15.12.2018 - 00:01 Uhr
AmbergOberpfalz

Gegenteil von Jammerverein

"Das geht schon wieder weg", ist so ein Satz, den viele hören, wenn sie krank sind und sich beschweren. Was aber ist, wenn die Schmerzen nicht mehr verschwinden? Dann kann die Selbsthilfegruppe von Maria Boßle wertvoller Ratgeber sein.

Seit sie zwölf Jahre alt ist, leidet Maria Boßle unter chronischen Schmerzen. Die Sulzbach-Rosenbergerin leidet an einer seltenen Bindegewebserkrankung, dem Ehlers-Danlos-Syndrom. Das heißt: Sehnen reißen, Haut und Gelenke sind überdehnbar. Ausgleich und Ablenkung findet sie in der Musik.
von Redaktion ONETZProfil

"Zuhören, verstehen, helfen" ist das Motto der Selbsthilfegruppe chronischer Schmerz. Maria Boßle ist seit ihrem zwölften Lebensjahr Schmerzpatientin. Die leidenschaftliche Musikerin spielt seit 39 Jahren Kirchenmusik in der Sulzbacher Pfarrei St. Marien und ist seit 2002 Sulzbach-Rosenberger CSU-Stadträtin.

Über 21 Jahre lang fuhr Maria Boßle nach München zur Therapie, denn in der Amberg-Sulzbacher Region gab es ihrer Aussage zufolge keine Therapeuten. Sie hatte es anfangs nicht leicht, auf Gehör zu stoßen, da die meisten Ärzte ihre Schmerzen nicht in den Griff bekamen. Durch ihre Münchener Schmerztherapeutin Dr. Erika Siegel wurde die Idee geboren, eine eigene Gruppe ins Leben zu rufen. Nach dem Tod der Ärztin gründete Boßle schließlich 2003 mit Unterstützung der Schmerzliga ihren Zusammenschluss. Sie bekam die Möglichkeit, bei Schmerztherapie-Ausbildungen dabei zu sein und lernte unglaublich viel, wie sie sagt.

Bisher 33 Operationen

Die Sulzbach-Rosenbergerin wurde 33 Mal wegen einer seltenen Bindegewebserkrankung, dem Ehlers-Danlos-Syndrom, operiert. Bei dieser Erkrankung fehlen Kollagenfasern, was zu einer Vielzahl von Problemen führt: Sehnen reißen, Haut und Gelenke sind überdehnbar. Die Selbsthilfegruppe setzt sich vor allem für die Aufklärung der Patienten ein. Sie gibt Infos darüber, wo es Ärzte und Tageskliniken gibt und was jeder Einzelne selbst tun kann. Besonders die Eigeninitiative der Mitglieder ist erwünscht, da jeder selbst dazu beitragen kann, dass es ihm besser geht.

Die Gruppe gibt besten Nährboden für neuen Lebensmut, wertvollen Erfahrungsaustausch und alltagstaugliche Lebenshilfe. "Gemeinsam gegen den Schmerz. Gemeinsam sind wir stark", sagt Maria Boßle und zitiert damit ein weiteres Motto.

Zum Rahmenprogramm zählen außerdem gesunde Ernährung, Entspannungsübungen und Psychotherapie. Es gibt viele Gelegenheiten zum Austausch. Bewegung spielt bei der Therapie eine zentrale Rolle. Boßle: "Viele Patienten brauchen Unterstützung. Medikamente sind oftmals nötig. Eine gute Schmerztherapie und vor allem Eigeninitiative sind aber ebenso wichtig."

Individuelles Training

In Amberg gibt es mittlerweile eine Schmerzambulanz. Maria Boßle hält viele Vorträge und möchte die Therapiemöglichkeiten auch älteren Patienten und Hilfesuchenden nahebringen. Besonders wichtig ist ihr, dass die Gruppe "kein Jammerverein wird". Jedes Mitglied erhält ein individuelles Training, um sein Problem einem Arzt zu vermitteln. Gegenseitige Hilfe, Zuhören und Erfahrungsaustausch stehen an oberster Stelle.

Die Treffen finden immer am ersten Mittwoch des Monats im St.-Anna-Krankenhaus in Sulzbach-Rosenberg statt. Die Gruppe organisierte bisher fünf große Schmerz-Foren. Bis zum nächsten Termin ist es aber noch ein bisschen hin: Samstag, 1. Juni 2019. Zudem wird einmal pro Jahr eine Tagesfahrt unternommen.

Es gibt ein großes Angebot an verschiedenen Kursen, beispielsweise "Mit Schmerzen konstruktiv umgehen" auf Grundlage der Arbeit von Dr. Carl Simonton. Oder: "Gut für mich sorgen." Dabei geht es darum, Herausforderungen des Lebens intelligent und achtsam zu gestalten. Kommunikationstraining, und autogenes komplettieren das Programm. Maria Boßle bietet zudem funktionelle Entspannung und Anti-Stress-Kurse an.

Wer mit der Selbsthilfegruppe in Kontakt treten möchte, kann das per E-Mail an maria[at]fambossle[dot]de tun.

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