12.10.2018 - 16:00 Uhr
AmbergOberpfalz

Großer Transport, kleine Folgen

Auf seiner Ladefläche transportiert ein tschechischer Lkw Tausende Kleintiere. "Der bisher größte illegale Transport", titelt ein Massenblatt. Was juristisch nun übrig bleibt sind zwei kleine Strafbefehle.

Käfig reiht sich an Käfig: Wo sonst die Helfer des Amberger Tierheims ihre Pausen machten, lebten nach der Kontrolle des Transporters Ratten und anderes Getier. Nun hat sich herausgestellt, nur Details waren an dem Tiertransport zu beanstanden.
von Autor HOUProfil

Das Fahrzeug wurde genau vor einem Jahr am Autobahnrastplatz Stocker Holz (Gemeinde Schmidgaden) von Verkehrspolizisten kontrolliert. Danach lief eine bisher im Bundesgebiet beispiellose Aktion an: In dem Klein-Lkw, der an diesem Tag um 14 Uhr von einer tschechischen Tierhandlung aus mit Ziel Frankreich und Belgien aufgebrochen war, befanden sich geschätzt 7000 Kreaturen.

Die in Käfigen und Verschlägen untergebrachten Tiere wurden von den Beamten beschlagnahmt und dann nach Amberg gebracht. Dort stieß der Tierschutzverein bald an seine Grenzen. Denn es waren noch mehr als die vermuteten 7000. In einer Liste des Amberger Oberstaatsanwalts Thomas Strohmeier standen seither: 1293 Wanderratten, 28 Zwergkaninchen, 6265 Mäuse, 235 Goldhamster und Hamster, 77 Meerschweinchen, sieben Chinchillas, vier Chamäleons, 100 sehr seltene Axolotl und 20 weitere Nager. Hinzu kamen Insekten wie Kakerlaken und ähnliches Getier. Teilweise in tiefgefrorenem Zustand und wohl als Futter gedacht.

Helfer überfordert

Wohin damit? Während der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, Thomas Schröder, entrüstet davon sprach, dass "dieser rechtswidrige Transport alle Dimensionen sprengt", wurde die lebende Fracht auf Tierstationen in der ganzen Bundesrepublik verteilt. Ganz besonders war das Amberger Heim gefordert.

Interessant in diesem Zusammenhang: Schon nach wenigen Tagen war die gesamte Rechnung überholt. "Denn die Tiere vermehrten sich heftig", wie Oberstaatsanwalt Strohmeier jetzt zum Ermittlungsabschluss wissen ließ. Der Jurist hatte die Ermittlungen an sich gezogen und einen Münchener Sachverständigen im Professorenrang mit einem Gutachten beauftragt.

Dabei stand wohl schon nach einiger Zeit fest: "Die Papiere des Fahrers waren absolut in Ordnung". Also kein illegaler Handel durch den Unternehmer in Tschechien. Einher ging damit der Umstand, dass nach Strohmeiers Darstellung auch keine Verstöße gegen das Artenschutzgesetz vorlagen.

Fünf Stunden kein Wasser

Trotzdem gibt es jetzt zwei Strafbefehle gegen den Händler und seinen Fahrer. Im Gutachten, so Strohmeier, sei der Experte zu der Auffassung gelangt, dass es den Wirbeltieren an Wasser fehlte und ihnen somit "länger anhaltendes Leiden zugefügt wurde." Und das über fünf Stunden hinweg: Abfahrt in Tschechien war gegen 14 Uhr, Kontrolle an der A 6 gegen 19 Uhr. Mehr, so der Oberstaatsanwalt, lasse sich nach Lage der Dinge strafrechtlich nicht belegen. Gleichwohl könnten sich andere Begleitumstände dieses Transports in der Bereich von Ordnungswidrigkeiten verweisen lassen.

Die beantragten Strafbefehle sind unterdessen dem Vernehmen nach von einem Schwandorfer Amtsrichter unterzeichnet worden. Im Fall des Fahrers, der 500 Euro Sicherheitsleistung hinterlegen musste, würde dieser Betrag bei Annahme der Ahndung in Höhe von 60 Tagessätzen verrechnet. Er und sein Chef könnten aber auch Einspruch einlegen. Dann käme es in Schwandorf zum Prozess. Die Rechte an den Tieren hat der Händler aus dem Nachbarland unterdessen aufgegeben.

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