschlag vor Ort.

Rettungskräfte sind am 22.03.2016 nach einem Anschlag auf die Metro-Station Maelbeek in Brüssel, Belgien im Einsatz. Bei den Anschlägen am Flughafen und in der Metro von Brüssel töteten islamistische Attentäter 32 Menschen und verletzten mehr als 300.
von Elisabeth Saller Kontakt Profil

Ismail Ertug war in Istanbul, Brüssel und Straßburg ganz nahe dran, als jeweils ein Anschlag verübt wurde. Angst? "Politiker sind nicht ängstlich", sagt er und erzählt, was er bei seiner Arbeit als SPD-Abgeordneter für das EU-Parlament schon erlebt hat. Als im Dezember 2018 in Straßburg nahe des Weihnachtsmarkts Schüsse fielen und fünf Menschen starben, hielt sich Ertug im EU-Parlament in der elsässischen Stadt auf. Der Komplex wurde sofort geschlossen. Niemand sei rein-, niemand rausgekommen. "Das dauerte stundenlang." Panik brach unter den Parlamentariern deswegen aber nicht aus, "wir sind in einer privilegierten Situation, wir sind gut bewacht", berichtet Ertug, während er am Brüsseler Flughafen auf seinen Flug nach München wartet.

Bis halb 2 Uhr hätten Politiker und Mitarbeiter ausharren müssen, bis sie das Gebäude verlassen durften. "Ich war der Erste, der aus dem Tor rausgelassen wurde", berichtet der Politiker. Obwohl er ein Hotelzimmer in Kehl, nur ein paar Kilometer entfernt auf der deutschen Seite des Rheins, gebucht hatte, habe er Stunden für die Fahrt benötigt. Auf der Brücke über den Rhein habe die Polizei jeden Wagen kontrolliert. Der 43-Jährige stand zwei Stunden im Stau. Die Nacht war dann kurz.

Schon als am 22. März 2016 bei zwei Terroranschlägen am Flughafen und an der Metro-Station Maelbeek in Brüssel 32 Menschen getötetet und mehr als 300 verletzt wurden, war der Amberger in der Nähe. Noch am Vorabend sei er durch die Flughafenhalle geschlendert, Stunden später zündeten Anhänger des Islamischen Staats (IS) dort Sprengsätze. Ähnlich in Istanbul: Ismail Ertug hielt sich 2011 in einem Hotel am Taksim-Platz auf, als es zweimal laut knallte. Auf dem Platz war ein Anschlag verübt worden.

Ertugs Geschichte erinnert an die des Journalisten Richard Gutjahr. Der war beim Attentat in Nizza und wenige Tage später beim Amoklauf in München zufällig vor Ort. Über die drei Attentate und das Glück, nie selbst Opfer geworden zu sein, denkt Ismail Ertug kaum nach. Er sei zwar in der Stadt gewesen, habe die Attentate aber nie unmittelbar erlebt. "Es ist sicher anders, wenn man dabei ist. Aber die Situation - toi, toi, toi - hatte ich noch nicht."

Sein Verhalten hat der Europa-Abgeordnete bisher nicht geändert. Er geht keinen Umweg, um Menschenmassen zu meiden. "Wir Politiker sind termingetrieben. Wenn du zu Ort X musst, musst du dorthin." Und: "Man ist nie ganz sicher, ich sehe das locker." Außer man verbarrikadiere sich zu Hause, scherzt er. Aber auch das helfe kaum. Bekanntlich passierten da die meisten Unfälle. Dennoch setzt sich Ertug in seiner Arbeit für mehr Sicherheit ein und war an entsprechenden Gesetzen beteiligt: etwa an den Körperscannern an Flughäfen und am Verbot von Metallgegenständen im Bordgepäck.

"Ich habe auch etwas aus den ersten beiden Anschlägen gelernt", sagt Ertug. Gleich nachdem er von den Attentaten in Straßburg erfahren habe, habe er in den Sozialen Medien eine Nachricht veröffentlicht, in der er schrieb, dass es ihm gut gehe. "Sonst klingelt das Handy ständig", weil sich Leute dauernd nach seinem Wohlbefinden erkundigen.

Ismail Ertug aus Amberg ist Abgeordneter im Europa-Parlament für die SPD.
Gedenktag:

Seit den Bombenanschlägen am 11. März 2004 in Madrid gibt es den Europäischen Gedenktag für die Opfer des Terrorismus. 191 Menschen starben damals durch die Attacken von islamistischen Terroristen, 2051 wurden verletzt. Einen Tag später demonstrierten 12 Millionen Spanier gegen Terrorismus und gedachten der Opfer. Diese Bewegung griff die EU auf und führte den Tag ein. Frankreich war in den vergangenen Jahren immer wieder von Terrorattacken betroffen. Dort gibt es auch einen nationalen Gedenktag – ebenfalls am 11. März.

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