09.11.2018 - 11:15 Uhr
AmbergOberpfalz

Nicht jeder gefühlte Unfallschwerpunkt ist auch einer

Unfallschwerpunkte gibt es in Amberg und auch im Landkreis. Um sie zu entschärfen, greifen manchmal kleinere Maßnahmen. Oder es sind große Umbauten erforderlich. Und nicht jeder gefühlte Unfallschwerpunkt ist auch tatsächlich einer.

Eine Ampel wäre eine Lösung, um diesen Unfallschwerpunkt zu entschärfen: die Einmündung der AS 30 in die Staatsstraße 2238 von Ammersricht nach Hirschau.
von Kristina Sandig Kontakt Profil

Erst kürzlich ist auf der Kreisstraße AS 30 zwischen Immenstetten und Raigering an der Abzweigung nach Aschach ein Unfall passiert, bei dem vier Männer schwerstverletzt wurden. Am nächsten Tag krachte es erneut an dieser Stelle, diesmal ging es relativ glimpflich ab. Von einer Unfallhäufungsstelle kam man an dieser Abzweigung aber dennoch nicht sprechen. Denn dafür gibt es spezielle Kriterien, erklärt Stefan Martin, einer der beiden Verkehrssachbearbeiter der Polizeiinspektion (PI) Amberg und zuständig für den Landkreis. "Aber wenn was ungewöhnlich ist, schaut man natürlich drauf", ergänzt sein Kollege Peter Hofrichter, der sich um den Bereich der kreisfreien Stadt Amberg kümmert.

Eine erste Maßnahme könne zum Beispiel sein, dass man an besagter Stelle die Geschwindigkeit überwache. Wie die beiden Beamten erklärten, geschah dies auch an der AS 30 durch die Verkehrspolizei. Das Ergebnis: "Die Quote derjenigen, die die zulässige Höchstgeschwindigkeit überschritten, lag bei zwei Prozent." Eine weitere Erkenntnis: Es wurde nicht übermäßig zu schnell gefahren. "Der Schnellste war mit 105 km/h unterwegs - bei 80 km/h, die dort erlaubt sind", so Stefan Martin.

Verkehrsschild aufgestellt

Dennoch wurde an der AS 30 sehr zeitnah eine Maßnahme ergriffen: Aufgestellt wurde ein Verkehrsschild, das Autofahrer, die aus Richtung Immenstetten kommen und nach Raigering unterwegs sind, auf Linksabbieger nach Aschach aufmerksam macht - um Auffahrunfälle in diesem Bereich zu vermeiden. Peter Hofrichter bringt ein Beispiel aus dem Amberger Stadtgebiet: An der sogenannten Pflegerkreuzung gab es früher keinen Linksabbiegerpfeil. Seit die Linksabbiegerspur beampelt ist, "haben wir pro Jahr 26 Unfälle weniger." Oder eine andere Situation: 2015 war es urplötzlich verstärkt zu Unfällen im Kurvenbereich bei der Polizei gekommen. Eine erste Maßnahme, nämlich die Geschwindigkeit auf 30 km/h zu reduzieren, brachte laut Hofrichter nicht den gewünschten Erfolg. Die zweite Lösung, nämlich nur 10 km/h in diesem Bereich zu erlauben, stieß nicht auf Gegenliebe bei den Verkehrsteilnehmern. "Letztendlich brachte eine technische Lösung den Erfolg: Die Fahrbahn wurde abgefräst und ein neuer Belag aufgebracht." Das Ergebnis: Seit die fehlende Haftfähigkeit auf der Straße behoben wurde, passieren dort keine Unfälle mehr. "Da wurde schnell gehandelt und es hat was gebracht."

Ein Unfallschwerpunkt im Landkreis ist die Einmündung der AS 30 in die Staatsstraße 2238. Bei der Analyse der Unfälle zwischen 2015 und 2017 ergab sich laut Stefan Martin, dass die Hauptursache Abbiegefehler waren. "Auch in den Jahren 2012 bis 2014 passierte dort schon sehr viel." Die Unfallkommission begutachtete die Situation vor Ort. Eine weitere Geschwindigkeitsbegrenzung sei nicht möglich, da dort eh schon auf 60 km/h beschränkt ist. "Es muss also baulich was passieren." Eine Möglichkeit: eine Lichtzeichenanlage.

Manchmal helfe es auch, eine Ampel 24 Stunden in Betrieb zu lassen und nicht nachts abzuschalten. Als Beispiel dafür bringt Peter Hofrichter die Kreuzung von Hockermühlstraße, Fugger- beziehungsweise Kastler Straße. "Seit die Ampel auch während der Nachtzeit in Betrieb ist, haben sich die Unfälle dort reduziert."

