21.01.2019 - 13:22 Uhr
AmbergOberpfalz

Geschichten starker Frauen: Ein Bild alleine reicht nicht

Zwölf mutige Frauen haben Claudia Warneke und Madeline Sprock für ihr multimediales Projekt "Starke Frauen - Über Flucht, Mut und ein neues Leben" schon interviewt. Mindestens 50 sollen es werden.

Die Schicksale von Rabia (links) und Malalai aus Afghanistan sind nur zwei der Fluchtgeschichten von Frauen, die im ersten Teil des Projekts "Starke Frauen" von Claudia Warneke und Madeline Sprock, in einer Ausstellung zu bewundern sind.
von PKMOProfil

Als Fotografin Claudia Warneke aus Höxter (Nordrhein-Westfalen) die 28-jährige Masoumeh als erste Teilnehmerin ihres Projekts "Starke Frauen" in einem Parkhaus ablichtet und ihre Fluchtgeschichte hört, steht für sie fest: Frauen brauchen mehr Vorbilder wie Masoumeh. "Ich war schockiert von ihrer Geschichte, aber beeindruckt von ihrer Stärke und ihrem Mut", erinnert sich die Fotografin. Die ersten Werke der Ausstellung gibt es jetzt in der Paulanerkirche in Amberg zu sehen.

"Was bedeutet stark sein als Frau?", wollte Siegfried Kratzer, der Vorsitzende des evangelischen Bildungswerks, am Freitagabend in seiner Eröffnungsrede wissen. Antworten lieferte der Abend. Heinrich Weigert begleitete an der Klarinette.

"Wie kann ich helfen?"

Dann ergriffen Claudia Warneke und Madeline Sprock das Wort. Voller Begeisterung berichteten sie von den ersten Schritten ihres Projekts, das die jungen Frauen ehrenamtlich gestartet haben. Warneke: "Ich habe mich gefragt: Wo sind die geflüchteten Frauen? Wie kann ich ihnen helfen? Was ich kann, ist fotografieren. Eine Bekannte vermittelte mir dann den ersten Kontakt zu Masoumeh."

Das Treffen mit der geflüchteten Iranerin hinterließ einen bleibenden Eindruck und eine klare Feststellung: Ein Bild alleine reicht nicht aus, um die Stärke dieser Frauen zu portraitieren. Claudia Warneke bat deshalb ihre Freundin und Filmemacherin Madeline Sprock um Hilfe. Gemeinsam sie bis jetzt zwölf Interviews mit Frauen geführt, die in Bild, Schrift und Video festgehalten wurden. Die ersten zehn Frauen verbindet eine Fluchtgeschichte. Auch Warnekes Schwiegeroma ist darunter. Aber das Projekt ist damit noch nicht am Ende. Das Ziel: Mindestens 50 starke Frauen sollen portraitiert werden. "Es soll nicht nur bei den geflüchteten Frauen bleiben. Wir wollen auch andere Schicksalsbereiche thematisieren, zum Beispiel Frauen, die stark sind trotz Depressionen, Krankheit oder Handicap", sagte Sprock.

Ohne Hände geboren

Ein erster Schritt in diese Richtung ist bereits Teil der Ausstellung: Steffi, erfolgreiche Tischtennisspielerin - geboren ohne Hände. "Mit den Geschichten und Bildern wollen wir vor allem anderen Frauen Mut machen", erklärte die Fotografin. Am Ende der mitreißenden Erzählungen zeigte ein dreiminütiger Film Ausschnitte aus den Interviews mit den Frauen, bevor sich die Besucher der Ausstellung widmen konnten.

Rund 450 Kilometer haben die Bilder in eigens gefertigten Transportboxen quer durch Deutschland bis nach Amberg zurückgelegt. "Die haben wir in einer Schreinerei fertigen lassen, wo ausschließlich Frauen arbeiten", ließ Sprock wissen. Dass ihre Bilder ausgerechnet in Amberg ausgestellt werden, ist eher einem Zufall und dem Gewinn von Warneke bei einem Fotowettbewerb sowie dem daraus entstandenen Kontakt mit Siegfried Kratzer geschuldet. "Wie weit das eigentlich von uns weg ist, war uns am Anfang gar nicht klar", sagte Warneke und schmunzelte

"Das ist unsere bisher größte Ausstellung", resümierte die Fotografin. Die Präsentation kann noch bis Freitag, 1. Februar, zu den Öffnungszeiten der Kirche (10 bis 18 Uhr) besichtigt werden. Der Eintritt ist frei. Auch öffentliche und private Führungen werden angeboten. Bei Interesse bei Bettina Hahn vom Evangelischen Bildungswerk melden; 09621 / 49 62 60, ebw.oberpfalz[at]elkb[dot]de. Mehr Infos über das Projekt: www.starkefrauen.org

„Man kann alles schaffen, man muss immer stark sein. Andere Frauen können das auch." Rabia aus Afghanistan teilte ihre schicksalshafte Geschichte für das Projekt.
Videografin Madeline Sprock (links) und Fotografin Claudia Warneke aus Höxter (Nordrhein-Westfalen) stellen Bilder aus ihrem Projekt "Starke Frauen" in der Paulanerkirche in Amberg aus.
(von links) Geschäftsführerin des evangelischen Bildungswerks (EBW) Amberg Bettina Hahn, Fotografin Claudia Warneke, Filmemacherin Madeline Sprock und 1. Vorsitzender des EBW Siegfried Kratzer, freuen sich über die gelungene Ausstellungseröffnung.

Mehr Infos über das Projekt und den Video Trailer zu den Interviews gibt es hier

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