26.09.2018 - 15:59 Uhr
AmbergOberpfalz

Hebammen völlig ausgebucht

3000 Hebammen gibt es in Bayern. Das sind viel zu wenig, denn die Geburtenzahlen steigen stetig, auch in den Kliniken in Amberg und Sulzbach-Rosenberg. Wer eine Hebamme für die Nachsorge sucht, muss sich frühzeitig um einen Termin kümmern.

Leitende Hebamme Klaudyna Golkowski (links) bei der Arbeit. Im Klinikum St. Marien gibt es keinen Versorgungsengpass. Die Hebammen, die nach der Geburt die Nachsorge übernehmen, sind am Limit.
von Andrea Mußemann Kontakt Profil

Es kommt immer wieder mal vor, dass frisch gebackene Mütter das Klinikum in Amberg verlassen, ohne zu wissen, welche Hebamme die Nachsorge übernimmt. Klaudyna Golkowski ist Leitende Hebamme im Klinikum St. Marien und führt darüber eine Statistik. In zwei Sommermonaten betraf der Engpass 20 Frauen. Deshalb stellten die Hebammen aus dem Klinikum in einem Förderprogramm der Regierung einen Antrag auf eine Koordinationsstelle.

"Das soll künftig eine Notfallambulanz für alle sein, die keine Hebamme gefunden haben", erklärt Golkowski. Damit soll ein Netzwerk zwischen den Geburtshelferinnen in der Klinik und den Hebammen draußen die Versorgungslücken in der Urlaubszeit abdecken. Der Antrag liege derzeit zur Genehmigung bei der Stadt Amberg. Das Geld dafür soll von der Regierung kommen. Während es im Kreißsaal des Klinikums St. Marien nach Auskunft von Golkowski noch keinen Engpass zu beklagen gab, hatten die Tirschenreuther Kollegen massive Probleme. Hier sprangen die Geburtshelferinnen aus Amberg kurzfristig ein, um die Versorgungslücke zu schließen. "Es gibt immer weniger Interesse an dem Beruf", begründet Golkowski. Und: Die Geburtenzahlen sind in den vergangenen drei Jahren "extrem" gestiegen", sagt Mireille Sommer, Hebamme im St.-Anna-Krankenhaus in Sulzbach-Rosenberg. Das ist ein Grund dafür, warum es immer schwieriger werde, eine Hebamme für die Nachsorge zu finden. Vor allem für Frauen, deren Geburtstermin in der Urlaubszeit liegt, also im Juli oder August, ist es ihrer Ansicht nach "eine Katastrophe". Sommer: "Es gibt nicht so viele Hebammen am Markt wie eigentlich benötigt werden." Der Beruf sei geprägt von einer hohen Verantwortung, geringer Bezahlung und unmöglichen Arbeitszeiten: "Wir können nicht bestimmen, wann die Kinder kommen. Sie kommen, wann sie wollen."

Hebamme Tanja Ludwig ist freiberuflich in Amberg tätig. Auf ihrer Homepage ruft sie werdende Mütter dazu auf, sich "frühestmöglich" anzumelden, damit die Betreuung sichergestellt sei. Bis Januar ist sie bereits ausgebucht. Ihre Berufskollegin Ute Peter aus Paulsdorf sogar bis Ende März. "Die Frauen melden sich zum Teil sofort nach einem positiven Schwangerschaftstest", so die Kreissprecherin der Hebammen für den Raum Amberg. Dabei sei nicht die Zahl der Hebammen zurückgegangen, sondern die der Geburten rasant gestiegen. "Wir müssen Frauen absagen, weil wir am Limit sind." Sie empfindet die Situation als ernst: "Eine Versorgungslücke ist da." Gemeinsam mit ihrer Kollegin Ulrike Zimmek aus Vilseck startet sie demnächst eine Bedarfsanalyse, um einen Überblick gewinnen zu können, was notwendig ist.

Die vergangenen drei Wochen arbeitete Ute Peter zehn Stunden pro Tag. Sie lacht auf die Frage, ob sie trotzdem einer jungen Frau die Ausbildung empfehlen würde: "Natürlich. Es ist der schönste Beruf der Welt und jede Geburt auch nach 30 Jahren immer noch ein Wunder."

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