Ein Dauerbrenner als Unfallschwerpunkt war der Einmündungsbereich in die Staatsstraße 2166 bei Axtheid-Berg. "Da hatte es in der Vergangenheit immer wieder Unfälle mit Getöteten und Schwerverletzten gegeben", erinnert sich Martin. Inzwischen ist dort ein Kreisverkehr. Die Zahl der Unfälle hat sich deutlich reduziert: 2016 und 2017 waren es je einer. "Da sieht man, dass solche Maßnahmen wirken."

Kreisverkehr: Viele Unfälle

In der Stadt Amberg ist es vor allem der große Kreisverkehr, an dem es immer wieder zu Zusammenstößen kommt - sei es als Auffahr- oder Abbiegeunfälle oder mit Fußgängern, die auf den Zebrastreifen unterwegs sind. "Ein paar Verkehrsteilnehmer sind auch gegen Laternenmasten gefahren, weil sie zu flott unterwegs waren", so Hofrichter. Er setzt aber auch die Zahl der Fahrzeuge, die dort unterwegs sind, in Relation. 26 000 pro Tag auf der Regensburger Straße zum Kreisverkehr.

Manchmal helfen nach Angaben der Verkehrssachbearbeiter der Polizei auch kleinere Baumaßnahmen, die eine oder andere Gefahrenstelle zu entschärfen. Beispielsweise durch Verkehrsinseln, die Autofahrern frühzeitig signalisieren, dass eine Kreuzung kommt. So geschehen im Einmündungsbereich in die B 85 bei der Diskothek Happy Rock bei Kropfersricht (Sulzbach-Rosenberg). Dort hatte 2015 ein schwerer Verkehrsunfall drei Menschenleben gefordert.

Unfallkommissionen gibt es seit 18 Jahren:

Im Jahr 2000 wurden Unfallkommissionen ins Leben gerufen. Und deren Arbeit fruchtet. „Seitdem ist die Zahl der Unfälle nach unten gegangen“, sagt Stefan Martin, Verkehrssachbearbeiter der PI Amberg. Martin ist für den Landkreis zuständig, sein Kollege Peter Hofrichter für das Stadtgebiet. Neben den beiden Polizeibeamten sind in der Unfallkommission noch Armin Wildenauer vom Staatlichen Bauamt, der das Gremium auch leitet, sowie Vertreter der Unteren Verkehrsbehörde (Christian Luber für den Landkreis und Reinhard Gräml für die Stadt).

Um festzustellen, ob eine Unfallhäufung vorliegt, wird das übergeordnete Straßennetz, also Bundes- und Staatsstraßen sowie Kreisstraßen, betrachtet und zwar für einen Zeitraum von drei Jahren. Unfälle, abgesehen von kleineren Kollisionen, bei denen die Beteiligten nicht die Polizei rufen, werden von den Verkehrssachbearbeitern geokodiert. „Das heißt, dass die genaue Unfallstelle festgelegt wird.“ Anhand dieser Daten erstellt die Zentralstelle für Verkehrssicherheit im Straßenverkehr dann Karten, auf denen all diese Unfälle in einem Zeitraum von drei Jahren verzeichnet sind. Die Anzahl der Unfälle und auch die der Verletzten gibt Auskunft darüber, ob eine Unfallhäufung vorliegt. Unterschieden wird zwischen Unfallhäufungslinie, also Strecken, und Unfallhäufungsstelle, also Einmündungen.

Liegen die Daten für einen Betrachungszeitraum vor, analysiert laut Martin die Unfallkommission die Situation. Berücksichtigt wird auch die Unfallursache, zum Beispiel ob es Fahr- oder Abbiegefehler waren, oder ob bei Gegenverkehr überholt wurde. Um künftig Zusammenstöße an Unfallschwerpunkten zu vermeiden, gibt es verschiedene Maßnahmen. Laut Stefan Martin reichen diese von konsequenter Geschwindigkeitsüberwachung über das Aufstellen von Verkehrsschildern („Das ist der geringste Aufwand“) bis hin zu großen baulichen Veränderungen (Umbau, Ausbau oder Änderung der Verkehrsführung).

Nach dem schweren Unfall auf der AS 30 mit vier Schwerverletzten und dem Zusammenstoß am nächsten Tag, der relativ glimpflich ausging, weist ein Schild die Verkehrsteilnehmer auf Linksabbieger hin.

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