29.03.2020 - 14:10 Uhr
AmbergOberpfalz

Gottesdienste als Live-Stream: "Wir sind nicht allein! Niemals!"

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Außergewöhnliche Situationen erfordern außergewöhnliche Maßnahmen: Weil die Kirchen wegen der Corona-Pandemie leer bleiben müssen, haben die Oberpfalz-Medien und die Amberger Zeitung am Sonntag Gottesdienste live im Internet übertragen.

Pfarrer Thomas Helm predigte am Sonntag in St. Martin vor leeren Kirchenbänken. Dort waren allerdings Fotos von Mitgliedern der Gemeinde angebracht. Diese Aktion sollte symbolisieren, dass die Gläubigen nicht alleine sind. Pfarrer Helm hatte über die Pfarrei-Seite im Vorfeld dazu aufgerufen, ihm solche Bilder zu schicken.
von Thomas Kosarew Kontakt Profil

Thomas Helm, der Pfarrer von St. Martin, hatte diese Idee, mit der die Redaktion auf ihn zugekommen war, vorab schon einmal selbst ausprobiert - und war begeistert von der Resonanz. So war das auch an diesem Sonntag, als in der Spitze bis zu 150 Gläubige die Eucharistiefeier live verfolgten. Direkt nach der Messe zog der Geistliche eine erste kurze Bilanz: "Dank Live-Stream im Internet können wir uns auf diese Weise zum gemeinsamen Singen, Beten und Feiern verbinden. Ich bin Onetz sehr dankbar für diese Möglichkeit, über die wir viele mit unserem Gottesdienst erreichen konnten. Wir werden in der kommenden Zeit auch weiterhin über unsere eigenen Kanäle die Gottesdienste streamen."

In seiner Predigt sagte Helm wörtlich: "Wir brauchen Kommunikation und menschliche Nähe. Wo das nicht gegeben ist, da fehlt uns etwas. Da fühlen wir uns wie abgeschnitten vom Leben. Wie tot." An Tagen wie diesen verschieben sich laut Helm Prioritäten. Vieles sei anders geworden in den Tagen von Corona. Als Beispiele nannte der Geistliche "starke Einschränkungen unserer Freiheit und in unserem Alltag". Wörtlich sagte der Pfarrer in der leeren Basilika: "Trennung von Verwandten, Freunden, ja, vielleicht sogar von der Familie. Wir müssen Abstand halten, das ist wichtig und daran können wir wenig ändern."

"Weiterhin Kontakt halten"

Doch man könne weiterhin Kontakt halten, über Telefon, E-Mail, Skype oder mit einem Brief. Helm: "Auch wenn wir uns nicht persönlich treffen können, so sind wir doch nicht voneinander isoliert. Wir können Kontakt halten auch über räumliche Grenzen hinweg. Vieles ist anders. Ja, aber wir sind nicht abgeschnitten vom Leben." Aber genau das gebe es leider auch: Menschen, die sich absondern, keine Gemeinschaft zulassen, resigniert haben. Sie hätten keine Wünsche, Hoffnungen und Perspektiven. Der Geistliche meinte damit Menschen mit Depressionen und seelischen Leiden, die die Situation jetzt besonders bedrückend und belastend empfinden. Auch zu ihnen sagte Helm: "Haben wir Zuversicht. Wir sind nicht allein. Niemals."

Das Team der Paulanergemeinde ist wieder komplett (von links): Bernd Schindler, Julia Sollinger, Matthias Weigart und Joachim von Kölichen.

"Liebe Gemeinde zu Hause"

Video-Übertragung aus der Paulanerkirche (Teil 1)

Video-Übertragung aus der Paulanerkirche (Teil 2)

In der leeren Paulanerkirche begrüßte Pfarrer Joachim von Kölichen im Livestream die "liebe Gemeinde zu Hause" und sprach davon, dass sich derzeit alle nach Normalität sehnen. Die Übertragung des Gottesdienstes im Internet sei in diesen Tagen eine Form der Normalität. Gleiches gelte für die Vorstellung des neuen Personals. Pfarrerin Julia Sollinger hat zum 1. März die Pfarrstelle im Andreas-Hügel-Haus übernommen, Pfarrer Matthias Weigart die zweite Stelle in Paulaner. Beide feiern diesen Sonntagsgottesdienst mit von Kölichen, der wissen ließ: "Das Feiern kommt dann später."

Für die Amberger Zeitung und Oberpfalz-Medien war es eine Premiere. Zum ersten Mal übertrug das Unternehmen Gottesdienste live im Internet.

Vierter im Bunde war der für Kümmersbruck zuständige Pfarrer Bernd Schindler. Er sagte: "Menschen sitzen in ihren Häusern. Mit all dem Schönen und Schweren, mit ihren Ängsten und Gefühlswelten, die wir nicht sehen, die aber eben dennoch da sind." Es gebe in Zeiten der Corona-Pandemie "extrem viel Sorge und Ungewissheit, was noch kommen mag", gerade mit Blick auf die nächsten Tage. Seine Worte an die Gemeinde beendete Schindler so: "Für alles, was in und noch vor uns liegt: Möge Gott uns dabei helfen."

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